Rom (dpa)

«Empfang wie für einen König»: Italiens Flirt mit China

Roms Zentrum blockiert, fähnchenschwenkende Fans und ein Konzert mit Startenor: Mit viel Pomp und Aufsehen beginnt Chinas Präsident Xi seine Europatour in Italien. Dort hofft man auf Milliarden aus dem fernen Osten - und schließt sich einem umstrittenen Projekt an.
Xi Jinping in Rom
Italiens Präsident Sergio Mattarella empfängt den chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Quirinalspalast in Rom. Foto: Alessandra Tarantino/AP

Mehr Geld für Häfen und Straßen, mehr Touristen, mehr Kultur: Italien verspricht sich von einer umstrittenen Annäherung an China Vorteile auf allen Ebenen.

Als erstes Land der sieben großen Industrienationen G7 will sich Italien diesen Samstag dem chinesischen Mega-Infrastrukturprojekt «Neue Seidenstraße» anschließen. Zum Auftakt einer Europareise von Chinas Staatspräsident Xi Jinping rollte ihm Rom am Freitag den roten Teppich aus.

Italiens Präsident Sergio Mattarella spielte nach einem Treffen mit Xi auf Bedenken anderer Staaten an. Auf der «Neuen Seidenstraße» müsse der Verkehr in beide Richtungen laufen. Zudem dürfe sie nicht nur für den Austausch von Waren da sein, sondern darüber sollten «auch Ideen, Talente, Wissen, langfristige Lösungen für gemeinsame Probleme und Zukunftsprojekte» ausgetauscht werden. Mattarella hofft auch auf einen Dialog über Menschenrechte - ein mehr als heikles Thema in China.

China will im Rahmen des geostrategischen Vorhabens Milliarden in Häfen, Straßen, Bahnstrecken, Telekom-Netze und Flughäfen investieren. Am Samstag wollen Vertreter der populistischen Regierung in Rom eine Absichtserklärung unterschreiben, mit der sie Pekings «Seidenstraße» formell Unterstützung zusagen. Xi betonte, die Kooperation bringe gegenseitige Vorteile und Respekt. «Zwischen uns gibt es keinen Interessenskonflikt.»

Mit der «Seidenstraße» sollen neue Wirtschafts- und Handelskorridore nach Europa, Afrika, bis nach Lateinamerika, aber auch innerhalb Asiens entstehen. Große EU-Partner und die USA haben Bedenken. Sie kritisieren unter anderem mangelnde Transparenz und unfaire Wettbewerbsbedingungen. Zudem wird befürchtet, das China seinen weltweiten Machtanspruch damit ausbaut.

In Rom wurde Xi allerdings mit Glanz und Gloria empfangen. Das Zentrum war zeitweise blockiert, Hubschrauber kreisten über der Stadt, chinesische Fans empfingen Xi mit Fähnchen und Bannern. Xi sollte von einer 300 Mann starken Delegation begleitet werden. Am Abend steht ein Staatsdiner im Präsidentenpalast an. Im Anschluss soll Startenor Andrea Bocelli auftreten. Von einem «Empfang wie für einen König» sprachen italienische Zeitungen.

Vize-Regierungschef Luigi Di Maio von der Fünf-Sterne-Bewegung versuchte, Bedenken beiseite zu wischen. Die Kooperation würde Jobs und Unternehmen in Italien schaffen. «Ich kann versichern, dass (die Absichtserklärung) eine sehr große Chance für uns alle ist.» Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft der EU und zuletzt in die Rezession abgerutscht. Investitionen tun also Not.

«Auf wirtschaftlicher Ebene sind wir daran interessiert, die großen Chancen des riesigen chinesischen Marktes zu nutzen, ebenso wie bilaterale Investitionen», schrieb Regierungschef Giuseppe Conte in einem Gastbeitrag in der «Welt». «Dabei müssen wir in der Lage sein, eine Zusammenarbeit mit Peking auf der Basis der Gleichberechtigung aufzubauen - ohne auch nur einen Schritt von unseren eigenen Werten und Prinzipien abzuweichen.»

EU-Staaten wie Ungarn und Griechenland haben sich der «Seidenstraße» bereits angeschlossen. Doch die großen historischen Partner Italiens - Deutschland, Frankreich und Großbritannien - verweigern eine Unterschrift. «Die Seidenstraße ist wesentlicher Bestandteil von Xi Jinpings neuer Außenpolitik, mit der er den Einfluss Chinas in den Nachbarregionen und darüber hinaus ausbauen will», schreibt das Mercator Institute for China Studies (Merics).

Nach einem Abstecher ins sizilianische Palermo am Samstag geht es für den kommunistischen Staatsführer Xi weiter über Monaco nach Frankreich. Am Dienstag trifft er in Paris neben dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.