WEISMAIN/ALTENKUNSTADT/MARKTGRAITZ

Wie Pfarrer den Aschermittwoch in der Pandemie begehen

Wie Pfarrer den Aschermittwoch in der Pandemie begehen
Pater Josef Gibus streut den Gläubigen in Altenkunstadt Asche als Zeichen der Umkehr uns Buße aufs Haupt. Foto: Roland Dietz

Wenn die Narren singen „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“ ist zwar die Faschingszeit beendet, doch im Kirchenjahr beginnt eine entscheidende Phase. Mit der Fastenzeit beginnt die Vorbereitung auf das Osterfest. Damit sind viele Bräuche verbunden.

Für die Christen war die Fastenzeit ab dem 2. Jahrhundert eine Bußzeit als Vorbereitung auf das Hochfest Ostern – ähnlich dem Advent vor Weihnachten, der im Mittelalter nicht nur vier Wochen umfasste, sondern auch 40 Fasttage. Ursprünglich begann die kirchliche Fastenzeit am sechsten Sonntag vor Ostern. Papst Gregor der Große (590 - 604) verlegte den Anfang jedoch auf den vorangehenden Mittwoch. Da die Sonntage vom Fasten ausgenommen waren, gewann man auf diese Weise exakt 40 Fasttage.

„Wie Jesus fasten also auch die Gläubigen in Vorbereitung auf etwas Größeres im Glauben an das ewige Leben.“
Gerhard Möckel, Weismainer Stadtpfarrer

Zudem markierte jener Mittwoch schon in der alten Kirche den Beginn der öffentlichen Kirchenbuße: Damals legten sich Büßer ein Bußgewand an und wurden mit Asche bestreut. Erst am Gründonnerstag wurden sie wieder zur Kommunion zugelassen. Hier liegt der Ursprung des Namens „Aschermittwoch.“ Das Datum hängt vom beweglichen Ostertermin ab, so dass Aschermittwoch frühestens auf den 4. Februar, spätesten auf den 10. März fallen kann.

Wie Pfarrer den Aschermittwoch in der Pandemie begehen
Das Hungertuch von Misereor, das 2021 das Thema "Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ behandelt. Foto: Roland Dietz

Dekan Lars Rebhan aus Marktgraitz erklärt dazu, dass die Zahl 40 auf die biblische Geschichte von der Versuchung Jesus im Markus-Evangelium zurückzuführen ist. Danach folgte Jesus nach seiner Taufe der Stimme Gottes und wandert 40 Tage lang einsam durch die Wüste. Währen dieser Zeit tat er Buße und fastete. Dabei wurd er immer wieder vom Teufel in Versuchung geführt. Auch die Israeliten waren beim Auszug aus Ägypten vor 3000 Jahren rund 40 Jahre lang in der Wüste unterwegs, wie die Bibel schildert. 40 Tage verbrachte Mose allein auf dem Berg, um Gottes Gebote entgegenzunehmen. 40 Tage wanderte Elia fastend und betend durch die Wüste, bis er am Berg Horeb Gott in geheimnisvoller Weise erfahren durfte. Hier werden Entbehrungen und Fasten zu einem Teil dieser Darstellungen.

Der Aschermittwoch markiert den Beginn des Fastens, weshalb der Fasching in verschiedenen Regionen auch als Karneval bezeichnet wird – nach dem italienischen „Carnevale“ („Fleisch lebe wohl“).

Weniger bekannt sind sogenannten Fasten – früher auch Hungertücher genannt – die am Aschermittwoch aufgehängt wurden. Sie symbolisieren den zerrissenen Vorhang im Tempel von Jerusalem, der in der Leidensgeschichte Jesu im Lukas-Evangelium geschildert wird. Er symbolisiert die Öffnung der Kirche durch Christus für die ganze Welt. Das Hungertuch ist auch in diesem Jahr ein zentraler Bestandteil der Fasten und Spendenaktion Misereor. Mit den Aktionen Misereor und Brot für die Welt setzen die beiden christlichen Kirchen mit diesem Hungertuch in der Fastenzeit ein Zeichen für die Ökumene.

Das Fasttuch zeigt ein Röntgenbild, das den gebrochenen Fuß eines Menschen zeigt, versehen mit der Botschaft: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Für viele Menschen steht nicht nur das Fasten und Buße tun im Mittelpunkt, sondern sie wollen etwas Gutes tun. Daher spenden sie Geld, das sie durch einen Verzicht einsparen, für einen karitativen Zweck wie die Misereor-Aktion, erklärt Pfarrer Gerhard Möckel aus Weismain.

Von Buße der Gläubigen und politischen Bußpredigten

Das Sinnbild des Aschermittwochs ist der kirchliche Brauch der Asche-Auflegens. Das Aschekreuz symbolisiert die Rückbesinnung und Buße von Verfehlungen der Menschen, verweist aber auch auf Vergänglichkeit, Tod und Ewigkeit. Mit den Worten „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ streicht der Priester den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn. Die Asche wird seit dem 12. Jahrhundert meist durch Verbrennen der vom vergangenen Jahr übriggebliebenen Palmzweige gewonnen.

Dies wird in diesem Jahr nur eingeschränkt möglich sein. „Wegen der Corona-Pandemie muss das Asche-Auflegen ohne körperlichen Kontakt geschehen“, stellt Dekan Rebhan fest. In Marktgraitz wird es dabei auch keine Eucharistiefeier geben, da seiner Meinung nach das Symbol der Rückbesinnung und Buße im Mittelpunkt stehen soll.

Wie Pfarrer den Aschermittwoch in der Pandemie begehen
Das Aschekreuz, das an Anschermittwoch den Gläubigen auf die Stirn gezeichnet wird, ist ein Symbol der Vergänglichkeit. Foto: Roland Dietz

In den Kirchen war der Tag von jeher ein Fasttag, an dem kein Fleisch verzehrt werden sollte. Diesen Tag nutzen die Parteien traditionell für Veranstalungen als politischer Aschermittwoch oder gar Ascherdonnerstag. Bei den Versammlungen geht es meist um die polemische Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner. Deftig geht es auch ohne Fleisch zu, den die servierten Käse- oder Fischgerichte haben wenig mit dem Fasten zu tun.

Unartigen Kindern wurde gedroht, das Aschekreuz bleibe für immer

Wortgewaltige Fastenprediger wie sie früher in Klöstern und Kirchen am Aschermittwoch auftraten, gehören der Vergangenheit an. Ebenso die Drohung gegenüber unartigen Kindern, dass das Aschekreuz für immer auf der Stirn bleibe, wenn sie nicht brav seien.

„Wie Jesus fasten also auch die Gläubigen in Vorbereitung auf etwas Größeres im Glauben an das ewige Leben“, betont Pfarrer Gerhard Möckel. Daher sollte der Aschermittwoch ein Tag zum Innehalten und Nachdenken sein.

 

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