LICHTENFELS

Wirtschaftliche Lage in Oberfranken deutlich erholt

Wirtschaftliche Lage in Oberfranken deutlich erholt
Die wirtschaftliche Lage in Oberfranken hat sich deutlich verbessert, schreibt die IHK. Allerdings wird der Personalmangel zum Beispiel in der Gastronomie zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor. Foto: SymbolDPA/Marijan Murat

Die oberfränkische Wirtschaft konnte laut Presseinformation der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken über den Sommer viel Boden gut machen. Allerdings drückten zusehends Lieferengpässe, steigende Rohstoff- und Einkaufspreise, eine nur schleichende Konsumerholung und Unsicherheiten über den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie auf die Erwartungen. Der IHK-Konjunkturklimaindex habe aber trotz dieser Unsicherheiten dank der aktuell guten Geschäftslage deutlich zulegen können und notiere bei 120 Zählern.

Nachholeffekte und ein weitestgehend reibungsloser Wirtschaftsbetrieb über die Sommermonate wirken sich laut IHK positiv auf die Geschäftslage vieler oberfränkischer Unternehmen aus, so dass die Wirtschaft gestärkt in den Herbst starten kann. Rund die Hälfte der Unternehmen seien mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden, im Mai sei es nur ein knappes Drittel gewesen.

„Die oberfränkische Wirtschaft lässt die Pandemie nach und nach hinter sich.“
Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken

Lediglich 14 Prozent berichten laut der Pressemitteilung von einer schlechten Geschäftslage und damit 17 Prozentpunkte weniger als noch im Frühjahr. Diese positive Entwicklung ziehe sich in unterschiedlich starker Ausprägung durch alle Branchen. „Die oberfränkische Wirtschaft lässt die Pandemie nach und nach hinter sich“, konstatiert Sonja Weigand, Präsidentin der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Durch die Bank weg eine gute Geschäftslage

In allen Branchen fällt der Saldo wieder spürbar positiver aus, so die IHK. Auffallend optimistisch gestimmt seien weiterhin der Bau und der Dienstleistungssektor; nach schweren Monaten und starken Beschränkungen auch der Tourismussektor. Aber auch im Einzel- und Großhandel sowie in der Industrie werde die derzeitige Geschäftslage mehrheitlich positiv eingeschätzt.

Sowohl innerhalb Deutschlands als auch auf dem internationalen Parkett konnten Umsatz und Auftragsvolumen gesteigert werden. Damit schaffen beide Indikatoren die Trendwende.

Fachkräftemangel ist und bleibt ein Hemmschuh

So erfreulich der wirtschaftliche Aufschwung auf breiter Basis sei, so jäh werde er in etlichen Branchen und Unternehmen durch fehlende Arbeits- und Fachkräfte ausgebremst. Über 60 Prozent der Befragten stufen laut IHK den Fachkräftemangel als erhebliches wirtschaftliches Risiko für das eigene Unternehmen ein. Konkret können aktuell 49 Prozent der befragten Betriebe offene Stellen nicht nachbesetzen.

Besonders dramatisch ist die Situation dabei im Tourismussektor und im Baugewerbe. Damit bleibt der Fachkräftemangel zusammen mit der Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise für viele Betriebe das größte Wachstumshemmnis.

Erwartungen gedrückt: Risiken und wachsende Herausforderungen

Viele Unternehmen könnten aufgrund von Lieferengpässen und massiv gestiegener Rohstoffpreise ihre Produktion nicht hochfahren, obwohl die Auftragsbücher gut gefüllt seien. „Nicht die Nachfrage hemmt derzeit das Wachstum, sondern das Angebot. Eine äußerst ungewöhnliche Situation“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. „Vor diesem Hintergrund ist es nicht wirklich überraschend, dass die Preise steigen und die Lieferfristen immer länger werden. Das trübt die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate ein.“

Rund ein Viertel der befragten Unternehmerinnen und Unternehmer rechne vor diesem Hintergrund mit einer Verbesserung der Geschäftslage, 19 Prozent ginge von einer Verschlechterung aus.

Optimismus herrschten vor allem in der Industrie, im Großhandel und im Dienstleistungssektor, während im Einzelhandel und im Tourismus weiterhin die negativen Erwartungen überwögen. Weigand: „Belebungen erwarten die Unternehmen in erster Linie durch die Auslandsnachfrage.“

Mehr Investitionen und mehr Mitarbeiter geplant

Hohenner weiter: „Die Investitionsneigung hellt sich weiter auf. Vor allem in der Industrie und im Großhandel planen viele Unternehmen mit steigenden Investitionen.“

Ein ähnliches Bild ergebe sich bei den Beschäftigtenplanungen der oberfränkischen Wirtschaft. 19 Prozent der Befragten wollten Personal einstellen, einen Abbau der Mitarbeiterzahlen erwarteten hingegen 13 Prozent. Größere Zuwächse prognostizierten der Dienstleistungssektor und wiederum die Industrie. Weigand: „Allerdings, das Personal muss erst einmal verfügbar sein.“

Was sich die Unternehmer nun aus Berlin erwarten

Von der Politik erwarteten sich die Unternehmen vor allem eine rasche Regierungsbildung und Planungssicherheit. „Zu wichtig ist eine handlungsfähige Regierung angesichts der anstehenden Herausforderungen“, betont Weigand. Dabei stünden bei den oberfränkischen Betrieben neben der Pandemiebewältigung das Vorantreiben der Digitalisierung, wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern und tagesaktuell das Einwirken auf die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise ganz oben auf der Liste. Weigand: „Es geht um nichts Geringeres als um die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland!“ (red)

Schlagworte