LICHTENFELS

Capoeira bei der TSL: Kampf, Tanz, Akrobatik und Musik

Angriff und Verteidigung beim Capoeira erinnern ein bisschen an einen Showtanz. Foto: Klaus Gagel

Capoeira

Die rhythmische Musik und die fließenden Bewegungen beim Capoeira erinnern an einen Tanz. Doch was wie ein akrobatischer Tanz aussieht, ist in Wirklichkeit eine Kampfkunst, die während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika verschleppten Sklaven praktiziert wurde.

Capoeira ist der Wolf im Schafspelz unter den Kampfsportarten, eine Mischung aus Kampf, Tanz, Spiel, Akrobatik und Musik. Seit Dienstag dieser Woche bietet die Lichtenfelser Turnerschaft künftig jeweils am Dienstag von 18 bis 19 Uhr Trainingseinheiten an.

Zunächst handelt es sich beim TSL-Neuling um einen Ableger von Capoeira-Coburg, wo Professor Falcao die Gruppe „Origem da Bahia“ seit 2012 bei der Coburger Turnerschaft leitet. Falcao unterrichtet dort schon Kinder ab vier Jahre, aber natürlich hauptsächlich Jugendliche und Erwachsene. Dabei werden nicht nur die Techniken des Angriffs und der Verteidigung erlernt, sondern auch die rhythmischen Instrumente, Capoeria-Lieder. Sprache und Akrobatik sind wichtige Elemente des Trainings.

Die Musik und die tänzerischen Elemente haben ihren Ursprung nach heutiger Überlieferung darin, dass die Sklaven das Training und die Ausübung ihrer Kampftechniken gegenüber ihren Kolonialherren geschickt zu verbergen versuchten. Um die Kämpfe zwischen Sklaven und Sklavenhaltern ranken sich Legenden. So wird behauptet, dass die Sklaven ihre Kampfkunst sogar gegen die mit Schusswaffen bewaffneten Sklavenhändler eingesetzt hätten.

Doch die weitere Entwicklung zeitigte auch dunkle Seiten. Capoeristas taten sich in Hafenstädten wie Rio oder Salvador da Bahia in Banden zusammen und beherrschten mit ihrer Straßenkampftechnik ganze Stadtviertel.

Nach 1937 wurde die Capoeira zu einer modernen Kampfkunst weiterentwickelt, indem Elemente asiatischer Kampfsportarten integriert wurden, um die Effizienz dieser Kampfsportart zu erhöhen. Inhaltlich ist Capoeira von den Elementen des Kampfes, der Musik und der Roda (portugiesisch „Kreis“) geprägt. So bilden die Capoeristas mit rhythmischen Klatschen einen Kreis um die beiden Kämpfer in ihrer Mitte.

Für die Aktiven, die ihren Meister Falcao beim Schnuppertraining in Lichtenfels unterstützten, steht jedoch weniger der Kampf, sondern mehr die allgemeine Körperertüchtigung im Vordergrund. Schon beim Aufwärmen werden zahlreiche Muskelgruppen trainiert, die selbst der geübte Turner weniger in Anspruch nimmt. Auch wird in der Capoeira nicht der Begriff „Kampf“, sondern der Begriff „Spiel“ verwendet.

Es ist die abgestimmte Bewegungsfolge der beiden Capoeristas, die an einen Paartanz erinnert, inmitten der Gruppe als eine in sich geschlossene Gemeinschaft.

Für die Aktiven der TS Lichtenfels, die am ersten Schnuppertraining teilnahmen, war es nicht nur eine körperliche Herausforderung, sondern auch eine interessante Erfahrung, Körperertüchtigung auf einer fremden, neuartigen Grundlage zu betreiben. Sicher wird es noch einige Zeit dauern, bis sich die neue Sportart im breiten Angebot der Lichtenfelser Turnerschaft etabliert hat. Ein interessanter Sport ist es allemal.

Schlagworte