BAYREUTH/LICHTENFELS

Wort des Jahres: Die Wahl fällt auf „Waafn“

Bezirkstagspräsident Henry Schramm und Sternekoch Alexander Herrmann (li.) bei der Verkündung des Oberfränkischen Wort des Jahres. Foto: Nicole Fleischer

Der Nachfolger von „Erpfl“ (2021) steht fest: „Waafn“ ist das Oberfränkische Wort des Jahres 2022. Die fünfköpfige Jury hatte es nicht leicht, aus mehreren hundert Vorschlägen das Siegerwort auszuwählen. Mit „Waafn“, so Bezirkstagspräsident Henry Schramm, entschied man sich für einen typisch oberfränkischen Begriff, der „Sinnbild ist für ein Miteinander im Gespräch und das Verbindende des Dialekts“. Und auch der Ursprung des Wortes ist eng mit der oberfränkischen Geschichte verbunden.

Demnach, so die Erläuterung der Jury, führt man das Wort „waafn“ auf das mittelhochdeutsche Wort weifen zurück. Weifen bedeutet ursprünglich: Das Abwickeln des Garns von der Spule auf eine Weife, um einen Garnstrang zu erzeugen. Die Bedeutung „schwatzen, plaudern“ kam erst später dazu. Das Deutsche Wörterbuch begründet dies damit, dass das Weifen vor allem eine Frauenarbeit war, mit der schwatzen und plaudern einherging.

In doppelter Hinsicht ein würdiger Preisträger

Für Bezirkstagspräsident Henry Schramm ist „waafn“ demnach in doppelter Hinsicht ein würdiger Preisträger für Oberfrankens Wort des Jahres: „Sprachgeschichtlich zeigt das Wort eine historische Verbindung zur Textilwirtschaft, die für die Industriegeschichte unserer Heimat prägend war. Vor allem aber verweist es auf eine wunderbare Eigenschaft der Oberfränkinnen und Oberfranken: Denn wer waaft, der tauscht sich in einem angenehmen, vertrauten Gespräch mit jemandem aus – und er tut dies höchstwahrscheinlich in oberfränkischem Dialekt, denn „waafn“ auf Hochdeutsch kann man sich ja kaum vorstellen.“

„Sinnbild ist für ein

Miteinander im Gespräch und das Verbindende des Dialekts“.

Henry Schramm, Bezirkstagspräsident

Ausdrücklich nicht festlegen wollte sich die Jury, der Sprachwissenschaftlerin Dr. Almut König, Leiter des oberfränkischen Bauernhofmuseums Bertram Popp, Sabine Hager von extra Radio in Hof sowie Barbara Christoph und Florian Bergmann vom Bezirk Oberfranken angehören, bei der Frage, ob das Siegerwort 2022 nun als Substantiv oder Verb zu verstehen ist. Denn während „die Waafn“ – gerne auch in den derben Variationen als „Leerwaafn“, „Gemaawaafn“ oder „Sauwaafn“ - im weitesten Sinne eine „Quatschtante“ oder einen „Wichtigtuer“ beschreibt, ist das Verb „waafn“ allgemeiner gehalten und trägt eine insgesamt positivere Konnotation. Die außerordentlich weite Verbreitung und häufige Nutzung des Wortes in der oberfränkischen Sprache zeigt sich allein daran, dass man über 40 Wortschöpfungen finden kann, die von „Weifen“ oder „Waafn“ abgeleitet wurden.

Zudem ist mit „waafn“ ganz Oberfranken regional abgedeckt: Lichtenfels, Coburg, Kulmbach, Bayreuth, Hof, Wunsiedel und Bamberg. Das Wort wird auch bis nach Mittelfranken verwendet, obwohl die Textilindustrie in Oberfranken viel stärker war. Insofern ist das Wort “waafn” ein Exportschlager Oberfrankens.

Mit prominenter Unterstützung

Wie schon im Vorjahr wurde die Verkündigung des Oberfränkischen Wortes des Jahres von Bezirkstagspräsident Henry Schramm online übermittelt – mit erneut prominenter Unterstützung von Starkoch Alexander Herrmann. Das zugehörige Video kann jederzeit auf den Social-Media-Kanälen des Bezirks Oberfranken auf Facebook und Instagram abgerufen werden, teilt er Bezirk in einem Pressetext mit. (red)

Info über die Aktion

2015 wurde erstmals das „Oberfränkische Wort des Jahres“ gekürt. Das Wort muss unseren Sprachschatz bereichern und das Gemeinte besonders treffend, originell oder präzise benennen. Das erste Siegerwort war das „Wischkästla“ – die fränkische Version des Smartphones, die Redewendung „A weng weng“ folgte. 2017 wurde das Wort „Urigeln“ gekürt, für das es im Hochdeutschen kaum einen Begriff gibt und das Gefühl beschreibt, wenn die kalten Hände oder Füße langsam auftauen und kribbeln. Daraufhin wurde 2018 „Derschwitzen“ passend zum extrem heißen und langen Sommer zum Oberfränkischen Wort des Jahres gewählt, gefolgt 2019 vom „Sternlaschmeißer“ – die bildliche Beschreibung der Wunderkerze. Die Vielfalt der oberfränkischen Sprache wurde auch in den Preisträgern „Fregger“ (2020) und „Erpfl“ (2021) abgebildet. Die Siegerwörter beleuchteten bisher immer einen anderen Aspekt der oberfränkischen Mundart.

Rückblick

  1. Klöße: immer schön aufessen!
  2. Für Projekte aus der Region
  3. Kulmbach: Ehrenamt in „Die Kita“
  4. Corona Tagebuch: Gut' Ding will Weile haben
  5. Jugendsymphonieorchester Oberfranken: junge Talente gesucht
  6. Kronacher Studi-Projekt: Wie Kuscheltier Moti Probleme löst
  7. Corona-Tagebuch: Wie du mir so ich dir
  8. Kostenlose Führungen im Haus Marteau
  9. Die 58. Runde von „Jugend forscht“ hat begonnen
  10. Stadt und Kreis Coburg als „fahrradfreundlich“ geehrt
  11. Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
  12. Bücher zum Thema „Schöpfung bewahren“
  13. Corona-Tagebuch: Damals bei den Zimmermanns
  14. Corona-Tagebuch: Von Ängsten und Tänzen
  15. 20.000 Tänzer und Tänzerinnen beim Karneval in Bolivien
  16. Corona-Tagebuch: Metaphern im Kopf
  17. Mietswohnungen in Ortskernen
  18. Hausschlachtung in Marktzeuln: Süßes nach der „Blutorgie“
  19. Weltkrebstag am 4. Februar als Anlass für Telefon-Hotlines
  20. Corona-Tagebuch: Selbstständiger Bauchredner
  21. Thema „Notvorrat“:Quittengelee für schlechte Zeiten
  22. Corona-Tagebuch: Der Tod eines Musikidols
  23. Bezirk Oberfranken: Netzworking beim Thema Pflege
  24. Kulmbach: Handysprechstunde im Familientreff
  25. Corona-Tagebuch: Das große Schnattern
  26. Corona-Tagebuch: Darmkur im Hardrock Café
  27. Vortrag in Coburg: „Vogelwelt im Klimawandel“
  28. Thema Zweiter Weltkrieg: Ein Atlas der Verwüstung
  29. Corona-Tagebuch: Unerhörte Wendungen
  30. Bamberg: Im Drohnenflug über Naturschätze
  31. Bamberger Literaturfestival: Leselust und Kanaldeckel
  32. Helfen macht Spaß: Weihnachtsaufruf endet mit Rekord
  33. Corona-Tagebuch: Ein Besuch im Sportstudio
  34. Ausstellung „Unsere Schöpfung bewahren“ in Vierzehnheiligen
  35. Corona-Tagebuch: Voll und ganz geerdet
  36. Corona-Tagebuch: Die Lust am Sparen
  37. Flyer-Ation in Bamberg: Wenn das Licht ausbleibt
  38. Konzert im Stadtschloss Lichtenfels: „Bach und Frankreich“
  39. Corona-Tagebuch: In einem Auto mit rosa Lenkrad
  40. Oberfranken: Einwohnerzahl bleibt stabil
  41. Bühnenträume zum Mitnehmen
  42. Corona-Tagebuch: Ein Essen mit einer Feministin
  43. Heiße Tipps des BN Lichtenfels für Geldbeutel und Klima
  44. Frankenwaldklinik Kronach: Hilfe für todkranke Kinder
  45. Corona-Tagebuch: Was tun, wenn der Schlaf ausbleibt?
  46. BBV-Orts-Obmann Rudi Steuer aus Hainzendorf erzählt
  47. Corona-Tagebuch:Wie man gesund und richtig kocht
  48. Corona-Tagebuch: Der Preis der Liebe
  49. Kinderbücher rund ums Thema Zuhause: Ein Ort und ein Gefühl
  50. Corona-Tagebuch: Wie man Dankbarkeit zeigt

Schlagworte