BAMBERG

Blick in die Unendlichkeit

Ihre Bilder strotzen vor Farben, künden von Energie und Ausdruckskraft. Dabei titelt die Ausstellung der Bamberger Künstlerin Barbara Bollerhoff eher trübsinnig: „Schnittstelle zwischen Leben und Tod“, was Assoziationen wie Sterben, Untergang oder Ende auslöst. Doch allein schon die Vernissage im Bistumshaus Sankt Otto strafte diese Gedankengänge Lüge. Nicht nur, dass ein Bilderzyklus „Blick in die Unendlichkeit“ heißt, also hoffnungsvolle Perspektiven nach dem Tod aufzeigt. Auch die Künstlerin selbst sprühte Lebensfreude pur aus. Und Hausherr Martin Emge, Regens des Priesterseminars im Bistumshaus, riskierte eben diesen „Blick in die Unendlichkeit“, die dem glaubenden Christenmenschen nicht fremd sein sollte.

Für Emge bietet der Apostel Paulus einen zunächst biblischen Zugang zu den Werken Bollerhoffs nach dem Motto: „Wir haben jetzt noch keine Erkenntnis, werden später aber Christus schauen von Angesicht zu Angesicht.“ Es gehöre zur Grundhaltung des Glaubenden, dass vor der Unendlichkeit ein Schleier vorgezogen sei, der Gott noch nicht erkennen lasse. Den mystischen Zugang zu den Bildern sieht der Regens in der genealogischen Linie Bollerhoffs: Mütterlicherseits stammt die Künstlerin von der bekannten Dominikanernonne Columba Schonath ab. Diese Mystikerin sei befähigt gewesen, tiefer zu schauen: „Columba Schonath fand im Bild des Gekreuzigten Christus selbst“, so Emge. In ihr habe ein Feuer gebrannt, „das auf ihre Nachfahrin übergegangen ist“.

Tatsächlich lodert dieses Feuer nicht so lichterloh, dass es im Vorbeigehen wahrgenommen werden kann. Die ab-strakten Bilder in Acrylspachteltechnik verlangen ein Verweilen, einen langsamen Prozess des Betrachtens, bis es zu einem inneren Sehen kommt. Barbara Bollerhoff räumte selbst ein, dass das Thema „Schnittstelle zwischen Leben und Tod“ ein schweres, gewichtiges ist. Doch im Laufe der Arbeiten „hat sich die Schwere aufgelöst“. Was mit Schnittstelle, also dem Sterben, beschrieben sei, „wurde immer leichter, immer positiver – denn was wäre das Leben ohne den Tod?“ fragte die Katholikin und sechsfache Mutter Bollerhoff mehr rhetorisch die vielen Besucher der Vernissage. Die Existenz des Todes habe für sie eine entscheidende Bedeutung für ein sinnerfülltes Leben, das immer mit Blick auf den größeren Rahmen gelebt sein solle.

Bollerhoff philosophierte über Widerstände im Leben, die hindern und Dinge kompliziert machen: „Aber sie bereichern auch, eröffnen neue Perspektiven.“ Vor allem, wenn man Hilfe brauche und sie „manchmal durch die 14 Nothelfer bekommt“. Diesen Nothelfern von Achatius bis Vitus gibt die Künstlerin auf hochformatiger Leinwand ihren farblichen Ausdruck. Diese verblüffenden „Porträts“ im Gang vor der Caféteria des Bistumshauses schauen auf den Betrachter, verlocken zur meditativen Innenschau.

Auch andere Exponate wie „Das wilde Leben“, „Im Licht“ oder „Irrgarten“ erzählen Geschichten, die erst einmal verstanden werden wollen. All diese Lebensbilder in überwiegend expressiven Rottönen berühren, lassen nicht gleichgültig. Sie explodieren förmlich.

Fulminante Klänge gab es bei der Ausstellungseröffnung darüber hinaus zu hören. Barbara Bollerhoffs Tochter, die Konzertpianistin Katharina Königsfeld, griff mit virtuosem Klavierspiel die vibrierenden Lautmalereien der Bilder auf. Vivaldi, Mozart, Tschaikowsky und Schumann waren somit die musikalischen Vorläufer des bildnerischen Gestaltens von Barbara Bollerhoff.

Ausstellungsdaten

Die Ausstellung von Barbara Bollerhoff „Schnittstelle zwischen Leben und Tod“ entstand in Kooperation des Bistumshauses St. Otto, Heinrichsdamm 32, 96047 Bamberg, und der Katholischen Erwachsenenbildung in der Stadt Bamberg (KEB). Die Präsentation ist von Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr zu sehen und endet am 27. April.