Wort zur Besinnung von Schwester Regina Pröls

In der zurückliegenden Woche gab es zwei große Themen: die Wahl in den USA und Corona. Diesen und unseren eigenen Themen hängt eine Frage an: Wie wird es weitergehen?

Die Antwort auf diese Frage dürfen wir nicht vollumfänglich delegieren. Auch wir sind Teil dieser globalen Welt und haben Möglichkeiten, mit den Unsicherheiten kraftvoll umzugehen.

Schauen wir in die Geschichte. In der Menschheitsgeschichte gibt es fantastische Beispiele gelingenden Lebens, trotz Aussichtslosigkeit. Die Bibel ist auch reich an Beispielen. Das Alte Testament berichtet zum Beispiel von den zehn biblischen Plagen. Dem Leser soll damit vermittelt werden, dass Gott Himmel und Erde in Bewegung setzt, um den Auszug in das Gelobte Land zu ermöglichen. Trauen wir heutzutage Gott zu, dass alles, was uns derzeit belastet, auf etwas Größeres zielt? Ich sehe kleine Zeichen: der Blick für den Mitmenschen ist wieder ins Zentrum gerückt. Aus der Erfahrung von Mangel erwacht das Bedürfnis, die wenigen gemeinsamen Zeiten sinnstiftend zu gestalten. Christliche Tugenden wie Nächstenliebe, Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit, Barmherzigkeit, Vertrauen, Respekt, Ehrlichkeit sind wieder Teil des allgemeinen Wortschatzes.

Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika Fratelli tutti am biblischen Beispiel des Barmherzigen Samariters dargelegt, wie wichtig die Verantwortung füreinander ist. Er lädt unentwegt ein, über den eigenen Lebens- und Wirkungskreis hinauszuschauen und jeden Menschen gleichwertig zu sehen.

Viele Menschen haben nicht das Nötigste zum Leben. Deshalb engagieren sich bei uns viele ehrenamtlichen Helfer in der Unterstützung von Hilfsprojekten. Die Not der Menschen hat sie angerührt. Sie teilen die gemeinsame Frage: „Wie wird es weitergehen?“ Von meinen Mitschwestern in Peru und in Indien weiß ich, dass die Frage vielfach sogar lautet: von wem bekomme ich morgen ein Essen?

Leider sind unsere geläufigen Wege, unsere Solidarität zu zeigen, heuer corona-bedingt auch behindert: viele – vielleicht alle - vorweihnachtliche Basare, sind abgesagt. Wie geht es weiter? Jetzt ist Kreativität gefragt und ein reflektiertes Denken: Gibt es neue Wege, meine Solidarität zu zeigen? Wenn alles auf etwas Größeres zielt, dann lohnt es sich, mitzuwirken.

Schwester Regina Pröls

Franziskusschwester

von Vierzehnheiligen

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