LICHTENFELS

Yu Mi Lee bringt in Lichtenfels sogar Beethoven zum Singen

Yu Mi Lee bringt in Lichtenfels sogar Beethoven zum Singen
Was ihr die Musik bedeutet, sah man Yu Mi Lee an. Die Pianistin verausgabte sich und schien es zu genießen. Foto: Markus Häggberg

Was macht Yu Mi Lee aus? Dieser Frage dürften die Besucher des Konzerts „Weltklassik am Klavier – Bunte Vielfalt“ begegnet sein. Irgendwo zwischen Bach und Elgar, zwischen Barock und dem 20. Jahrhundert. Die Virtuosität der Pianistin genossen 50 zahlende Besucher im Stadtschloss.

„Endlich ist Kultur wieder erlebbar“, sagte Stadtarchivarin Christine Wittenbauer zur Begrüßung von Yu Mi Lee. Wegen der Hygienebestimmungen während der Corona-Pandemie fand das Konzert im Stadtschloss und nicht, wie bei der Reihe „Weltklassik“ üblich, in der ehemaligen Synagoge statt. Und so saß man dann erneut, wie schon zu anderer Gelegenheit zwei Tage zuvor und ähnlich wie in einer Schulprüfung, an Tischen im Saal und mit Blickrichtung Bühne.

Sie durchlebt, durchleidet und genießt ihr Spiel sichtlich

Dort saß die Südkoreanerin am Steinway-Flügel. Sie ist eine Musikerin, die ihre Emotionen mit dem Publikum teilt. Sie durchlebte, durchlitt und genoss ihr Spiel sichtlich. In ihrer Interpretation klang Bach weniger streng als vielmehr lyrisch, denn sie ließ die Aufführungsgeschichte der Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825 der vergangenen rund 280 Jahren eindrucksvoll in ihr Spiel einfließen. Tatsächlich ist Yu Mi Lees Spiel auch dort gefällig weich und elegant, wo der Komponist komplizierte Klangwelten verschränkt hat.

Das Gleiche gelingt ihr sogar bei Beethoven, dem Energischen, den ein Interpret im Stadtschloss erst zwei Tage zuvor als „ersten Rock'n'Roller“ bezeichnet hatte. In seiner Sonate Nr. 9 E-Dur ergriff Lee die Gelegenheit, Töne schwebend auszulegen. Großartig, wie sie die Verspieltheit des Allegro betonte, die Brüche im Allegretto meisterte und dennoch in einer Art wohltuendem Fluss blieb. So viel zu Bach und zu Beethoven, ähnliches später auch bei Schumann, Mozart oder Chopin.

Mit Milij Balakirev präsentiert die Musikerin eine Rarität

Yu Mi Lee bringt in Lichtenfels sogar Beethoven zum Singen
Die Pianistin Yu Mi Lee nach ihrem Konzert im Stadtschloss. Foto: Markus Häggberg

Aber wer war eigentlich Milij Balakirev (1837-1910)? Diesen selten gespielten russischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten hatte Lee auch im Programm. Ein interessanter Künstler, der sich erst dem Schreiben eleganter Salonstücke widmete und in späteren Jahren einen russischen Nationalstil zu schaffen versuchte. Seine Werk „Die Lerche“ ist die Transkription einer Komposition von Glinka, ein klangliches Gebilde voll zartfühlender Melodik, Quirligkeit und Tempowechseln. Es war gleichsam stilistischer Kontrastpunkt zu so ziemlich allem, was der zweite Teil des Konzerts zwischen Mozarts „Alla Turca“ oder Chopins „Grand Polonaise Es-Dur op. 22“ bereithielt.

Abermals war Lee nach Lichtenfels gekommen, abermals hinterließ sie Eindruck. Der Applaus für sie brandete auf, hielt an und begann sich zu synchronisieren. Daraus ergab sich ein drängender Takt, der sie für Zugaben auf die Bühne bat. Am meisten Freude daran schien die europaweit gefragte Yu Mi Lee selbst gehabt zu haben.

 

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