BURGKUNSTADT

Auf den Spuren des Sandplatzkönigs

Sommer-Reportage Tennis
Nicolas Winter in der Rafael-Nadal-AkademieFotos: privat

Fragt man Schüler, was die „perfekten Sommerferien“ ausmacht, so würde man Antworten wie Sonnenschein, Schwimmbad, länger schlafen oder Ähnliches erwarten. Für den 14-jährigen Julian und seinen neunjährigen Bruder Nicolas sieht das perfekte Ferienprogramm jedoch anders aus.

Während sich im heimischen Burgkunstadt Regenschauer mit wenigen Sonnentagen abwechseln, verbringen beide die Sommerzeit bei Sonnenschein auf Mallorca. Auf den ersten Blick ist das nicht ungewöhnlich, schließlich gehört die spanische Baleareninsel zu den Lieblingsurlaubszielen der Deutschen.

Projektwoche in der Schule

Doch die Brüder aus Burgkunstadt sind nicht auf die Insel gekommen, um Sandstrände, Buchten und malerische Natur zu genießen, sondern um Tennis zu spielen.

Seit sieben Jahren schlägt Julian nun den Filzball übers Netz, Nicolas machte im Alter von vier Jahren die ersten Schritte im „weißen Sport“. Inzwischen hat Julian mit 14 bereits zwei Bezirksliga-Spielzeiten für die Herren des Baur SV hinter sich, ist amtierender oberfränkischer Meister und wird in der deutschen Rangliste geführt. Nicolas misst sich ebenfalls erfolgreich mit älteren Kontrahenten.

Tennisakademie des Ausnahmekönners

Doch was hat das mit dem Familienurlaub auf Mallorca zu tun? Wenn die Eltern der beiden Talente nach einer zeitintensiven Wettspielrunde neben beruflichen Verpflichtungen eine Auszeit benötigen, dann geht das am besten, wenn ein Tennisplatz in der Nähe ist. Und genau dieses Kriterium erfüllt Mallorca besonders gut.

Denn für Tennisfans ist die Insel untrennbar mit einem Namen verbunden: Rafael Nadal. Der spanische Weltstar und French-Open-Rekordsieger ist nicht nur für sein gegnerzermürbendes Spiel auf der roten Asche bekannt, sondern auch dafür, ein stolzer Mallorquiner zu sein. Diese Heimatverbundenheit des ehemaligen Weltranglistenersten führte dazu, dass er in seinem Geburtsort Manacor 2016 eine moderne Tennisakademie bauen ließ, die ihm selbst als Trainingsort dient, aber auch Nachwuchsspielern aus aller Welt offensteht.

So kam es, dass die Aussicht auf eine Trainingswoche in der Akademie für Aufmunterung sorgte, als im Dezember 2020 die Tennishallen in Bayern vom Lockdown betroffen waren. In diesen Sommerferien trafen Julian und Nicolas an der Akademie ein, die neben unzähligen Tennisplätzen mit Fitness-, Wohn- und medizinischen Bereichen sowie einem Museum ausgestattet ist.

„Bin die bessere Version von mir selbst“

Dort erwartete sie eine ereignisreiche und anstrengende Woche unter der Anleitung von renommierten Trainern. Neben vielen Übungsstunden standen Kondition, Koordination und die mentale Seite des Tennis sowie ein Turnier mit anderen Spielern auf dem Stundenplan. Dabei freundete sich Julian sogar mit einem österreichischen Nachwuchsspieler an, der vom Vater des amtierenden US-Open-Siegers, Dominic Thiem, trainiert wird.

Fragt man beide, was sie besonders beeindruckt hat, so berichten sie von der Größe der Anlage, die – strandnah gelegen – auch Fußball- und Padel-Tennisplätze umfasst, oder von der professionellen Umgebung, in der das Training stattfindet. „Man merkt, dass das Team von Rafael Nadal hier ein Zentrum aufgebaut hat, das perfekte Trainingsbedingungen bietet. Denn hier findet man außer Tennistrainern auch Fitness- und Ernährungscoaches, Sportpsychologen oder Physiotherapeuten, die Spieler auf dem Weg zum Tennisprofi bestmöglich betreuen“, stellt Julian, der sich aufgrund eines Muskelfaserrisses selbst ein Bild von der medizinischen Betreuung machen musste, fest.

Auch für Nicolas war der Aufenthalt in der Akademie, die von „Onkel Toni“, dem Macher hinter der Erfolgsgeschichte von Rafael, geleitet wird, unvergesslich: „Das Training hier war super, weil wir nicht nur Tennis gespielt haben, sondern weitere Aktivitäten ausprobieren durften. Dabei habe ich andere Spieler kennengelernt, die sehr nett waren.“

Nadals Werte werden vermittelt

Die Botschaft, dass der Weg zum Profi ein langer ist, der maximalen Einsatz und Durchhaltevermögen erfordert, haben beide mitgenommen. Schließlich wurde von allen Teilnehmern erwartet, dass sie die Werte verinnerlichen, die hinter Nadals Erfolgsgeschichte stecken: Eigenverantwortung, Höflichkeit, Zuverlässigkeit und voller Einsatz. Diese Werte lassen sich kurz und prägnant in der Philosophie des sympathischen Spaniers zusammenfassen: „Ich bin die bessere Version von mir selbst.“

Ein nachdenklich stimmendes Motto, das den Brüdern sicher nicht nur auf den Tennisplätzen, sondern auch im Schulalltag von Nutzen sein wird.

Sommer-Reportage Tennis
Julian Winter war ebenfalls auf Mallorca erfolgreich

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