RÖSLAU

Vom Standesamt ins Tor

AW: Spielbericht Röslau - Lichtenfels
Am Vormittag geheiratet, am Abend im Tor: Der Röslauer Torwart Sebastian Blechschmidt klärt mit Fußabwehr gegen den heranstürmenden Lichtenfelser Luca Ljevsic. Foto: Michael Ott

Fußball-Landesliga

Bereits am Freitagabend haben die Landesliga-Fußballer des FC Lichtenfels beim FC Vorwärts Röslau mit 1:4 ihre 14. Saisonniederlage im 32. Spiel kassiert. Das Team des Gästetrainergespanns Alexander Grau/Christian Goller droht in den verbleibenden zwei Saisonspielen noch auf Rang 13 abzurutschen.

Die Röslauer sicherten dank einer grandiosen ersten Hälfte mit diesem Sieg den Ligaverbleib ab. Im Mittelpunkt der Partie stand aber Vorwärts-Torhüter Sebastian Blechschmidt. Der hatte am Vormittag standesamtlich in Hof geheiratet und stand am Abend zwischen den Pfosten. Richtig gefeiert wurde aber erst am Samstag nach der kirchlichen Trauung in Konradsreuth im Schloss Thurnau – und seine Mannschaftskollegen sind natürlich dabei.

Blechschmidts Wunsch, wieder einmal zu null zu spielen, wäre beinahe in Erfüllung gegangen. Doch in der 85. Minute machte ihm der Lichtenfelser Dennis Schunke einen Strich durch die Rechnung. Doch den Gegentreffer konnte der Bräutigam verschmerzen. „Hauptsache gewonnen und den Klassenerhalt geschafft“, strahlte auch er nach dem Spiel.

Warum nicht immer so? Das fragten sich die wenigen Zuschauer in der Halbzeitpause. Die Röslauer brannten in den ersten 45 Minuten ein wahres Offensiv-Feuerwerk ab. Von Beginn an wurde konsequent über die Flügel gespielt, und ein Angriff nach dem anderen rollte auf das Tor der Korbstädter. Allerdings musste Blechschmidt in der Anfangsphase bei zwei Kontern auch Kopf und Kragen riskieren, um einen Gegentreffer zu verhindern.

Fabian Strum dreimal Vorbereiter

Alle drei Tore in der ersten Halbzeit bereitete Fabian Sturm auf der linken Außenbahn glänzend vor. Zunächst konnte er im Strafraum nur durch ein Foul gebremst werden; den fälligen Elfmeter verwandelte Kapitän Jaroslav Smrha zum 1:0 – um ein Haar hätte Torhüter Kraus den Ball gehalten. Der Angriff, der zum 2:0 führte, war alleine sein Eintrittsgeld wert: Wieder war es Sturm, der sich auf Zuspiel von Ertac Tonka auf der linken Seite durchsetzte und den mitgelaufenen Waldemar Schneider herrlich bediente. Und auch das 3:0 verlief nach ähnlichem Muster: Sturm flankte in den Strafraum, Tonka legte den Ball zum besser postierten Kaan Gezer quer, und der hatte keine Mühe, zum 3:0 einzuschieben.

Alleine Gezer hätte in der ersten Hälfte schon alles klarmachen können, vergab aber zwei Mal allein vor dem Tor.

In der zweiten Halbzeit ließen es die Röslauer im Gefühl des sicheren Sieges ruhiger angehen. Lichtenfels machte nun viel Druck, blieb aber vor dem Tor harmlos. Nachdem Tonka nach Vorarbeit von Berkan Kurdoglu zum 4:0 eingeschoben hatte, war der Widerstand der Gäste endgültig gebrochen. Der Lichtenfelser Trainer Alexander Grau trug die Niederlage seiner Mannschaft mit Fassung: „Natürlich hatten wir uns das ganz anders vorgestellt. Aber wenn du nach 20 Minuten schon mit 0:3 zurückliegst, kannst du nicht mehr viel ausrichten.“ Die Luft bei seiner Mannschaft sei einfach raus, resümierte Grau. „Es fehlten einfach die entscheidenden Prozente, um die nötigen Schritte und Meter zurückzulegen.“ Den Röslauern bescheinigte er, die Tore richtig gut herausgespielt zu haben. Ali Sener wusste: „Meine Jungs haben in erster Linie für Sebastian Blechschmidt gespielt.“ Denn es sei nicht selbstverständlich, „nach der standesamtlichen Trauung und dem Kaffeetrinken mit der Familie abends im Tor zu stehen“, sagte der Trainer. (B.N.)

FC Vorwärts Röslau: Blechschmidt, Kurdoglu (77. Knoblauch), Schmidt, Smrha, Sturm, Tamo, Benker (69. Siniawa), Hermann, Gezer (77. Blaumann), Tonka / FC Lichtenfels: Kraus, Mohr, Graf (72. Hatzold), Wige (46. Fischer), Hellmuth, Geldner, Wagner (77. Muktar), Ljevsic, Pfadenhauer, Zollnhofer, Schunke / SR: Stühler (Oesdorf) / Zuschauer: 100 / Tore: 1:0 Smrha (7., Foulelfmeter), 2:0 Schneider (18.), 3:0 Gezer (21.), 4:0 Tonka (60.), 4:1 Schunke (85.)

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