LICHTENFELS

Zweiter Flechthandwerkermarkt dieses Sommers in Lichtenfels

Zweiter Flechthandwerkermarkt  dieses Sommers in Lichtenfels
Eine Urlauberin aus Utting am Ammersee war begeistert von den vielen Flechtprodukten und kaufte mehrere Artikel am Stand von Augustin Friedrich aus Altendorf (Landkreis Bamberg). Foto: Alfred Thieret

Nach dem ersten Flechthandwerkermarkt im August fand auch der zweite am vergangenen Samstag auf dem Marktplatz großen Zuspruch. Gleich zehn heimische und auswärtige Flechthandwerker stellten nicht nur ihre Erzeugnisse auf dem Marktplatz aus, sondern waren auch bei ihrer Tätigkeit zu bewundern. Viele Interessenten, darunter auch zahlreiche Urlauber, nutzten die Gelegenheit, aus der riesigen Auswahl an hochwertigen Flechtartikeln ein Exemplar auszusuchen.

Ein großes Sortiment an Gebrauchskörben aller Art, darunter auch Huckelkörbe, Gartenkörbe, Babykörbe und Truhen, hatte Augustin Friedrich aus Altendorf im Landkreis Bamberg zu bieten. Sein Betrieb besteht bereits in der dritten Generation. Unterstützt wird er von seiner Schwester und einer Angestellten. Friedrich verwendet überwiegend Weiden, die er selbst anbaut. Lediglich die sehr gefragten Brotkörbe, die früher aus Stroh gefertigt wurden, sind aus Peddigrohr.

Auch Sonderanfertigungen für Bäckereien

Den meisten Umsatz erzielt er auf Märkten in Südbayern, nämlich in Murnau, Seeshaupt, Fürstenfeldbruck und im Münchner Raum, aber auch verstärkt über das Internet. Auch Sichtschutzzäune fertigt er an. Mehrere Urlauberehepaare, etwa aus Utting am Ammersee und aus Norddeutschland, waren von den Produkten begeistert und kauften unter anderem Backschüsseln und Wäschekörbe.

Der schon in der vierten Generation bestehende Betrieb von Elmar Oppel aus Görau hat viele Stammkunden. Die vielfältigen Artikel sind überwiegend aus Weide gefertigt. Ein beträchtlicher Geschäftszweig sind Sonderanfertigungen, vor allem Regale für Bäckereien. Elmar Oppel ist gleichsam als kleiner Bub schon in der Werkstatt seines Vaters aufgewachsen und hat so auch den Wandel miterlebt. Früher standen Gebrauchskörbe für die Landwirtschaft wie Gras- und Kartoffelkörbe hoch im Kurs und man belieferte zudem Hausierer und Lagerhäuser.

Zweiter Flechthandwerkermarkt  dieses Sommers in Lichtenfels
Ein vielfältiges Angebot präsentierte Elmar Oppel aus Görau, der hier auch gleichzeitig das Flechten eines Korbes demons... Foto: Aflred Thieret

Mit einem Stand war auch Yoko Harth aus Bamberg vertreten, die erst im Juli ihre dreijährige Ausbildung an der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung erfolgreich abschloss. Sie hatte verschiedene Modelle von Einkaufskörben in allen Größen aus geschälten und ungeschälten Weiden im Angebot. Auf das Flechten brachte sie im Übrigen ein Besuch des Korbmarktes vor einigen Jahren.

Vielleicht wird sie künftig Heißluftballonkörbe flechten

Ihr Abschlussstück der Berufsschule, ein Sessel aus Weide, ist im Korbmuseum in Michelau neben anderen Abschlussarbeiten ausgestellt. Sie möchte zunächst in einem Angestelltenverhältnis arbeiten und hat schon eine Stelle bei einer Firma, die Heißluftballonkörbe herstellt, in Aussicht. Aus Heuerßen in der Nähe von Hannover kam Ursula Gerhards. Sie ging bereits 1988/89 bei einem Korbmacher in der Eifel in die Lehre und absolvierte zwischendurch einen Blockunterricht an der Berufsfachschule in Lichtenfels.

„Irgendwie zieht es mich immer wieder nach Lichtenfels.“
Ursula Gerhards, Flechterin aus Heuerßen

„Irgendwie zieht es mich immer wieder nach Lichtenfels“, stellte die Niedersächsin fest, schließlich habe sie schon des Öfteren beim Korbmarkt ausgestellt, und sie freut sich schon auf die nächste Veranstaltung. Gerhards arbeitet meist mit ungeschälter Weide. Ihre Körbe sind eher rustikal ausgerichtet, statt eines geflochtenen Henkels verwendet sie oft ein natürliches Holzstück als Griff.

Zweiter Flechthandwerkermarkt  dieses Sommers in Lichtenfels
Der aus Fesselsdorf stammende und in Müllheim in Baden-Württemberg lebende Daniel Schenk zeigte zum ersten Mal sein Flec... Foto: Alfred Thieret

Einen Ausschnitt aus seinem Werk zeigte auch der aus dem Weismainer Stadtteil Fesselsdorf stammende Daniel Schenk, der direkt nach dem Abschluss der Korbfachschule in Lichtenfels ein freiwilliges soziales Jahr in der Korbflechterei der Caritas-Werkstätten in Freiburg im Breisgau absolvierte, um Praxis zu gewinnen. Vor etwa zehn Jahren machte er sich selbstständig. Er vertreibt seine Produkte auf regionalen Märkten, übernimmt aber auch Auftragsarbeiten.

Eigentlich wollte er 2020 erstmals beim Korbmarkt ausstellen

Schenk verwendet meist ungeschälte Weide und fertigt auch nicht alltägliche Flechtartikel wie kleine Umhängetaschen, fahrbare Einkaufskörbe oder Puppenwagen. Im vergangenen Jahr hatte er sich erstmals für den Korbmarkt angemeldet, der aber Corona-bedingt ausfallen musste.

Zweiter Flechthandwerkermarkt  dieses Sommers in Lichtenfels
Rosa Gies aus Bamberg, die Schöpferin des Lichtenfelser Einkaufskorbes, zeigte an ihrem Stand Feinflechtartikel und Span... Foto: Alfred Thieret

Die Stadt Lichtenfels bot den Lichtenfelser Einkaufskorb S‘Körbla an, den zwei Absolventinnen der Berufsfachschule von 2018, Rosa Gies und Jennifer Rubach, geschaffen haben. Rosa Gies war mit einem eigenen Stand vertreten und bewies ihre vielfältige Schaffenskraft mit Feinflechtartikeln aus Weidenschienen als Sechseckgeflecht sowie Spankörben.

Der heimische Flechter Heinrich Geßlein demonstrierte auch seine Flechtkunst, er fertigt aber überwiegend größere Objekte wie Sichtschutzelemente und Zäune. Es präsentierten auch noch einige andere Flechter ihre Produkte, die schon beim ersten Flechthandwerkermarkt dabei waren.

Zweiter Flechthandwerkermarkt  dieses Sommers in Lichtenfels
Der Marktgraitzer Heinrich Geßlein gestaltet hier einen Flechtzaun im Miniformat. Foto: Alfret Thieret

Schlagworte