KULMBACH/LICHTENFELS

Wie Kinder bei Gewalt der Eltern leiden

Partnerschaftsgewalt belastet Familien und besonders Kinder. Foto: Red

Das Kinderschutz-Zentrum der Geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach macht mit verschiedenen Aktionen in Schule, im Familientreff oder den sozialen Medien auf das wichtige Thema der Gewalt in Partnerschaften und deren Auswirkungen auf Kinder aufmerksam.

In der Pressemitteilung der Geschwister-Gummi-Stiftung heißt es weiter: „Es ist still. Zu still. Eigentlich sollten Marias (Name von der Redaktion geändert) Ohren die Stille nach der Auseinandersetzung gerade wohltun. Aber die Stille macht einsam. Einsam mit dem, was sie gerade gesehen und gehört hat. Worüber niemals jemand spricht.

„Jeder glaubt, dass die Kinder von all dem nichts mitbekommen. Aber das ist nicht so.“
Andrea Krüger Bereichsleiterin Ambulante Hilfen

Man sieht und hört sie selten, doch sie ist da: Partnerschaftsgewalt belastet Familien und besonders Kinder, auch in Kulmbach, Lichtenfels Bayreuth, Hof oder einfach überall. Partnerschaftsgewalt in verschiedensten Formen betrifft nicht nur Eltern, sondern mindestens ebenso die Kinder.“ Das sei auch in Oberfranken, seinen Städten, Gemeinden und Dörfern und überall so. Deshalb habe sich das Kinderschutz-Zentrum der Geschwister-Gummi-Stiftung an der Aktionswoche „Gemeinsam gegen Partnerschaftsgewalt und die Auswirkungen auf die betroffenen Kinder“ der Kinderschutz-Zentren beteiligt.

Kinder werden in vielen Fällen zu Zeugen

„Jeder glaubt, dass die Kinder von all dem nichts mitbekommen“, weiß Andrea Krüger, Bereichsleiterin „Ambulante Hilfen“. „Aber das ist nicht so.“ Von den Schlägen und Tritten, von den Demütigungen und Drohungen oder anderen Handlungen werden Kinder in vielen Fällen Zeugen.

Kinder können von ihren Versuchen berichten, die Gewaltaktionen zu beenden, oder von ihren Verstecken, in denen sie Schutz suchten und dennoch alles hörten oder spürten. Gesprochen werde über das Erlebte selten, oftmals würden vorsichtige Vorstöße dementiert: „Ach, das war doch gar nicht schlimm. Das passiert nicht wieder.“ Oder „Der Papa würde so etwas doch nie machen“, weiß Andrea Krüger.

Beeinträchtigung der Entwicklung möglich

Für die Kinder bringe das noch mehr Verwirrung mit sich. Sie hätten Angst, seien wütend oder verzweifelt, fühlen sich ohnmächtig und hilflos, schuldig und alleingelassen. Das alles führe zu Beeinträchtigungen in ihrer Entwicklung und könne auch langfristige Folgen haben.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Mit dem Thema der Partnerschaftsgewalt haben die Mitarbeitenden des Fachbereichs Familie und Erziehung der Geschwister-Gummi-Stiftung immer wieder zu tun. Häufig erleben die Fachkräfte, dass Eltern annehmen, ihre Kinder würden von den Auseinandersetzungen nichts mitbekommen.

Die Eltern glauben, Gewalt läuft versteckt und eher im Verborgenen ab, wenn Kinder schlafen oder nicht zu Hause sind. Tatsächlich hören, sehen und spüren Kinder jedoch sehr gut, was zwischen den Eltern vor sich geht und erleben die Partnerschaftsgewalt nicht selten hautnah mit.

Das belastet die betroffenen Kinder und kann sich negativ auf ihrer Entwicklung auswirken. Die meisten Kinder trauen sich nicht, diese Problematik anzusprechen. Sie fühlen sich mitschuldig, schämen sich oder haben Sorge und Ängste, was passieren könnte, wenn sie sich einer Vertrauensperson wie beispielsweise der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer anvertrauen.

In allen gesellschaftlichen Schichten möglich

Partnerschaftsgewalt kommt in allen gesellschaftlichen Schichten und ethnischen Zugehörigkeiten vor und betrifft sowohl Frauen als auch Männer. In akuten Gefahrensituationen bietet die Polizei Hilfe. Sie ist verpflichtet, auf einen Notruf hin sofort zu kommen. Sie wird diesen Einsatz dokumentieren und diese Aufzeichnungen auf Anfrage den Gerichten (Strafgerichte und Zivilgerichte) übermitteln. Wenn eine strafbare Handlung, wie zum Beispiel eine Körperverletzung, Nötigung, Vergewaltigung oder Freiheitsentziehung, vorliegt, muss die Polizei eine Anzeige aufnehmen.

Hier gibt es Hilfe und Unterstützung

Im Kinderschutz-Zentrum der geschwister-Gummi-Stiftung in Kulmbach am Schießgraben 7 können hier Betroffene Rat und Zuspruch vertraulich und auch anonym erhalten. Eine telefonische Beratung unter Tel. (09221) 828282 ist ebenfalls möglich. Die Fachkräfte können einfühlsam auf die individuelle Situation und Bedürfnisse der Betroffenen eingehen.“ (red)

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