LICHTENFELS

Wort zur Besinnung mit Pfarrerin Anne Salzbrenner

Wort zur Besinnung mit Pfarrerin Anne Salzbrenner
Anne Salzbrenner Foto: Red

Wort zur Besinnung

Noch vor dem ersten Advent wurde ich beim Einkaufen gefragt, halb scherzhaft, halb ernst: „Und wird es nun dieses Jahr Weihnachten werden, oder nicht ?“ Meine spontane Antwort konnte nur lauten: „Weihnachten wird es mit oder ohne Corona.“

Lachend gingen wir weiter. Natürlich wusste ich, wie die Frage gemeint war. Nämlich, ob Gottesdienste stattfinden können oder nicht. Doch ich dachte noch eine ganze Weile darüber nach. Gerade in den letzten Wochen ging es in vielen Diskussionen eigentlich immer wieder darum, was Weihnachten ausmacht.

Eines sollte uns bewusst werden: Die Menschwerdung Gottes hängt weder vom Datum noch von einer Pandemie ab, noch davon, ob Lockdown ist, Ausgangssperre, ob wir Glühwein trinken können oder Wasser. Weihnachten hängt genau genommen auch nicht davon ab, ob wir live Gottesdienste halten können oder nicht.

Die Menschwerdung Gottes ist geschehen, und es wird Zeit, dass wir uns daran erinnern, möglichst bald, immer wieder. Manchmal habe ich das Gefühl, wir sind im kindlichen Glauben hängen geblieben, der auf das Läuten des Christkindes wartet, damit wir Bescherung feiern dürfen.

Vielleicht hat uns aber auch das Cola Märchen vom Weihnachtsmann die Sinne vernebelt, worum es an Weihnachten geht und warum wir uns gegenseitig beschenken.

Weihnachten ist mit vielen Traditionen verbunden, weil Generationen vor uns Weihnachten gefeiert haben, und jede Generation prägt die Feste, die immer wieder gefeiert werden. Aber diese Traditionen sind nicht der Sinn des Festes.

Der Sinn des Weihnachtsfestes liegt darin, sich zu erinnern, dass in dem Menschen Jesus Christus auf ganz besondere Weise der Gott unserer Erzväter spürbar und erlebbar wurde.

Durch die Geburt des Kindes ist uns Menschen zugesagt worden, dass der Gott, an den wir glauben, kein abwesender Gott ist, sondern teilhaben will an unserem Leben. Er will teilhaben, nicht an den warmen Stuben und dem leckeren Essen; er will teilhaben nicht an Harmonie, nicht an Ritualen, die uns oft einfach guttun. Er will teilhaben an unserem Leben, in Kälte und Not, mit Höhen und Tiefen, Schmerzen und Verzweiflung. Er will uns zeigen, dass er uns verstehen will, nachspüren will, wie dieses Leben ist, das er uns geschenkt hat, aber mit einem freien Willen belegt hat, der dazu führt, dass wir immer wieder neu den Karren des Lebens ordentlich in den Dreck fahren.

Es ist schon verrückt, dass erst eine Pandemie kommen muss, um dem christlichen Abendland vor Augen zu halten, dass Weihnachten nicht das ist, was wir bisher daraus gemacht haben. Weihnachten ist ein Erinnerungsdatum, das wir Menschen brauchen, um uns zu erinnern, dass Gott es ist, der uns den Rücken stärken will zu einem Leben miteinander und füreinander.

Er will ein Licht in unserem Leben sein, in aller Finsternis und zwar nicht nur vom 24. Dezember bis 26. Dezember oder gar bis 2. Februar, wenn Lichtmess gefeiert wird.

Gott will uns näherkommen, als wir es fassen können. Er will bei uns sein und aufrichten, damit wir uns zu keiner Stunde des Lebens verlassen fühlen müssen. Gott wurde Mensch, um zu leben und zu leiden, wie Menschen es tun. Er kam in diese Welt, um unser Leben deutlich zu teilen, nicht um eine Märchenstunde besonderer Art einzuführen. Ich wünsche uns, dass wir das begreifen, vielleicht gerade in diesem Jahr besser als in den vielen Jahren vorher.

Ihre Pfarrerin Anne Salzbrenner Lichtenfels

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