MICHELAU

Wort zur Besinnung von Dekanin Stefanie Ott-Frühwald

Wort zur Besinnung von Dekanin Stefanie Ott-Frühwald

Wort zur Besinnung

Aktuell versuchen politische Verantwortliche, das zu vermitteln: Alle leisten einen Beitrag dazu, dass weniger Gas in Deutschland verbraucht wird. Mein Verstand sagt mir das auch: Wenn 80 Millionen ihren täglichen Bedarf verringern, ergibt das in der Summe eine große Menge Ersparnis.

Also probiere ich das aus: Ich stelle morgens in der Dusche das Wasser ab, wenn Haut und Haare nass genug sind zum Einseifen. Danach dusche ich mich zügig ab. Tatsächlich geht das, ohne dass ich mich eingeschränkt fühle. Immerhin kann ich duschen, sogar warm. So selbstverständlich, wie das scheint, ist es an vielen Orten dieser Welt nicht. Meine neue Duscherfahrung trägt die Überzeugung: Mein Tun macht einen Unterschied. Das gilt längst nicht nur für den Gasverbrauch oder im Blick auf meine CO2-Bilanz: Ich kann etwas bewirken. Diese Sicht stärkt auch Jesus. In der Bergpredigt sagt er: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.

Ohne Einschränkung macht er diese Zusage: Ihr seid! Das ist mehr als „ihr könntet sein“. Es unterstreicht, dass ich – jenseits aller Leistung – ein wertvoller und wichtiger Mensch bin. Im Perfektionsanspruch des digitalen Zeitalters tut das so gut, wie es den Angehörigen eines vom antiken Rom beherrschten Volkes getan haben mag: Gott sieht mich! Für ihn bin ich wichtig – und er will mich dabeihaben, wenn es um das Himmelreich geht.

Das ist der eigentliche Grund für Jesu Zusage: Den Himmel verkündet er allen, die ihn hören. Für Jesus ist das keine ferne Utopie oder etwas „für nach dem Tod“. Der Himmel ist da. Gott ist da – mitten unter uns.

In bestimmten Momenten spüre ich das: Wo ich mich öffne für die Schönheit der Natur, in der Kühle des Morgens tief einatme. Wo ich anderen begegne und mit ihnen auf das schaue, was gerade gut ist und guttut. Auch da, wo wir miteinander klagen über das, was gerade schwer ist – und dann gemeinsam im Vertrauen auf Gottes Hilfe weitergehen.

Manchmal drohen inmitten vieler schlimmer Nachrichten die guten Botschaften unterzugehen: Dass schon mitten im Krieg Hilfsorganisationen Häuser und Wohnungen herrichten, die zerbombt wurden. Dass kluge Wissenschaftler:innen an umweltfreundlichen Lösungen für unsere Mobilität arbeiten oder die Impfstoffe gegen Covid-19 so weiterentwickeln, dass sie auch angesichts neuer Virusvarianten vor schweren Krankheitsverläufen schützen. Dass Kinder geboren werden und Eltern ihnen alle Liebe geben, die sie zum Leben brauchen. Jesus weiß: Was ich tue oder lasse, hat eine Wirkung – auch, worauf ich meine Aufmerksamkeit lenke. Manchmal mögen die eigenen Möglichkeiten klein scheinen. Doch Salz braucht es nicht in rauen Mengen. Einige Körner genügen, und die anderen lebenswichtigen Zutaten erhalten Geschmack.

Daran erinnert Jesus alle, die ihm folgen: Ihr gebt der Gemeinschaft Geschmack. Ihr erhellt die Gegenwart. Darum: Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und Gott im Himmel preisen. Was wir einander erzählen, das prägt unsere Sicht auf die Welt. Wie wir einander begegnen, prägt unsere Gemeinschaft. Jeder und jede trägt dazu bei.

Ein wohltuendes Sommerwochenende wünscht Ihnen

Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin in Michelau

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