LICHTENFELS

Wort zur Besinnung: Jeder Mensch hat(te) eine Mutter

Claudia Ruß Foto: Red

Wort zur Besinnung

Morgen ist Muttertag – und viele feiern ihn in einer vertrauten Atmosphäre in den eigenen vier Wänden oder gar mit einem Essen im Gasthaus. Dies hat mich veranlasst, einmal über die Beziehungen zu unseren Müttern – aber auch unseren Vätern, denn schon bald feiern wir ja auch Vatertag – nachzudenken.

Eines steht fest. Unsere Eltern prägen uns. Sie bringen uns das, was zum Leben wichtig ist, schon seit früher Kindheit bei. Sie sind unsere ersten Modelle im Leben, wo wir uns etwas abschauen können.

Später dann, meist mit Beginn der Pubertät, wollen wir auf gar keinen Fall so sein wie unsere Eltern und grenzen uns ab, rebellieren. Es ist uns zum Teil sogar unangenehm, wenn jemand einen Vergleich anstellt wie: „Du kommst ganz nach deinen Eltern!“ und es wahrscheinlich dabei noch gut mit uns meint.

Je älter und reifer der Mensch wird, umso mehr kann er auch wieder Tipps und Interaktion mit seinen Eltern zulassen. Sicher, die Enge von familiären Beziehungen ist so unterschiedlich und zahlreich, wie es Menschen auf der Erde gibt, und doch sind wir froh, wenn wir – vielleicht spätestens bei der Gründung einer eigenen kleinen Familie – die eigenen Eltern als gute Ratgeber an unserer Seite wissen und nutzen können.

Dies wird besonders dann sichtbar, wenn Elternteile fehlen, weil sie bereits früh verstorben sind, der Kontakt zueinander abgebrochen ist oder man, weit voneinander entfernt, gar in anderen Ländern lebt. Doch egal wie unsere innerfamliären Beziehungen derzeit gestaltet sein mögen, jede Person kann biologisch in ihrem Leben von sich behaupten: „Jeder Mensch hat(te) eine Mutter.“

Das hat auch Jesus Christus. Im Marienmonat Mai feiern wir sie besonders, und es wird ihr vielerorts Ehre zuteil. In Andachten und Prozessionen wird sie zu dieser Zeit häufiger wahrgenommen, als im Rest des Kirchenjahres. Wir besingen sie in eigenen Liedern, die oft lebenslang im Gedächtnis der Gläubigen bleiben. Orte wie Lourdes oder Fatima üben eine Anziehungskraft auf Touristen und Gläubige Pilger gleichermaßen aus und faszinieren.

Jeder, der sich mit der Bibel befasst hat, kennt sie: Maria, die Mutter Jesu. Menschen in vielen Religionen und an zahlreichen Plätzen der Welt verehren sie. Wer ist diese Heilige und „Gottes Mutter“? Was steht in der Bibel über sie? Welchen Platz nimmt sie im Christentum ein? Und: Ist sie auch für Frauen in der heutigen Zeit ein Vorbild?

Maria, Jüdin aus Palästina und Mutter Jesu, spielt in der Bibel lediglich eine Nebenrolle.

Wer war Maria? Darüber gibt die Heilige Schrift nur vage Auskunft. Über die Abstammung und Jugend Marias liest man in der Bibel nichts. Im Neuen Testament taucht sie in der Weihnachtsgeschichte der Evangelisten Matthäus und Lukas sowie der Apostelgeschichte namentlich auf, wo sie oft als „Mutter Jesu“ bezeichnet wird. Die Texte der beiden Evangelisten zählen allerdings nicht als verlässliche biographische Quellen, da in ihnen die Verkündigung Jesu Christi im Mittelpunkt steht.

Einen Hinweis auf ihre hervorgehobene Stellung liefern die Worte des Engels Gabriel in Lukas 1,28-30:

„Und er kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, Begnadete! Der Herr ist mit dir. Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte, was für ein Gruß dies sei. Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden.“

Ausführlicher beschrieben wird das Leben Marias nur in religiösen Schriften außerhalb der Bibel – den sogenannten Apokryphen. Diese sind aber nicht als Tatsachenbericht zu verstehen, sondern als persönliche Interpretation eines Geschehens durch ihren Autor.

Ein Beispiel ist Jakobus aus dem 2. Jahrhundert, der Bezug auf die Evangelien nimmt. Darin liest man unter anderem, dass Maria die Tochter des Herdenbesitzers Joachim und seiner Frau Anna ist.

Da die Bibel nur wenig über Maria erzählt, bildeten sich Legenden und Mythen rund um die Gottesmutter. Ein Mythos ist auch die biblische Behauptung, dass Maria bei der Geburt Jesu noch Jungfrau gewesen sei. Erst die griechische Übersetzung machte aus einer „jungen Frau“, wie es im hebräischen Original heißt, eine „Jungfrau“. Der Jungfrauen-Mythos wurde jedoch zum Ausgangspunkt einer tiefen Marienverehrung in der katholischen Kirche.

Maria und ihr Sohn Jesus

Auch in der Weihnachtszeit kommt man als gläubiger Mensch an Maria nicht vorbei: keine Weihnachtskrippe ohne die „Gottesmutter“, die in vollkommener Reinheit den Sohn Gottes und Erlöser zur Welt brachte. Nach der Geburt musste sie nach Ägypten fliehen, um ihren neugeborenen Sohn vor der Verfolgung des Herodes zu retten. Als sie schließlich wieder zurück in ihre Heimatstadt Nazareth kamen, verbrachte Jesus mehr Zeit im Tempel und mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen, als mit seiner Familie.

Das Verhältnis zu seiner Mutter war nicht ohne Spannungen. So fragte Jesus seine Mutter in der Bibelstelle über die Hochzeit von Kanaa: „Frau, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“

Damit brachte er zum Ausdruck, dass er einem eigenen Gesetz gehorche und der Glaube an Gott wichtiger sei als die eigene Familie.

Maria blieb dennoch als erste Jüngerin an der Seite ihres Sohnes und erlebte auch seine schwersten Stunden mit – die Folterung und den Tod am Kreuz. Sie starb unterschiedlichen Annahmen zufolge entweder in Israel oder der Türkei. Laut christlicher Tradition liegt sie im Mariengrab im Kidrontal von Jerusalem begraben.

Marienverehrung im Christentum

Obwohl die Evangelien Maria historisch nur indirekt bezeugen und textlich vernachlässigen, spielt die aus der Volksfrömmigkeit stammende Marienverehrung für die offizielle Kirchenlehre eine große Rolle. Warum wird Maria, die Mutter Jesu, von den Gläubigen so verehrt? Maria war niemand Besonderes, sie war ein Mädchen unter vielen. Aber ihr tiefer Glaube und Gottvertrauen unterschied sie von anderen Frauen ihres Alters.

Nehmen wir es uns doch in der kommenden Woche einfach mutig vor: „Unterscheiden wir uns auch immer wieder einmal öfter von den Frauen unseres Alters!“

So wünsche ich allen Müttern, Großmüttern und Urgroßmüttern, aber auch allen Kindern einen schönen Muttertag.

Ihre Gemeindereferentin im SSB Lichtenfels-Obermain:

Claudia Ruß

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