LICHTENFELS

Wie lockt man Autofahrer ins Parkhaus?

Es ist Sonntag, kurz vor 14 Uhr. Im Parkhaus Oberes Tor stehen weniger als 20 Autos auf den Parkebenen. Nicht einmal die Besitzer von E-Autos nutzen eine der beiden Ladeboxen, um günstig ihre Batterie zu laden. Nun könnte man einwenden, wer will am Sonntagmittag bei Regen schon in die Lichtenfelser Innenstadt? Einige, wenn man durch Laurenzi- und Hirtenstraße oder Coburger Straße läuft und die vielen, kostenlos parkenden Fahrzeuge sieht.

Die geringe Nutzung – auch unter der Woche ist es fast nie ein Problem, in den beiden Parkhäusern „Oberes Tor“ P1 (erbaut 1988) sowie „Unteres Tor“ P2 (erbaut 1997) einen Stellplatz zu bekommen – hat in den vergangenen Jahren hohe Defizite verursacht. So gibt es laut dem Bayerischen Kommunalen Prüfungsverband für das Jahr 2019 ein Minus von 139.000 Euro und für 2020 ein Minus von 193.000 Euro. Der Anstieg des Defizits wurde als Auswirkung der Pandemie bedingten Einschränkungen erklärt, es ist daher anzunehmen, dass auch im vergangenen Jahr ein Fehlbetrag in mindestens ähnlicher Höhe aufgetreten sein dürfte.

Diese Redaktion fragte bei den im Stadtrat vertretenen Fraktionen sowie der Stadt nach, welche Möglichkeiten sie sehen, die Parkhäuser attraktiver zu gestalten, um mehr Autofahrer dazu zu bewegen, ihr Fahrzeug dort abzustellen. Auch die Vertreterin der AfD, Heike Kunzelmann, wurde dazu gefragt, allerdings ging bis zum Redaktionsschluss keine Antwort ein.

Gemeinsame Stellungnahme von SPD, Grünen und Freien Wählern:

„Die Fraktionen von Freien Wählern, Grünen und SPD sehen Handlungsbedarf bei der Auslastung der Parkhäuser. Ursächlich für die großen Defizite, die Jahr für Jahr verbucht werden müssen, ist die unzureichende Nutzung der Parkhäuser auch durch das große Angebot von kostenfreien Parkplätzen im Innenstadtbereich. Dabei stehen den von der Stadt zur Verfügung gestellten 500 kostenpflichtigen Parkplätzen (zwei Parkhäuser sowie der Parkplatz am Pabstenweg) zirka 400 kostenfreie Parkplätze gegenüber, welche zum allergrößten Teil bis zu zwei Stunden mit Parkscheibe genutzt werden können.

Mitglieder der drei Fraktionen arbeiten gegenwärtig an einem gemeinsamen Antrag, der zum Ziel haben soll, den Großteil des Parkverkehrs in die städtischen Parkhäuser zu leiten. Freiwerdende Flächen in der Innenstadt könnten entsiegelt werden und mit Bäumen oder Grünflächen zur Attraktivität der Innenstadt beitragen. Schließlich ist es gerade für die Gewerbetreibenden und die Gastronomie wichtig, die Verweildauer in der Innenstadt zu erhöhen.

Dabei kommt es nicht nur auf die Parkplatzsituation an, sondern – in Zukunft immer öfter – auf Verschattung und Frischluftschneisen. Die Innenstadt würde so an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst werden können. Zudem ist die Situation für Radfahrer, egal ob ortskundig oder ortsfremd, in der Innenstadt nicht optimal, weshalb alternativ auch Radwege auf den freiwerdenden Parkflächen eingerichtet werden könnten, was zu einer weiteren Qualitätssteigerung führen würde.

Die Aufwertung der günstig zum Stadtkern gelegenen Parkhäuser brächte somit auch weitere positive Nebeneffekte wie zum Beispiel im Sinne des Klimaschutzes, der Radfahrerfreundlichkeit und einer Aufwertung des Stadtbildes.

Dass diese Maßnahmen nur im Schulterschluss mit den Gewerbetreibenden und Anwohnern erfolgreich umgesetzt werden können, ist den beteiligten Stadträten bewusst.“

Stellungnahme der Stadtratsfraktion der CSU:

„Es ist nicht untypisch, dass städtische Parkhäuser defizitär sind. Dies trifft auch auf die Buslinien, den Friedhof, das Hallenbad, das Stadtschloss und die Stadthalle zu. In den vergangenen Jahren waren Sanierungen notwendig, und es wurden technische Erneuerungen vorgenommen. Zudem wurde in Solarenergie investiert. Nach der Meinung der CSU ist es zu kurz gedacht, wenn man nur sagt, wir machen die Parkhäuser ,attraktiver‘. Das Defizit der Parkhäuser wird sicherlich nicht sinken, indem man sie ,attraktiver‘ macht.

Man müsste Gebührenerhöhungen vornehmen oder die kostenlosen Parkplätze in der Innenstadt kostenpflichtig machen. Dies ist jedoch nicht gewünscht. Selbst wenn das Parken in den Parkhäusern kostenlos ist, was bereits mehrfach der Fall war, sind diese bei weitem nicht überfüllt. Zudem ist die Innenstadt für Lichtenfelser aus der Kernstadt sehr gut mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichbar. Unser Citymanagement leistet seit Jahren sehr gute Arbeit, um die Innenstadt zu beleben. Hierfür müssen nun einmal diese Parkhäuser zur Verfügung stehen.

Die CSU-Fraktion hat sich mit dem Thema bereits auseinandergesetzt und plant im Laufe des Mai hierzu einen Antrag zu stellen.“

Stellungnahme der Fraktion der Wählervereinigung Leuchsental-Jura:

„Die defizitäre Situation unserer Parkhäuser begleitet uns schon seit Jahrzehnten. In den vergangenen Jahren gab es bereits viele Versuche, um auf die Wünsche unserer Kunden und Geschäftsleute einzugehen. Hierunter fallen beispielsweise die Einführung des Schrankensystems und somit eine zeitgenaue Abrechnung der Parkzeit oder die ,Brötchenpause‘, also die erste halbe Stunde ohne Bezahlung, sowie mehrere Ladestationen für Elektrofahrzeuge. All diese Maßnahmen konnten die finanzielle Situation jedoch nicht verbessern. Zurückzuführen ist das Defizit auf die jährliche Abschreibung der Parkhäuser sowie anfallende Reparaturen. Ebenso trägt die allgemeine Parksituation in Lichtenfels mit beispielsweise vielen kostenlosen Parkplätze in Zentrumsnähe, sowie kostengünstige Kurzparkmöglichkeiten, in Kombination mit vielen Geschäftsleerständen im Zentrum, ihren Teil dazu bei.

Deshalb wird ein profitabler Betrieb der Parkhäuser aus unserer Sicht auch in Zukunft sehr schwierig realisierbar sein und erst dann möglich werden, wenn die jährliche Abschreibung der Gebäude abgeschlossen ist.“

Stellungnahme der Fraktion der Jungen Bürger:

„Die Parkhäuser sind eine der ,Bad Banks‘ im Haushalt unserer Kreisstadt. Um dies zu ändern, müssten nach unserer kurzen Kalkulation bei durchschnittlich drei Euro Parkgebühr täglich zirka 170 Autofahrer zusätzlich ,motiviert‘ werden, die beiden Parkhäuser zu nutzen. Allerdings finden sich ja auch einige alternative Kurzpark-Alternativen im Innenstadtbereich. Hier rein an Gebührenerhöhungen zu denken, wäre aus unserer Sicht einfach zu kurz gesprungen.

Eine Idee, um die Frequenz zu erhöhen, wäre breitere Dauerparkangebote zu attraktiven Konditionen für Anwohner und Arbeitnehmer, die in der Kernstadt arbeiten. Auch könnte man die Gastronomen einbinden. Diesen kann man bei der Außenbewirtung im Sommer entgegenkommen, um so vielleicht auch auswärtige Besucher zum längeren Verweilen einzuladen.

Ein breiteres Angebot an E-Ladesäulen in den Parkhäusern kann sich für die Zukunft bezahlt machen für die Frequenz und Einnahmen. Hierzu könnte man die Dachflächen gegebenenfalls für Photovoltaik nutzen. Wir haben diesen Vorschlag bereits gemacht, und dieser ist natürlich zunächst mit weiteren Investitionen in Statik und Anlage verbunden. Aber im Sinne der Nachhaltigkeit ist das für uns der richtige Weg. Wir denken, dass wir mit der Rückkehr von Korb- und Weihnachtsmarkt und weiteren Veranstaltungen zumindest wieder auf das Vor-Covid-Niveau der Parkfrequenz zurückkommen werden. Wir sind auch gerne offen für einen weiteren Gedankenaustausch.“

Stellungnahme der Stadt Lichtenfels:

„Seitens der Stadtwerke wurde bereits Einiges für die Attraktivierung der Parkhäuser getan. So wurde zum Beispiel mit der Installation eines Schranken-Kassen-Systems eine Maßnahme aus dem Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept ISEK umgesetzt. Dadurch können die Kunden ihre Parkzeit selbst bestimmen und müssen sich nicht mehr im Voraus auf eine Parkdauer festlegen. Dies wurde bereits im Jahr 2015 eingeführt.

Darüber hinaus liegen die Parkhäuser sehr nah an der Innenstadt, und die Parkgebühr ist sehr günstig. Es wurde auch eine ,Brötchentaste‘ eingeführt, so dass die erste halbe Stunde Parkzeit kostenfrei ist. Diese Option wird gerade von Eltern der Kita ,Vogelnest‘ sowie für schnelle Besorgungen im Bereich des Säumarktes genutzt, da auch ein direkter Zugang zwischen Kita ,Vogelnest‘ und ,Pinkus‘ vor einigen Jahren gebaut wurde. Durch diese Verbesserungen wird nun auch der Verkehr aus dem Marktplatz-Rathaus-Bereich herausgehalten und der Parkplatzsuchverkehr verringert.

Für die nähere Zukunft ist im Rahmen des Städtebauförderungsprogramms ,Innenstädte beleben‘ neben einem Fußgängerleitsystem auch ein neues Parkleitsystem geplant, das ortsfremde Besucher eine kontinuierliche Zielführung zu leistungsfähigen, innenstadtnahen Parkmöglichkeiten anbieten und eine leicht erkennbare Information über die Lage und Erreichbarkeit der innenstadtnahen Parkangebote, insbesondere der Parkhäuser geben soll. Damit wird auch eine Maßnahme aus dem Verkehrsentwicklungsplan umgesetzt.

Mit der weiteren Attraktivierung der Innenstadt und der nun wieder vermehrt stattfindenden Aktionen und Veranstaltungen und dem damit erhöhten Besucheraufkommen, rechnet die Stadt auch mit einer höheren Auslastung der Parkhäuser.“