MICHELAU

„Erneuter Sieg in Roth wird schwer“

DATEV Challenge Roth 2019
Der Jubel in Roth 2019 war groß, als Andreas Dreitz das Rennen gewonnen hatte. In diesem Jahr wird die Konkurrenz noch s... Foto: Wolfgang Zink

Das Jahr 2019 ist abgehakt, die Pläne stehen, die Vorbereitung läuft – Andreas Dreitz ist bereit für 2020. Der Profi-Triathlet aus Michelau (Lkr. Lichtenfels) will in diesem Jahr erneut angreifen. So grandios er das vergangene Jahr mit der frühen Qualifikation für Hawaii, dem Sieg im 70.3-Rennen auf Marbella, Rang 3 in Aix-en-Provence und dem Triumph bei der Challenge in Roth angegangen ist, so unglücklich endete die Saison für den 31-jährigen Oberfranken. Mit dem Sturz vom Rad bei der 70.3-Weltmeisterschaft im September in Nizza und der erlittenen Schulterverletzung platze nicht nur die Titelträume an der Cote d'Azur, sondern auch ein vorderer Platz bei der Ironman-WM auf Hawaii. Die Schulter zwang ihn dort zur Aufgabe.

„Ich bin körperlich zu 100 Prozent da. So ein Sturz gehört zu meinem Sport, man muss weitermachen. 2020 ist eine neue Gelegenheit, meine Ziele zu erreichen“, sagt Dreitz.

„Besonders in schweren Momenten, wie nach meinem Sturz in Nizza, kommt es darauf an, ein starkes Team um sich zu haben, das auch in schweren Zeiten für einen da ist. Zunächst war ich sehr optimistisch, dass ich es bis Hawaii wieder rechtzeitig in einen vernünftigen Zustand schaffe, doch weitere Rückschläge brachten mich an meine Grenzen“, äußerte sich Dreitz vor kurzem auf der Seite des Bayerischen Triathlon-Verbandes.

„Genäht wie in Fremdenlegion“

Zu diesem Team zählt neben seiner Freundin Isabel Gillain auch seit Jahren Trainer Rainer Skutschik. Er bestätigt, dass der Radsturz bei Dreitz psychisch abgehakt sei. Der 52-Jährige aus Bayreuth kritisierte aber die medizinische Versorgung in Nizza. „Die Wunde an der Schulter wurde wie in der Fremdenlegion zusammengeflickt. Ein Schädel-CT wurde nicht gemacht. Das und ein MRT haben wir dann von Frankreich aus für den nächsten Tag in Deutschland organisiert“, berichtet Skutschik von dem heftigen Unfall im vergangenen September. Nach Hawaii begannen Dreitz und sein Trainer die Planungen für dieses Jahr.

Erneut hohe Ziele 2020

Die Ziele des 31-Jährigen sind in seinem siebten Profijahr wieder hochgesteckt, auch wenn er einschränkt, dass „es in Roth schwer wird, den Titel zu verteidigen“. Im mittelfränkischen Triathlon-Mekka tritt am 5. Juli die Weltelite an. Das komplette Podium der WM 2019 sind bei den Frauen und Männern am Start. Von den großen deutschen Namen fehlt lediglich Patrick Lange.

Auch bei der WM am 10. Oktober auf Hawaii will Dreitz hoch hinaus. „Ich will meinen 13. Platz von 2018 deutlich verbessern.“

Bis es aber so weit ist, muss sich der Michelauer – wie jeder andere Triathlet – für Hawaii qualifizieren. Dies will er gleich in seinem ersten Wettkampf des Jahres schaffen. In Port Elizabeth peilt der Michelauer beim Ironman Südafrika einen vorderen Platz an, der ihm das Ticket für Hawaii beschert. 2019 reichte ihm dafür Platz 6. „Vier Tickets werden heuer dort vergeben“, weiß der Oberfranke. Eines davon will er lösen. „Die Konkurrenz in Port Elizabeth ist stark. Doch Andi scheut die Konkurrenz nicht. Er startet nicht bei leichten Rennen“, beschreibt Skutschik den sportlichen Anspruch seines Athleten.

„Einen Plan B haben wir nicht“

Der Trainer geht davon aus, dass das klappt. „Einen Plan B haben wir nicht. Den würden wir erst aufstellen, wenn Plan A nicht aufgeht“, sagt der Lehrer für Mathe, Physik und Chemie an einer Kulmbacher Mittelschule.

Nach Plan A stehen für Dreitz am 26. April in Marbella und am 9. Mai auf Mallorca Rennen über die 70.3-Distanz auf dem Programm, ehe es nach Samorin (29./30. Mai) geht, wo die Organisation der Profi-Triathleten (PTO) ein besonderes Rennen mit einem sehr hohen Preisgeld veranstaltet. 2 Millionen Dollar werden dann beim ersten Collins-Cup, einem Teamtriathlon, vergeben. Angelehnt an den Ryder-Cup im Golf ist der Collins-Cup ein Wettbewerb zwischen den USA, Europa und den „Internationals“. Ursprünglich hatte die PTO den Plan, den Collins-Cup im fränkischen Roth durchzuführen. Benannt ist das kontinentale Triathlon-Kräftemessen nach Ironman-Hawaii-Erfinder John Collins. Jedes Team besteht aus zwölf Profi-Athleten, sechs Frauen und sechs Männern. Acht Athleten werden über die PTO-Rangliste in ihre Auswahl berufen, weitere vier Athleten werden auf Vorschlag der Team-Kapitäne von den Mitgliedern des PTO-Boards ausgewählt.

Die Vorbereitung auf die Saison liest sich wie ein dauerhafter Traumurlaub. Im Dezember auf Mallorca (unter anderem mit Patrick Lange), im Januar Lanzarote, danach in den Schnee in Leutasch (Österreich), ehe es diese Woche für drei Wochen nach Gran Canaria geht. Doch wer meint, Dreitz liege da am Strand, kennt den akribischen Planer nicht. Auf die Kanaren-Insel fliegt für eine Woche Trainer Skutschik mit. 35-Wochen-Stunden stehen bei solch einem Trainingslager im Plan.

„Braucht man wirklich alle Daten?“

Für Skutschik, der, bevor er Lehrer wurde, ein Maschinenbaustudium absolvierte, heißt das auch viel Arbeit am Computer. „Der Athlet ist voll verkabelt, wir haben alle Daten und werten die mit einer Software aus. Man muss sich aber auch fragen, braucht man das wirklich alles? Wichtig bei solchen Trainingslagern ist dann auch das Gefühl des Sportlers, der sagen muss: Ist das Training zu viel, zu wenig, zu leicht oder zu schwer?“, so der 52-Jährige, der in Bayreuth noch eine Gruppe von Triathleten in allen drei Disziplinen betreut, die zum Teil nun auch auf Gran Canaria zusammen mit dem Michelauer Profi trainieren.

In der Anfangszeit verbrachte Skutschik mit dem ehrgeizigen Sportler viel Zeit im Bayreuther Schwimmbad. „Da hatten wir zum Teil eine Eins-zu-eins-Betreuung im Wasser und Wochen mit bis zu 25 Kilometern“, sagt der Trainer, der Dreitz zu einem Schwimmer gemacht hat, der auf die Weltspitze bei weitem nicht mehr so viel Zeit verliert wie zu Karrierebeginn. Auf dem Rad arbeitet Dreitz noch mit einigen Spezialisten zusammen, die die Radposition im Windkanal testen. Auch bei der Laufstilanalyse besucht der Michelauer ab und zu das Trainingszentrum „next level“ in Schweinfurt. „Sein Set-up für Hawaii war perfekt. Das hätte ein Vorderplatz werden können“, sagt Skutschik im Rückblick auf 2019, das „wahrlich kein schlechtes war“. Überhaupt habe Dreitz in seiner Karriere nie ein richtig schlechtes Jahr gehabt. „Patrick Lange hätte 2019 sicher gerne mit Andi getauscht“, merkt der Bayreuther an.

Mit 31 komme Dreitz nun ins beste Triathleten-Alter. Drei große Ziele gebe es für Profis, sagte Skutschik. „Roth, Hawaii und mit Abstrichen Frankfurt, die will jeder mal gewinnen. Hinter Roth hat Andi bereits einen Haken gesetzt. Frankfurt muss man meiner Meinung nach nicht unbedingt starten, bleibt noch Hawaii.“ Dort entscheide dann die Tagesform, meint der Trainer, der Dreitz eine Top-3-Platzierung zutraut. „Es spricht aber auch nichts gegen einen Sieg. Andi hat bis auf Jan Frodeno alle Topathleten schon irgendwo geschlagen. Und es haben bereits weniger talentierte Triathleten auf Hawaii gewonnen, ich erinnere da nur an Thomas Hellriegel oder Faris Al Sultan. Und wer hat vor drei Jahren auf Anne Haug getippt?“

Das Potenzial zum Sieg wird Dreitz von seinem Trainer also bestätigt. „Nur zu starten, um zu finishen ist nicht Andis Art. Er hat vor Jahren gesagt, er will Weltklasse-Triathlet werden. Dazu muss er den Hawaii-Sieg im Kopf haben – und den hat er“, sagt Skutschik.

Bis es so weit ist, steht Anfang Juli wieder das Heimrennen in Roth als erster Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Als Titelverteidiger trifft er dann auch auf Frodeno und Sebastian Kienle. Der mediale Fokus wird – wie immer – auf den beiden Hawaii-Siegern liegen. „Andi ist kein Athlet, der große Töne spuckt, oder der einen übertriebenen Hang zur Selbstdarstellung hegt. In Zeiten von Social Media ist auch das eine Eigenschaft, die ihn so sympathisch macht“, schreibt Niclas Bock auf www.pushing-limits.de. Das sieht auch sein Trainer so, der es gar nicht so schlecht findet, wenn jeder auf die beiden Stars blicke. „Das motiviert Andi eher, wenn andere im Fokus stehen.“

Fränkischer Sponsor gesucht

Auf die Sponsorensuche wirke sich das nicht aus, meint Skutschik, der die Kontinuität von Dreitz als dessen Pfund sehe, mit dem er wuchern könne. Dreitz selbst hat sich diesbezüglich mit Fredrik Ljungström für sein Marketing Verstärkung geholt. Der gebürtige Schwede arbeitete schon für Patrick Lange. „Für einen fränkischen Sponsor habe ich noch Platz“, merkt Dreitz an, der Wert auf seine Herkunft legt, auch bei der Sponsorensuche.

Schlagworte