LICHTENFELS

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet
Mal Hand heben, wer vor Corona zusammen an einem Tisch saß. Diese Oberwallenstadter Männerrunde ist nun etwas verteilter, aber man genoss dennoch den gemeinsamen Biergartenauftakt. Foto: Markus Häggberg

Seit Montag dürfen Wirte die Biergärten und Außenanlagen ihrer Gasthäuser wieder öffnen. Gerade in Franken fieberte man diesem Ereignis entgegen. Möchte man meinen. Doch ein Rundgang durch Lichtenfelser Biergärten förderte auch Nachdenkliches zutage.

Beim Gasthof Rauch in Oberwallenstadt kommt es zu einer traurig-komischen Szene. Elf Männer an drei Tischen. Aber Hauptsache, man sieht sich mal wieder. Die Männer saßen vor Ausbruch der Corona-Beschränkungen an einem Tisch, nun haben sie Abstand zueinander, plaudern aber doch über Tische hinweg miteinander.

Höchstens ein Viertel der Sitzplätze kann genutzt werden

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet
Vielleicht saß man etwas auseinander, aber dafür diskutierte man gemeinsam. So zu sehen in einem Biergarten Oberwallenst... Foto: Markus Häggberg

86 Sitzplätze hätte der Biergarten, nun aber wurde alles so auf Abstand gestellt und gesetzt, dass höchstens ein Viertel besetzt werden kann. Wirt Thomas Müller achtet auf die Einhaltung der Auflagen. Am Tisch braucht der Gast keine Maske, aber beim Betreten des Lokals, beispielsweise, um auf das WC zu kommen, muss sie aufgesetzt werden.

So etwas wie eine Wiedersehensfreude unter Gästen habe er mitbekommen, die sei spürbar gewesen. Aber auch hier kein echter Ansturm auf den Biergarten. „Ich habe das im Gefühl gehabt, was sich heute tut. Im Gegenteil sogar, es war bislang weniger (Besuch) als erwartet.“ Aber dafür unterhält der Wirt seine Gäste mit einer neckischen, hausgemachten Verschwörungstheorie zu Corona. Aus seiner Sicht stecken die Frauen dahinter und das nur, damit es „endlich keinen Fußball“ mehr gibt.

Unternehmen und Kneipen nicht nur am Telefon unterstützen

Dem Datum entgegengefiebert? Für Oliver und Gizem Oester trifft das zu. „Wir haben einen Sohn, den hätten wir auch mitgenommen“, erklärt das junge Paar aus Altenkunstadt. Es sitzt am Spätnachmittag mit einem lieben Bekannten bei „Tre Fratelli“ (ehemals „Markt 17“) im Biergarten. Aber das war's dann auch schon beinahe. Nur eine weitere Person sitzt noch neun, zehn Meter entfernt allein an einem Tisch.

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet
Eine Szene aus einem abgeschiedenen Winkel eines Biergartens im Zentrum der Stadt. Wirt Simone Diana reicht seinen Gäste... Foto: Markus Häggberg

Dass sie an diesem 18. Mai, am Tag der Shutdown-Lockerung also, hier sein würden, war den jungen Leuten, die sich als „biergartenaffin“ ansehen, einigermaßen klar. „Persönlich habe ich keine Angst vor Ansteckung“, sagt Gizem, und ihr Mann unterstreicht, dass man „Unternehmen und Kneipen nicht nur am Telefon unterstützen“ darf, sprich also, nicht nur telefonisch Bestellungen für Speisen zum Mitnehmen aufgeben sollte. Der Wirt kommt mit Bruschetta, und man lässt sich das Abendbrot schmecken. Man ist ein wenig für und unter sich – auch gut.

Hände desinfizieren und Maske nicht vergessen

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet
Ein Hinweisgeber zur Biergartensaison-Eröffnung. Foto: Markus Häggberg

200 Meter in Richtung Oberes Tor entfernt steht der nächste Biergarten. „Zum Dümpfelschöpfer“ heißt er und ist eine Institution. Dort, wo der Eingang zum Oberen Tor selbst zu finden ist, steht etwas, das Vorfreude vermittelt: ein Aufsteller, auf den mit Kreide eine fröhliche Sonne gemalt wurde. „Biergarten geöffnet“ steht hier zu lesen, und eingerahmt ist das von gezeichneten Blumen. Endlich geöffnet, scheint das ausdrücken zu wollen.

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet
Es geht gesittet und auf Distanz zu. Das Foto vom Biergarten "Zum Dümpfelschöpfer" zeigt deutlich, dass das Mobiliar aus... Foto: Markus Häggberg

Doch bevor man den Biergarten betritt, wird man doch noch an die Corona-Wirklichkeit erinnert: das Desinfizieren der Hände wird hier an einem Tisch ermöglicht, und ein Schild weist darauf hin, dass man den Garten nur mit Maske zu betreten hat.

Gäste zeigen großes Verständnis für die Maßnahmen

So um 17 Uhr herum, erklärt Bedienung Jasmin Wölfel, hätten Leute angerufen, um sich zu erkundigen, wie das heute hier so „abläuft“. Gemeint sind die Regularien rund um die Maskenpflicht und wie viele Haushalte gemeinsam an einem Tisch sitzen dürfen. Es sind zwei, das bekommen die Anrufer auch mitgeteilt. „Wir haben schon ein paar Reservierungen für die Woche bekommen“, erklärt Wölfel. Sie arbeitet mit Mundschutz und Handschuhen, das muss ganz so streng nicht gehandhabt werden, aber im „Dümpfelschöpfer“ will man den Gästen ein sicheres Gefühl geben.

Wiedersehensfreude auf Abstand: Biergartensaison eröffnet
Jasmin Wölfel vom “Dümpfelschöpfer“ zeigt das Kontaktbuch. Aber die junge Frau verspricht auch, dass zum Zwecke des Date... Foto: Markus Häggberg

Wer am Platz sitzt, der braucht keine Maske zu tragen. Doch wer das Gasthaus betritt, der kommt um sie nicht umhin und wird vom Personal auch darauf hingewiesen. Dass es hier auch ein Kontaktbuch gibt, in welchem verzeichnet steht, wer mit wem an welchem Tisch zu welcher Uhrzeit saß, werde von den Gästen akzeptiert. „Sie sagen, es ist vollkommen okay – ich hatte ja Befürchtungen, dass wir Beschwerden wegen Datenschutz bekommen“, so Wölfel. Doch die Gäste würden ein Einsehen für diese Maßnahme zeigen, die im Falle einer Corona-Ansteckung deren Eindämmung erleichtern soll.

„Nach acht Wochen Pause stehe ich da und scharre mit den Hufen.“
Reiner, am Ausschank vom „Dümpfelschöpfer“

Von einem Besucheransturm ist auch hier schwer etwas zu entdecken. Aber das wäre auch gar nicht so einfach zu handhaben, denn die Tische wurden in Sicherheitsabstand zueinander gestellt, und statt der 200 Plätze sind nur 80 nutzbar. Hat man sich hier auf den Tag X und die Eröffnung der Biergartensaison gefreut? „Auf jeden Fall“, versichert Reiner vom Ausschank. „Nach acht Wochen Pause stehe ich da und scharre mit den Hufen.“

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Wirt Christian Hantzsche am Ende eines ersten langen Biergartentages beim Pinkus. Er kann nicht klagen, aber der kommend... Foto: Markus Häggberg

„Wir haben um 11 Uhr aufgemacht, und es war immer zu tun“, bilanziert zu diesem Tag auch Christian Hantzsche. Der Wirt vom „Pinkus“ hat den Biergarten am anderen Ende der Innenstadt, am Unteren Tor. 33, 34 Leute habe er im Schnitt immer hier sitzen gehabt. Und es hätten „etliche angerufen und Sitzplätze bestellt“ – das schon vor zwei Wochen, als die Sprache auf die Lockerung des Shutdowns kam. Der Tag sei gut verlaufen, aber so ein wenig grause ihn vor dem Donnerstag. Dann ist Feiertag, und man „könnte überrannt werden“.

Was vor Corona kein Problem und erfreulich war, kann Wirte jetzt vor Probleme stellen. Sie haben darauf zu achten, dass sich niemand zu nahe sitzt, sie müssen vielleicht sogar bei Nichtbeachtung der Maskenpflicht bei Gästen einschreiten. Hantzsche jedenfalls kenne Wirte, „die wegen dem Donnerstag lieber zu lassen“.

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