LICHTENFELS

Windkraft: Stadt erinnert an Beschlüsse von 2013

Die Windräder im Weismainer Ortsteil Seubersdorf. Das Jurastädtchen könnte einen großen Teil des Energiebedarfs des Landkreises decken, schlägt Grünen-Stadträtin Dr. Susann Freiburg vor. Foto: Steffen Huber

In der vergangenen Ausgabe haben wir die Antworten der Lichtenfelser Stadtratsfraktionen von SPD, FW und der WLJ und zum Thema „Ausbau der Windenergie“ im Stadtgebiet Lichtenfels vorgestellt. An dieser Stelle gibt es nun die Antworten der Fraktionen von Bündnis 90/Die Grünen und den Jungen Bürgern, der AfD-Stadträtin Heike Kunzelmann sowie der Stadt Lichtenfels zu folgenden Fragen:

1. Wie steht Ihre Stadtratsfraktion zur Windkraft im Stadtgebiet?

2. Aktuell ist im Stadtgebiet Lichtenfels durch den Regionalplan Oberfranken-West lediglich das Vorranggebiet Isling-Nord als für Windkraft geeignet ausgewiesen (mit einem Windrad). Wo sehen Sie im Stadtgebiet weitere Potenziale für Windenergie?

3. Wie könnte Ihrer Meinung nach die Akzeptanz der Bürger für die Windkraft verbessert werden?

4. Welche Möglichkeiten hat die Stadt Lichtenfels anderweitig, an den Potentialen der Windkraft im Landkreis zu partizipieren?

Dr. Susann Freiburg (Grüne): Lichtenfelser Stadtwerke einbeziehen

1. So umstritten das Thema Windkraft gerade mit Blick auf die Akzeptanz der Bevölkerung ist: Wenn wir uns und unseren Kindern die Lebensqualität erhalten wollen, die wir gerade genießen dürfen, geht kein Weg am Ausbau der Windenergie vorbei.

2. Das ist eine technische Frage. Windräder sind, was Planung, Bau und Unterhalt angeht, sehr teuer. Deshalb machen sie nur dort Sinn, wo genügend Wind weht (sogenannte „Windhöffigkeit“). Sehr erhellend ist dabei ein Blick in den Bayerischen Windatlas von 2021.

Der Kreis hat für seine Städte und Gemeinden bereits vor elf Jahren im Zusammenhang mit der Erstellung des Klimaschutzkonzepts geeignete Standorte erheben lassen. Diese Zahlen sind inzwischen veraltet. Darum beantragten wir Grüne auf Kreisebene die Neuauflage eines solchen Konzepts. Unter Berücksichtigung der im Regionalplan Oberfranken West ausgewiesenen Gebiete für Windkraftanlagen wird sich aus der Überarbeitung ergeben, wo weitere Potenziale für Windenergie im Stadtgebiet von Lichtenfels bestehen.

3. Wichtig für die Akzeptanz ist eine intensive Beteiligung der Bürger. Wir brauchen eine Kommunikation auf Augenhöhe, bei der alle gehört werden. Daneben führt die finanzielle Beteiligung von Bürgern – in welcher Form auch immer – zu einer höheren Akzeptanz.

Zum Beispiel könnte man die Investoren beim Bau einer Windkraftanlage verpflichten, 20 Prozent des Ertrags der Öffentlichkeit anzubieten. Die angebotene Beteiligung müsste umso höher ausfallen, je größer die Nähe zum Windrad ist. Auch für die Grundstückseigentümer sind Windräder lukrativ. Pro Standort können durchaus 50.000 Euro Pacht pro Jahr fällig werden.

4. Aus den Kommunalsteckbriefen des ,aktuellen‘ Klimaschutzkonzepts, ergibt sich, dass es im Landkreis Kommunen gibt, die aus erneuerbaren Energien deutlich mehr Strom produzieren könnten, als sie selbst benötigen. Das gilt besonders für Weismain. Bei vollständiger Potenzialausschöpfung würde dort nach den alten Daten fünf Mal mehr Strom erzeugt, als verbraucht werden. Allein das Windkraftpotenzial liegt bei 401 Prozent! Weismain könnte also Stromlieferantin des Kreises und seiner Kommunen werden. Diese Stadt könnte sich sanieren und die anderen Kommunen von klimafreundlich erzeugten Regionalstrom profitieren. Dazu bedarf es der Zusammenarbeit zwischen den Kommunen. Wir halten es für ein großes Versäumnis, dass auf Landkreisebene bislang kein interkommunales Gremium installiert wurde, um Strukturen für einen planvollen Klimaschutz zu schaffen.

Insbesondere wäre die Rolle der Lichtenfelser Stadtwerke zu überdenken: Die Stadtwerke sollten landkreisweit Partnerin bei der regionalen Gewinnung erneuerbarer Energien werden.

Philipp Molendo (JB): Kommunen brauch mehr Spielraum

Wenn wir die Energiewende und zumindest teilweise lokale Unabhängigkeit prinzipiell wollen, müssen wir klar Farbe bekennen und anfangen, dies auch umzusetzen. Das bedingt ein Ausschöpfen aller Möglichkeiten vor Ort, und das ist neben Photovoltaik-Anlagen auch vermehrt der Ausbau der Windenergie. Hier muss die „große“ Politik zeitnah endlich eine Einigung auf Bund-Länder Ebene erwirken, damit die Kommunen mehr eigenen Handlungsspielraum haben.

Also gibt es aus unserer Sicht der Jungen Bürger ein klares Ja für einen weiteren Ausbau der Windernergie, auch lokal. Allerdings würden wir zur bestmöglichen Standortbestimmung unter Beteiligung der Bürger ein Punktesystem vorschlagen, das analog der Handhabe wie bei möglichen Photovoltaik-Flächen im Stadtgebiet funktioniert, und dies gegebenenfalls sogar dies auf Kreisebene ausweiten. Dies würde durch den Bauausschuss dann im Anfragefall direkt entschieden.

Also lautet unser Standpunkt: Ausbau ja, die Standortbestimmung ist noch zu diskutieren.

Heike Kunzelmann (AfD): Windräder statt Maibäume

1. Windkraft im Stadtgebiet?! Da drängt sich mir das Bild einer 200-Meter-Windmühle neben dem Weidenpavillon auf unserem Marktplatz auf. Neues wagen hörte ich es oft klingen. 10-H lässt es scheitern, und das ist gut so! Nicht auszudenken, wenn die Rotoren im Winter Eis bilden und die kalte Last wie Raketen in den Dächern der umliegenden Häuser einschlagen. Dauerfeuer für die Feuerwehr. Die Triage ist dann nicht weit.

2. Eine 5-MW-Windanlage benötigt neben einem „windhöfigen“ Platz eine Fläche von 10 Hektar, um wirtschaftlich eingesetzt zu werden. Hier wären der Staffelberg und der Windhang von Kloster Banz ideal. Leider gehören beide Flächen nicht zum Stadtgebiet von Lichtenfels. Vielleicht sollte man überlegen, ob man die ortsüblichen Maibäume durch Windkraftanlagen ersetzt. Es fördert sicherlich den Tourismus, wenn die Rotoren mit ihrem Infraschall, das Surren des Windes in nicht gekannter Weise in die Herzen der Gäste bringen. Schlafen unter dem Windrad könnte zum Verkaufsschlager in der Tourismusbranche werden.

3. Mit gutem Beispiel vorangehen, sollten Bürgermeister, Landräte sowie alle windkraftüberzeugten kommunalen Würdenträger. Jeder bekommt sein Windrad in den Vorgarten. Das erzeugt den persönlichen Strom, und man kann die Vorteile der Windkraft noch überzeugender unter die Menschen bringen oder für immer schweigen. Die Bürger werden dies sehen und sicherlich nach einiger Zeit dem gutem Beispiel der Vorreiter gerne folgen.

4. Sie könnten dem Beispiel einiger Städte folgen, die sich in Wind- und Sonnenfarmen einkauften. Eine Erfolgsstory, die solange währt, wie das Hochglanzprospekt, auf dem sie prangt. Etwas was gerne bejubelt wird, bis zudem Zeitpunkt, an dem der Kämmerer sieht, dass hier keine Farm, sondern ein schwarzes Loch in der Stadtkasse wohnt. Wie erst jüngst die Stadtwerke München mit ihrer Beteiligung an dem spanischen Solarkraftwerk Andasol 3 feststellten. Windkraft rechnet sich nur dann, wenn Verluste sozialisiert werden können. Die Partizipation von Bürgern, Städten und Gemeinden ist eine elegante Rückversicherung.

Windkraft: Stadt erinnert an Beschlüsse von 2013
Windräder wie diese hier bei Seubersdorf (Stadt Weismain) werden für die Energiewende benötigt. Doch im Lichtenfelser St... Foto: Steffen Huber

Sebastian Müller (Stadt): Bürger finanziell beteiligen

1. Die Stadt Lichtenfels sieht die Windkraft als Möglichkeit die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien deutlich voranzubringen.

2. Die Stadt Lichtenfels sieht aufgrund der derzeit geltenden gesetzlichen Regelungen wenig Potentiale für weitere Flächen. Der Stadtrat hat sich auch bezüglich der Vorrangflächen im Regionalplan zuletzt 2013 ablehnend dazu geäußert.

3. Die Akzeptanz könnte durch finanzielle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Windkraftanlagen sowie durch die kommunale Trägerschaft von Windkraftanlagen verbessert werden.

4. Die Stadtwerke Lichtenfels können sich zum Beispiel eine Beteiligung an einer Windkraftanlage vorstellen.

 

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