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Wilhelm Wasikowski: Strukturwandel ist nicht aufzuhalten

Die Folgen der Pandemie erfordern schnelles Umdenken. Das weiß auch Unternehmer Wilhelm Wasikowski. Foto: Till Mayer

Kein Unternehmen, auf das die Pandemie keinen Einfluss hätte. Davon weiß auch Wilhelm Wasikowski, Geschäftsführer der Johannes Sebastian Wasikowski GmbH & Co KG zu erzählen. Corona beschleunigt den Strukturwandel. Darauf stellt sich der Unternehmer ein.

„Der Strukturwandel ist nicht aufzuhalten. Der Raum Lichtenfels – Coburg ist zwar immer noch das Zentrum der deutschen Polstermöbelindustrie, aber die Bedeutung der Branche schrumpft. Geänderte Verbrauchergewohnheiten setzen die Branche ebenso unter Druck wie Billigproduzenten etwa aus Osteuropa.

Umsatz mit dem Ladenbau wächst

Das bekam in den vergangenen Jahren auch die Firma Johann Sebastian Wasikowski GmbH & Co. KG zu spüren. In dem Maße wie Polstermöbelhersteller verschwanden, reduzierte sich der Umsatz meines Unternehmens. Seit gut fünf Jahren sind wir deshalb dabei, uns zwei neue Standbeine aufzubauen, die Produktion von Displays auf der einen Seite und den Ladenbau auf der anderen Seite. Das ist die ganze Zeit sehr gut aufgegangen, in dem Maße wie der Umsatz mit der Polstermöbelindustrie nachließ, wuchs unser Umsatz mit dem Ladenbau und den Displays. Zumindest bis zu dem Moment als Corona kam. Dann sank das Interesse an unseren Produkten spürbar. Unser Vorteil war, dass wir auch einige komplette Ladeneinrichtungen in der Pipeline hatten, was uns über diese schwere Zeit geholfen hat.

„Ideen waren gefragt, um den verlorenen Umsatz auszugleichen. Da kam uns ausgerechnet die Corona-Krise zu Hilfe.“
Wilhelm Wasikowski, Unternehmer

Ideen waren gefragt, um den verlorenen Umsatz auszugleichen. Da kam uns ausgerechnet die Corona-Krise zu Hilfe. Einzelhändler, Hoteliers, Gastronomen, aber auch Dienstleister und Industrieunternehmen haben händeringend Hygieneschutzwände gesucht. Das war unsere Chance. Mein Team und ich fingen an zu tüfteln und binnen kürzester Zeit hatten wir einen Prototypen hergestellt.

Diese Wände wurden und werden uns aus den Händen gerissen. Schon nach kurzer Zeit gab es die Wände in allen Formen, gebogen, eckig oder rund, aber auch mit Durchreiche und natürlich einem individuellen Digitaldruck versehen, also etwa einem Logo.

Die Folgen der Pandemie erfordern schnelles Umdenken. Das weiß auch Unternehmer Wilhelm Wasikowski. Foto: Till Mayer

Neue Homepage zur rechten Zeit

Da kam uns zupass, dass Anfang des Jahres unsere neue Homepage für wasi displays online ging, wo wir unsere neuen Produkte entsprechend vorstellen können, und über die wir die Bestellvorgänge abwickeln können. Da zeigen sich auch die Veränderungen in der Berufswelt. Wir werden hier von einer Studentin unterstützt, die gerade ihren Master im Online-Marketing macht. Vor ein paar Jahren hätte ich nicht gewusst, was ich mit jemanden, der diese Qualifizierung hat, anfangen soll, heute ist diese Qualifikation unentbehrlich. So ändern sich die Zeiten.

Das geht nicht ohne erhebliche Mehrarbeit ab. Deshalb ist es für mich wichtig, dass ich beim Sport einen Ausgleich finde. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein passionierter Tennisspieler bin. Tennisspielen beruhigt meine Nerven, hilft aber auch, mir die nötige Kraft und Fitness zu geben, die ich im Unternehmen brauche, um durchzuhalten.

Sorgen mache ich mir hauptsächlich um meine Eltern, die beide über 80 sind. Wir versuchen natürlich alles, die Corona-Viren von ihnen fernzuhalten.

Ich bin aber auch IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums. Als Aufgabe des IHK-Gremiums sehen wir es etwa, unseren wirtschaftlichen Sachverstand in die Diskussion einzubringen.

Aufgrund der Rahmenbedingungen kann die Gremiumsarbeit zu meinem großen Bedauern nur auf Sparflamme erfolgen. Die letzte Präsenzsitzung, damals ein Gedankenaustausch mit Landrat Christian Meißner, fand im Frühjahr statt.

Wir versuchen aber, die Probleme unserer Mitglieder aufzugreifen, sei es bei der Kfz-Zulassung während des Lockdowns, sei es bei der aktuellen Baustellenplanung in Burg- und Altenkunstadt.

Eine Normalisierung ist wichtig

Gerade für die Wirtschaft ist es wichtig, dass zeitnah eine Normalisierung eintrifft, sonst überleben das etliche Unternehmen nicht. Nicht jeder Unternehmer hat das Glück, zeitnah ein Produkt anbieten zu können, das in zehn Jahren wahrscheinlich kaum benötigt wird, aber aktuell dringend gebraucht wird.“

 

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