Wie kann Lichtenfels bis 2030 klimaneutral werden?

Angesichts des neuen Berichts des Weltklimarats hat das Bündnis „Klimaentscheid Lichtenfels“ einen offenen Brief an den Stadtrat der Stadt Lichtenfels geschrieben:
Bürgerbegehren für ein klimaneutrales Lichtenfels startet
Die Organisatoren des Bürgerbegehrens wollen in Lichtenfels ein gutes Klima schaffen (v. li.): Winfried Tiedge, Christian Lorenz, Steffen Biskupski, Diana Biskupski, Anja Turtschan, Monika Groh und Elsa Matjak. Foto: red

„Sehr geehrte Stadträt:innen, heute hat das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) als ein Gremium der UN seinen aktuellen Bericht zur Klimaerwärmung vorgestellt. Darin haben 234 Expert:innen aus 66 unterschiedlichen Ländern rund 14 000 Studien zum Klimawandel gesichtet und bewertet.

Die wesentlichen Erkenntnisse:

• Schnellerer Temperatur-Anstieg als bisher angenommen: In allen fünf Szenarien, die die Expert:innen simuliert haben, erreicht der mittlere Temperaturanstieg bereits um 2030 die 1,5 Grad. Das ist mindestens ein Jahrzehnt früher als bisher angenommen. Das Pariser Klimaabkommen von 2015 kann so nicht gehalten werden.

• Naturkatastrophen als direkte Folge: Naturkatastrophen sind laut IPCC direkt auf die Klimaerwärmung zurückzuführen. Die erhöhten Wahrscheinlichkeiten bestimmter extremer Wetterereignisse können demnach mittlerweile deutlich präziser berechnet werden. Wissenschaftler stellten beispielsweise fest, dass die Rekordhitze an Nordamerikas Westküste im Juni ohne den Einfluss des Klimawandels ,praktisch unmöglich‘ gewesen wäre. Ein Blick in die aktuelle Lage durch Hochwasser und Waldbrände in Mitteleuropa erscheint hier wie ein Vorgeschmack.

• Rasch steigende Pegelstände: Die Pegel der Weltmeere sind seit 1900 um etwa 20 Zentimeter angestiegen, und allein im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Geschwindigkeit des Anstiegs nahezu verdreifacht. Maßgeblich verantwortlich dafür ist nicht mehr das Abschmelzen der Gletscher, sondern es sind die schwindenden Eisschilde der Pole.

• Umwälzzirkulation im Atlantik schwächelt: Die Atlantische Umwälzzirkulation, auf die auch der Golfstrom zurückzuführen ist, schwächt sich ab, und dieser Trend wird sich ,sehr wahrscheinlich‘ im Laufe des 21. Jahrhunderts fortsetzen. Die Wissenschaftler:innen schließen nicht aus, dass die Meeresströmung, die den globalen Wärmetransfer von den Tropen in die nördliche Hemisphäre regelt und damit für das milde Klima in Europa verantwortlich ist, gänzlich zum Erliegen

kommt. Dadurch würden zum Beispiel die Winter auch in Deutschland bedeutend kälter werden.

• Natürliche CO2-Senken kommen an ihre Grenzen: Seit etwa 1960 haben Wälder, Böden und Ozeane 56 Prozent der stark gestiegenen, vom Menschen verursachten CO2-Emissionen absorbiert. Aber die natürlichen CO2-Senken kommen den IPCC-Experten zufolge an ihre Grenzen. Der von ihnen aufgenommene Anteil der ausgestoßenen Treibhausgase wird im Laufe des Jahrhunderts voraussichtlich spürbar abnehmen. Die noch verbleibenden Wälder sind unbedingt zu schützen.

Quelle: www.tagesspiegel.de lebensgefahr/27494338.html

UN-Generalsekretär António Guterres fasst dies folgendermaßen zusammen: Es herrsche ,Alarmstufe Rot für die Menschheit. Der Planet schwebt in Lebensgefahr … „Wenn wir unsere Kräfte jetzt bündeln, können wir die Katastrophe abwenden. Die Lebensfähigkeit unserer Gesellschaft hängt davon ab, dass Führungskräfte in Politik, Unternehmen und der Zivilgesellschaft geeinigt hinter politischen Vorgaben, Maßnahmen und Investitionen stehen, die den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad begrenzen.‘

Wir alle sind gefordert, jetzt konsequent zu handeln. Bürger:innen wie Politiker:innen.

Effektiver Klimaschutz setzt hier vor Ort an. Hier fällt es uns leicht, konkrete Maßnahmen an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen und ihre Effektivität direkt zu kontrollieren und eine sozial verträgliche Umsetzung im Auge zu behalten.

Bitte werden Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst. Ihre lokale Politik hat Lenkungswirkung!

Sie gibt Sicherheit für künftige Investitionen, sie gibt uns Bürgern die Sicherheit, das Richtige und vor allem genug zu tun, und sie hat eine deutliche Signalwirkung auf den Kreistag, die Landes- und Bundespolitik. Denn eines ist nicht erst seit heute klar: Wir haben nur noch diese letzte Chance, unseren Planeten lebenswert zu erhalten.

Wir fordern Sie deshalb auf, einen Klimaaktionsplan zu erstellen, der uns, maßgeschneidert für die Korbstadt, einen Weg aufzeigt, wie wir in Lichtenfels bis 2030 klimaneutral werden können. Dieser Plan sollte anschließend gemeinsam mit den Bürger:innen in konkrete, sozialverträgliche Maßnahmen übersetzt und konsequent umgesetzt werden.

Wir, das Bündnis ,Klimaentscheid Lichtenfels‘ und die bereits mehr als 300 Unterzeichner des Bürgerbegehrens, erwarten eine Stellungnahme.“

Steffen Biskupski

Im Namen aller Unterzeichner des Bürgergehrens „Klimaentscheid Lichtenfels“

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