BINDLACH

Er soll 3,7 Millionen Euro veruntreut haben

Auf der Suche nach Beweisen: In der NKD-Unternehmenszentrale in Bindlach fand auch eine Razzia statt. Gegen Unternehmen selbst wird aber nicht ermittelt. Foto: Arhciv / Nordbayerischer Kurier

Beim Textildiscounter NKD hat sich die Lage zugespitzt: Am Mittwoch fanden Razzien in der Unternehmenszentrale in Bindlach und in Privatwohnungen statt. Ein früherer Geschäftsführer sitzt wegen des Verdachts der Untreue in Untersuchungshaft.

Das teilte die Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Hof mit. Bei den Durchsuchungen sei umfangreiches Beweismaterial sichergestellt worden, berichtete Leitender Oberstaatsanwalt Gerhard Schmitt. Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen geht es um die Veruntreuung von 3,7 Millionen Euro. An der Aktion früh um 8.30 Uhr waren insgesamt vier Staatsanwälte, zwei Wirtschaftssachverständige und 30 Polizisten beteiligt. Als „mutmaßlicher Hauptverantwortlicher“ gilt der frühere Geschäftsführer Michael Krause, von dem sich das Unternehmen vor zwei Monaten überraschend getrennt hatte.

Nach Informationen des Nordbayerischen Kuriers wird dem Manager vorgeworfen, Firmengelder in Höhe von 3,7 Millionen Euro illegal über Hongkong weiter in die Steueroase Zypern transferiert zu haben. Dabei soll es um die Begleichung fingierter Rechnungen gegangen sein. Das Geld könnte möglicherweise der Finanzkrise zum Opfer gefallen sein. Die Ermittlungen waren durch eine anonyme Anzeige ins Rollen gekommen. Der Manager sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Hof in U-Haft.

NKD bestätigte, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Personen, die im Zusammenhang mit dem Unternehmen stehen oder standen, eingeleitet hat. „Gegen NKD wird nicht ermittelt“, sagte Pressesprecher Jörg Roßberg. „Selbstverständlich kooperieren wir mit den dafür zuständigen Behörden“, fügte er hinzu.

Zu schnell expandiert

Am 27. Juni 2013 hatte Deutschlands drittgrößter Textildiscounter mitgeteilt, dass Eigentümer Daum & Cie. (Rastede) einen Käufer suche und das Unternehmen zuvor restrukturiert werden müsse. Auch Filialschließungen und ein Arbeitsplatzabbau scheinen nicht ausgeschlossen. Experten der auf Sanierungen spezialisierten Kölner Unternehmensberatung Ziems & Partner übernahmen daraufhin das Kommando. Der überraschend entlassene Geschäftsführer hatte das Expansionstempo des Unternehmens deutlich verschärft. Statt zuvor rund 70 neue Filialen pro Jahr waren es 2012 etwa 200. Heute hat NKD rund 2000 Filialen und 8000 Mitarbeiter, davon rund 600 in Bindlach. Am Zentralstandort wird derzeit ein 24 Millionen Euro teures Logistikzentrum errichtet, das fast fertig ist.

Die Krise war absehbar. NKD schlitterte nach Informationen der Wirtschaftswoche bereits im Frühjahr 2013 nur knapp an der Insolvenz vorbei. Claas E. Daun, über seine Holding Daun & Cie. Mehrheitseigentümer des Discounters, soll Mittel von 40 Millionen Euro nachgeschossen haben, um eine unmittelbare Pleite abzuwenden. Auf Nachfrage wollte er sich nicht äußern, berichtete das Magazin.

Wie mehrere Führungskräfte der Wirtschaftswoche berichteten, war die erste Bilanz für das Geschäftsjahr 2012 falsch. Ein Verlust von 40 bis 60 Millionen Euro sei nicht ausgewiesen worden, was Insider auch auf fragwürdige Finanztransaktionen zurückführen. So sollen etwa Gelder über Hongkong und die Schweiz nach Zypern abgeflossen sein. Das könnte sich mit den aktuellen Ermittlungen decken. Eigentümer Daun & Cie. wollte gegenüber dem Kurier keine Stellungnahme abgeben und verwies auf den Discounter.

Trikotsponsor des FCN

Die Handelskette ist Trikotsponsor des Fußballbundesligisten 1. FC Nürnberg. Der Vertrag hat eine Laufzeit bis 2016 und soll dem Club nach unbestätigten Informationen gut vier Millionen Euro pro Jahr in die Kasse spülen. Wie sich die Restrukturierung des Unternehmens auf das Sponsoring auswirken, ist unklar. Der FC Nürnberg teilte auf Anfrage mit, man habe mit dem Discounter ein Vertragsverhältnis als Haupt- und Trikotsponsor. NKD habe die Verantwortlichen des Vereins über die künftigen Verkaufsabsichten in Kenntnis gesetzt.