Wort zur Besinnung: Das Kind erwarten, das Gerechtigkeit bringt

Pfarrerin Anne Salzbrenner, Lichtenfels. Foto: Red

Wort zur Besinnung

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast Du Weihnachten verpennt.“ So habe ich früher als Jugendliche oft gesungen, scherzhaft, versteht sich.

Weihnachten zu verschlafen, in der Adventszeit nur einfach Lichter anzünden, ohne sich darauf zu besinnen, was das alles soll. Das war für mich unvorstellbar.

Der Advent war eine besondere Zeit und die Spannung stieg bis Weihnachten. Dabei hatte das weder mit übermäßigem Bibel Lesen zu tun noch mit Glühwein und Adventsmärkten. Als Adventskalender gab es auch nur einen, und zwar den mit einfachen, kleinen Schokostückchen. Aber das war unwichtig. Auch ohne große Reichtümer und ohne viel Aktion stieg die Spannung und ich konnte den 24. nicht erwarten.

Nicht erst seit Corona habe ich das Gefühl, dass wir aber dazu neigen, die Spannung aus dieser Zeit herauszunehmen und Advent und Weihnachten am liebsten verschlafen wollen. Oft wird vergessen – so habe ich den Eindruck –, dass Kerzen und Lichter, der Weihnachtsschmuck und Tannenbaum, Glühwein und Kinderpunsch, gutes Essen und Geschenke Zeichen sind, dass wir wach bleiben wollen, um zu erleben, dass diese eine Geburt verändert. Es geht um Erwartung und die damit verbundene Spannung, weil die Liebe Gottes lebendig werden will in uns, wie in diesem Kind im Stall zu Bethlehem.

Die Geschenke können an Weihnachten das äußere Zeichen sein, aber wer Jesus erwartet in diesen vier Wochen, die vor uns liegen, der erwartet eine Veränderung, nicht durch das neue Kleid, den neuen Computer, das Laptop, nicht durch Essen und Trinken, sondern Veränderung in uns. Eine Veränderung, die unser Leben hell macht, unabhängig von Weihnachtsmärkten und Lichterketten.

Diese Erwartung ist damit verbunden, dass wir Menschen Schritt für Schritt erleben, dass da einer kommt, der will, dass wir die Augen im Alltag aufmachen und genau hinschauen, was um uns geschieht. Da kommt einer, der sich mit uns freut, wenn es uns gut geht, und der mit uns leidet, wenn es uns schlecht geht, der uns stark machen will, damit wir nicht aufgeben im Leben, nur weil nicht alles so läuft, wie es uns passt.

Da will einer kommen, der wünscht sich, dass wir den Blick erheben und nicht nur uns sehen, sondern den, dem es nicht gut geht, der leidet.

Advent und Weihnachten wird es in uns, wenn wir anfangen, ihn zu erwarten, und bereit sind, ihn zu empfangen, den der da kommt, der Gerechtigkeit bringt und von Liebe erzählt, einer einmaligen Liebe, die uns allen gilt.

Wenn wir begreifen, dass sein Kommen nicht an Adventsmärkten und Glühwein hängt, nicht an Besinnlichkeit und Freizeit, sondern daran, ob wir bereit sind, miteinander neue Wege zu gehen, dann wird es Weihnachten werden in vier Wochen und immer wieder, denn dann werden wir der Wirt, der Maria und Josef nicht vor der Tür stehen lässt, sondern sie einlässt in sein Haus, sie bewirtet, ohne zu fragen, und nicht klagt, was daraus für Probleme werden könnten, sondern teilt, was er hat.

Hoffentlich verschlafen wir nicht vor lauter Ängsten und Befürchtungen, sondern leben mit jenen ganz bewusst, die es nötig haben, weil sie Flüchtlinge sind, Arme, in der Pflege erschöpfte, Erkrankte und jene, die um ihre Existenz fürchten müssen, weil auch dieses Jahr vieles nicht stattgefunden hat beziehungsweise stattfindet, was für sie eine wichtige Einnahmequelle

war.

Fangen wir an, den zu erwarten, der wirklich kommen will, als Kind im Stall, damit das Leben sich verändert. Er ist wichtiger, als das, woran wir gerne unser Herz hängen, was uns aber nicht wirklich trägt.

Ich wünsche uns in diesem Sinn eine gesegnete Adventszeit, weil ich die Hoffnung nicht aufgebe, dass sein Licht einzieht in unsere Häuser und Wohnungen.

Ihre Pfarrerin Anne Salzbrenner

Lichtenfels

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