BAMBERG

Schulbiene flattert gegen Sterben an

Imker im Einsatz: Ilona Munique und ihr Partner Reinhold Burger gehen in Schulen, um den Kindern anschaulich die Welt der Bienen und des Honigs zu vermitteln. Eine wichtige Aufgabe, gerade vor dem Hintergrund des Bienensterben. Foto: Privat

Angefangen hat es mit einer Leidenschaft. Die Bamberger Ilona Munique und Reinhold Burger entdeckten 2011 ihre Lust am Imkern. Das Paar informierte sich eingehend über die Bienenhaltung, der erste selbst produzierte Honig floss, die Bienenvölker gediehen prächtig. Doch diese sind bedroht. Unter Imkern ist es längst bekannt – das Bienensterben verschärft sich.

„Es war für die Bienen ein extrem schlechter Jahresstart“, erzählt der selbstständige Geograph Burger. Aufgrund des langen Winters hat sich die Entwicklung verzögert, viele Völker haben nicht überlebt. Der Jungfernflug der Königinnen fiel zum Teil aus und damit auch eine neue Brut. „Bienen gelten als Spiegel der ganzen Umwelt“, so Munique. Wenn sie leiden, nicht genug Futter finden, an mysteriösen Krankheiten dahinsiechen, dann sind die Gründe tiefgreifend und betreffen letztlich die gesamte Tier- und Pflanzenwelt.

Dieser bedrohlichen Entwicklung wollten die Freizeitimker nicht länger machtlos zusehen, sondern – zumindest im Bamberger Raum – gegen das Problem angehen.

Kreativer Spendenaufruf

Das schwarz-gelbe Kostüm sitzt, die Fühler am Haarreif wackeln, wenn Ilona Munique für ihr Projekt „Schulbiene“ wirbt. Auf der Crowdfunding-Plattform bittet sie mit einem Video um Spenden. Crowdfunding, das bedeutet so viel wie Schwarmfinanzierung. Jeder kann etwas geben und originelle Pläne unterstützen. 8000 Euro hatte Munique als Summe angepeilt, um das Unterrichtskonzept „Bamberger Schulbiene“ umsetzen zu können.

Als „Weltrettungsplan der Honigbiene im Kleinformat“ bezeichnet die Erwachsenenbildnerin das ambitionierte Projekt. Ihr Ziel ist es, den Nachwuchs für die ökologischen Zusammenhänge der Honigbiene zu sensibilisieren. Langfristig angesetzt von der ersten Klasse bis hin zu Berufsschulen und Abiturjahrgängen richtet es sich an alle Jahrgänge. Dabei ist der facettenreiche Unterricht fächerüberspannend.

Mit ansprechenden Lehrmaterialien und hautnahem Kontakt zur „Biene Maja“ möchte das Paar die Schüler mitsamt deren Lehrern und Eltern aufklären. Im Mittelpunkt steht das Leben der Biene, deren Bedürfnisse und Leistungen sowie die Probleme und Herausforderungen der Imkerei. Denn die Biene ist zwar klein und unauffällig, aber immerhin das drittwichtigste Nutztier für den Menschen nach Rind und Schwein.

Wobei auf letztgenannte verzichtet werden könnte, so Munique. Ganz im Gegensatz zur Biene. Denn die Bestäubungsleistung der emsigen Tierchen ist elementar für die Entwicklung von Obst und Gemüse, betonen Burger und Munique. Fehlt sie, dann vermindert das die Ernten nektartragender Pflanzen wie Obst, Raps und Beerensträucher und schränkt somit die Lebensgrundlage von Tier und Mensch ein.

Unterricht mit allen Sinnen

Die Gründe für das Bienensterben sind vielfältig. Parasiten wie die sogenannte Varroa-Milbe saugen die Honigbienen aus. Nicht alle Imker behandeln ihre Bienen mit der notwendigen Konsequenz. Monokulturen erschweren die Nahrungssuche. Viele verhungern oder werden durch Pestizide gefährdet. „Wir brauchen darum viel jungen Imker-Nachwuchs, der von Anfang an Bescheid weiß“, erklärt Munique. Zudem wolle das Imker-Paar den Stellenwert von qualitativ hochwertigem Honig stärken und einen „Bamberger Lagenhonig“ als regionale Marke etablieren. Das Besondere: der Honig kann bestimmten Sammelgebieten zugeordnet werden.

Viel Zeit stecken sie in ihren Blog. Ausführlich berichten die Imker hier über ihr Hobby und die Fortschritte des Projekts. Denn dank erfolgreicher Spendenaktion konnten Burger und Munique ihre „Schulbiene“ zum Leben und Lehren erwecken. 86 Unterstützer haben insgesamt 8520 Euro gegeben.

„Wir brauchen darum viel jungen Imker-Nachwuchs, der von Anfang an Bescheid weiß.“
Ilona Munique Projekt „Schulbiene“

Wäre der Aufruf gescheitert, hätten die Einzelnen ihr Geld zurück erhalten. Als „Dankeschön“ für die Spenden gab es Honig, Bienenpatenschaften, liebevoll gestaltete Karten und Porträts auf dem Weblog.

Das Geld ist zum Teil bereits gut investiert. Unterrichtsmaterial konnte beschafft werden, Rucksäcke voller Schulbücher, Filme, Schaubilder und ein durchsichtiges Bienenschaufenster. Die ersten Bamberger Schulen – von der ersten Klasse hin zum Gymnasium – haben das Angebot bereits genutzt.

„Die Rückmeldungen sind durchweg ermutigend, die Kinder sind begeistert und neugierig“, freuen sich Burger und Munique. Ihr Konzept scheint aufzugehen. Immer wieder staunen sie über die zahlreichen Fragen, mit denen sie bei ihren Schulbesuchen bestürmt werden. „Wie lange leben Bienen?“, „Essen Frösche Bienen, und was passiert, wenn der Frosch dabei gestochen wird?” und „Warum legt nur die Königin Eier?“

Sanftes Summen im Ohr, süßlicher Honigduft in der Luft: Fernab des Klassenzimmers am Lehrbienenstand Wildensorg-Rinnersteig haben sich die Schüler auf die Suche nach der Bienenkönigin gemacht und Honig aus der Wabe geschleckt. Von Berührungsängsten keine Spur.

„Ich hätte so gerne die Bienen noch länger gestreichelt“, habe ein anfangs zurückhaltender und verängstigter Schüler am Ende gesagt. Unterricht zum Anfassen und Begreifen eben.

Info: Auf der Seite: www.bienen-leben-in-bamberg.de informiert Ilona Munique regelmäßig über Aktuelles rund um das Imkern und die Bamberger Schulbiene.