LICHTENFELS

Zweckverband: Die Zukunft beim FADZ mitgestalten

Von einem „historischen Moment“ sollte der Lichtenfelser Bürgermeister Andras Hügerich am Donnerstag im großen Sitzungssaal des Landratsamtes sprechen. Weil es „nicht alle Tage passiert, dass sich ein Landkreis und eine Stadt zu einem Zweckverband vereinigen“. Was der Zweckverband im Auge haben wird, ist der Förderverein des Forschungs- und Anwendungszentrums für digitale Zukunftstechnologien Lichtenfels (FADZ) und ein aus ihm zu erhoffender Aufschwung für Stadt und Landkreis.

Nun sei es offiziell, sollte es heißen. Zwar nahm die Regierung von Oberfranken die Verbandssatzung schon im September ab, aber erst mit der ersten Sitzung am Donnerstag sei man „offiziell aus der Taufe gehoben“.

Instrument, um als Kommune politisch zu begleiten

Doch selbst die feierlichen Worte von Hügerich sollten durch Landrat Christian Meißner noch Steigerung erfahren: „Jetzt wird's historisch“, meinte dieser, und an Worten wie diesen wird klar, mit welchen Hoffnungen und Erwartungen man in die Zukunft geht. Doch die Zukunft soll auch nicht nur erwartet, sondern auch mitgeformt werden. Der Zweckverband, so Meißner, sei „ein Instrument, mit dem wir als Kommune politisch begleiten können“.

Neben den Zweckverbandsmitgliedern, bestehend aus Stadt- und Kreisräten, waren zudem auch der Professor Stefan Gast und Frank Herzog im Saal, der eine Dekan der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik der Hochschule Coburg, der andere Vorsitzender des FADZ und von Meißner als „Spiritus Rector“ sämtlicher Enwicklungen zwischen 3D-Druck und FADZ bezeichnet.

„Ich finde auch, dass es heute ein freudiger Tag ist“, bescheinigte Herzog und legte vor den 21 Versammelten im Raum nach: Mit dem Förderverein habe man „eine gewaltige Stimme auch in die Ministerien hinein“. Ähnlich dachte Gast auch über den Zweckverband, an dessen Bord sich seitens der Hochschule zwei Mitglieder befinden. Doch worum geht es dem Zweckverband bei der Kooperation zwischen Förderverein und Hochschule?

Fünf Säulen im Angebotsspektrum

Es gibt fünf Säulen im Angebotsspektrum, bestehend aus angewandter Forschung für regionale Unternehmen, Anwendungsberatung und Wissenstransfer, neuen Masterstudiengängen, einem auch für Schulen zugänglichen Wissenslabor (FADZ LAB) oder Angebotsschaffung für berufsorientierte Aus- und Weiterbildungen.

Doch während die Felder rund um Forschung, Wissenstransfer und Aus- und Weiterbildung aus kommunalrechtlichen Gründen von Stadt und Kreis nicht bespielbar sind, sind es die Säulen drei und vier sehr wohl. Was hier zu geschehen hat, kann auch mittels Zweckverband forciert werden.

Da wäre eben dieses FADZ LAB, welches von Privatpersonen genutzt werden kann, oder welches anbietet, gemeinsam mit Schulen pädagogisch Lerninhalte zu erarbeiten. Da wäre aber auch ein neuer Masterstudiengang, der in fünf Jahren 120 Studenten haben soll.

Es geht darum, den Kreis eng an den Hochschulstandort Coburg anzubinden und vor Ort Studienprojekte anzukurbeln. Zentrum dabei ist die Kirschbaummühle, und zu ihr und den vorzunehmenden Umbaumaßnahmen sollte der Sachstandsbericht Auskunft geben.

Auf sechs Etagen digitale Klassenzimmer

Binnen 48 Monaten soll aus der Mühle ein Vorzeigeobjekt werden, in dem es auf sechs Etagen digitale Klassenzimmer geben soll, in dem Forschung, Aus- und Weiterbildung betrieben werden und sogar kreativ pausiert werden soll.

Das kostet Geld, und der hierfür im Raum stehende Betrag liegt bei geschätzten 13 Millionen Euro. Die beantragten Fördermittel liegen bei elf Millionen und ihre Bewilligung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit „soll noch in diesem Jahr kommen“, erklärte Citymanager Steffen Hofmann.

Laut Sitzungsunterlagen bedeutete das, dass in den nächsten drei Jahren sechs Millionen Euro überwiesen werden. Ebenfalls in Aussicht stünde eine Zuwendung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie in Höhe von 5,5 Mio. Euro. Sie soll für Laborausstattung und Maschinen aufkommen.

Fragen zum Gebäude Kirschbaummühle

Wie es sich mit Chancen und Gewicht des FADZ verhält, setzte Frank Herzog Fragestellern gerne auseinander. Foto: Markus Häggberg

Doch das Gebäude Kirschbaummühle warf noch ein paar Fragen mehr auf. Zweckverbandsmitglied Bernhard Christoph (Die Grünen) erkundigte sich danach, ob eine Hausmeisterstelle eingeplant sei. Bezirksheimatpfleger Günter Dippold suchte Antwort darauf zu erhalten, ob die energetische Nutzung des Mühlbachs unterhalb der Mühle mit Interessen des den Bach auch nutzenden Stromanbieters SÜC kollidieren könnte. Es gebe dazu schon Gespräche, manches sei noch im Schwange, lauteten die Antworten. Konkreter konnte eine Frage von Stadtrat Philip Bogdahn beantwortet werden. Der sorgte sich darum, dass 120 Studenten in Lichtenfels schwer unterzubringen seien, wurde von Dekan Stefan Gast aber aufgeklärt, dass nicht alle gleichzeitig hier wären.

Überhaupt die Gastlichkeit, auch sie war ein Thema, zu dem sich Frank Herzog äußerte. Der Mann kaufte vor Zeiten in der Innenstadt die Immobilie H.O. Schulze, um sie auch zu einem Boardinghouse für Studenten der Fachhochschule Coburg zu machen. Wie er am Donnerstag mitteilte, wird es in dem Haus wohl auch einen auch von der Öffentlichkeit betretbaren Pub geben.

Vermögenshaushalt von fast 300 000 Euro

Über den Haushalt des Zweckverbandes war zu erfahren, dass dieser wie ein kommunaler Haushalt aufgebaut sei und ein noch „überschaubares Zahlenwerk“ bilde. Das Gesamtvolumen des Vermögenshaushalts wurde mit 287 800 Euro beziffert. Zu den an diesem Tag einstimmig gefassten Beschlüssen der Verbandsversammlung gehörte auch die mittelfristige Finanzplanung des Zweckverbands FADZ mit Investitionsprogramm für die Jahre 2022 bis 2024.

Damit auch im Finanziellen alles seine Richtigkeit hat, haben sich für den Posten der Rechnungsprüfer auch Stadt- und Kreisräte angeboten. Bei ihnen handelt es sich um Robert Hümmer (CSU), Frank Rubner (CSU) und Frank Nowotny (SPD/SB).

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