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BAMBERG

Chris Dels: Ein Doping-Verstoß wie der meine darf sich nicht wiederholen

Anderen soll es nicht genauso gehen: Nachdem Chris Dels der Ironman-Weltmeistertitel auf Hawaii in der Altersklasse 35 nach einem formellen Verstoß gegen die Richtlinien der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) aberkannt worden ist, setzt sich der 35-jährige Bamberger für mehr Aufklärung im Athletenkreis ein – und nennt seinen eigenen Fall als abschreckendes wie lehrhaftes Beispiel.

Im April 2019 hatte er vor dem Ironman Texas eine nach einer Magen-Darm-Virus-Erkrankung medizinisch nötige, aber nicht ordnungsgemäß angemeldete Nährstoff-Infusion erhalten. Ein Video aus dem Krankenhaus landete zwar erst ein halbes Jahr später und damit nach Dels' Titelgewinn auf Hawaii bei der Ironman-Organisation. Die Folgen waren aber gravierend: Sieg aberkannt, dazu eine Wettkampfsperre von 14 Monaten. „Dabei hätte ein Anruf vor dem Krankenhaus viele Probleme vermeiden können. Inzwischen würde ich anders reagieren“, sagt der für Böhnlein Sports Bamberg startende Dels. Im Interview erklärt der Berufsschullehrer außerdem, warum er mit sich im Reinen ist, mit welchen Schwierigkeiten ein Triathlet in Zeiten von Corona zu kämpfen hat – und weswegen er ab heute Essen ausfährt.

Die Ironman-Organisation hat Ihnen den WM-Titel vor einigen Wochen aberkannt. Ist die Entscheidung nun endgültig?

Chris Dels: Ich hatte die Wahl: Einspruch einlegen und versuchen, meinen Namen reinzuwaschen – oder bald wieder bei Wettkämpfen starten. Einige Fachleute hatten einem Einspruch sogar gute Chancen eingeräumt und mir dazu geraten. Andererseits hätten die Untersuchungen alles in die Länge gezogen, auch meine 14-monatige Sperre hätte sich für diese Zeit fortgesetzt, wenn der Einspruch gescheitert wäre. Und dann hätte ich die Challenge in Roth definitiv streichen müssen.

Wie sehr nagt der Verlust des WM-Titels noch an Ihnen?

Eigentlich gar nicht – weil er nie mein Ziel war. Ich gehe damit locker um. Familie und Freunde waren von der Nachricht geschockter als ich und können nur schwer nachvollziehen, dass mir dieser WM-Titel tatsächlich so egal ist, wie ich es immer wieder betont habe. Das Erreichen der persönlichen Bestzeit und – trotz einiger Probleme in den Monaten davor – ein perfektes Rennen abgeliefert zu haben, entspricht meinen selbst gesetzten Zielen und fühlt sich noch immer wie eine absolute Genugtuung an. Mehr wollte ich nie.

Sie hatten im April 2019 gegen den Wada-Code verstoßen, als Sie vor dem Ironman-Rennen in Texas eine Kochsalzlösung intravenös bekommen hatten, ohne aber die Genehmigung eingeholt zu haben. Kritiker sagen, Sie hätten es wissen können.

Natürlich muss ich mir den Schuh anziehen, da ich bei der Anmeldung ein Häkchen gesetzt habe, ohne den Code im Detail zu kennen und vor Ort auch nicht mehr nachgefragt habe – das war naiv und im Nachhinein natürlich ein Fehler, der sich leicht hätte abwenden lassen. Ich habe danach zwar rückwirkend die Genehmigung nachgereicht, weil im Krankenhaus die wesentlichen Daten aber nicht protokolliert wurden, fiel die Entscheidung gegen mich aus.

Welche Lehren ziehen Sie aus dieser Geschichte?

Durch die Aufarbeitung meines eigenen Falls in den vergangenen Wochen ist mir klar geworden, wie viel Unwissenheit im Athletenkreis besteht. Nicht nur in Sachen Doping, auch bei Formalitäten wie in meinem Fall. Es gibt zwar Aufklärungskampagnen der Nationalen-Anti-Doping-Agentur, der Nada, diese kommen aber beim Sportler zu selten an oder werden unzureichend wahrgenommen. In Deutschland greifen beispielsweise andere Regelungen als bei internationalen Wettkämpfen. Ein Fall wie der meine darf sich nicht wiederholen. Ich will gemeinsam mit der Nada aufklären, zum einen das Bewusstsein für das sehr komplexe Regelwerk schärfen, besonders aber auch die junge Generation für die Thematik sensibilisieren.

Mit sportlichen Zielen könnte es in naher Zukunft rar werden. Das Coronavirus hat den Sportbetrieb weltweit lahmgelegt. Wie behelfen Sie sich?

Das große Ziel ist die Challenge in Roth im Juli, da ist meine Sperre auch abgelaufen. Mitte April soll entschieden werden, ob sie stattfinden kann. Ich trainiere momentan so hart, als würde Roth stattfinden. Man braucht ein Ziel vor Augen, sonst folgt ein mentales Loch. Trotz Corona-Krise sollte jeder versuchen, aus der Situation das Beste zu machen – und auch an andere zu denken.

Wie meinen Sie das?

Ich verbinde mein tägliches Radtraining mit Einkaufsdiensten für Menschen, die momentan dazu nicht in der Lage sind. Ab Montag, 23. März, geht es los. Wer in Bamberg etwas vom Supermarkt oder woanders benötigt, kann sich gern an mich wenden – dann komme ich mit Fahrrad und Lastanhänger vorbei. Anfragen bitte über Facebook oder per E-Mail c_dels@yahoo.com