LICHTENFELS

Wie „Helfen macht Spaß“ einer Familie hilft

Die Familie von Karla K. erhielt eine Waschmaschine von „Helfen macht Spaß“. Foto: Till Mayer

Der Weihnachtsbaum steht das ganze Jahr im Eck des schmalen Zimmers. „Er sieht halt einfach schön aus“, sagt Karla K. (Namen von Redaktion geändert) über den Kunststoffbaum in Tannengrün. „Zu Ostern haben wir ihn mit bunten Eiern geschmückt“, lacht die 20-jährige Tochter.

Viel Schmuck hat das schmale Zimmer nicht zu bieten. Ein Tisch mit langer Bank, ein Schreibtisch mit Drehstuhl, am Boden mümmelt etwas faul Häsin Minni im Käfig. Das ist das Wohnzimmer der Familie K. Es ist das kleinste Zimmer der Drei-Raum-Wohnung. Die beiden anderen müssen sich je zwei Personen teilen. „Dort ist es wichtiger, ein bisschen mehr Platz zu haben“, meint Karla K.

So richtig rund lief wenig im Leben von Karla K.. Irgendwie klappte es für sie nie so richtig, Fuß zu fassen. Als Kind wuchs sie auf einem Bauernhof auf. „Der Bauernhof fehlt mir bis heute. Wir hatten so viele Tiere. Es war eine schöne Kindheit“, sagt sie. Dann kam die Scheidung der Eltern. Eine Ausbildung absolvierte sie nach der Schule als Hauswirtschafterin. Sie heiratete jung, die eigene Ehe verlief nicht glücklich.

Und beruflich gab es keine großen Sprünge. Karla K. hat sich an das Bescheidensein gewöhnt. Besser sie kennt es nicht anders. Fast zehn Jahre ist es her, da ging es nach Tunesien in den Urlaub. Sonnetanken im Sparangebot, drei Sterne: „Wir hatten ewig darauf gespart, und dann wurden wir vor Ort alle krank“, schüttelt sie traurig den Kopf. So richtig schöne Lebenserinnerungen habe sie keine, meint sie. Und korrigiert sich schnell. „Außer natürlich, als ich meine beiden Kinder nach der Geburt zum ersten Mal hielt. Das war einfach nur wundervoll“, sagt sie.

Heute gehören zwei Haustiere zu den zwei Bedarfsgemeinschaften, die sich exakt 73 Quadratmeter Wohnfläche teilen. Eine ist die 48-Jährige mit ihrer achtjährigen Tochter, die andere besteht aus der 20-jährigen Tochter und ihrem Lebenspartner. Dazu der Hase und der Chihuahua Milo. „Leider ist meine Tochter chronisch erkrankt. Ihr geht es wirklich nicht gut. Mit einem Berufseinstieg geht es nur langsam“, sagt die Mutter leise.

„Ich hoffe, es reicht nächstes Jahr für einen schönen Ausflug, vielleicht sogar ein bisschen mehr.“
Karla K. über ihr Urlaubssparschwein

Irgendwie brachte Karla K. ihre Familie immer so über die Runden. „Arbeiten ist mir wichtig“, sagt sie. Zuletzt hatte sie einen Job und putzte Ferienwohnungen: „Das hat mir gefallen. Schön zu sehen, wenn dann alles picobello ist.“ Dann kam Corona. Beim ersten Lockdown waren sämtliche Ferienwohnungen geschlossen. Der Job gab ihr Halt, plötzlich war er wie aus heiterem Himmel weg. Dafür begannen in der Lockdown-Enge die gesundheitlichen Probleme zuzunehmen. Schwere Bronchitis, Spasmen, Depressionen. „Mir fehlt einfach immer mehr die Kraft, ich wünschte, es wäre anders“, seufzt die 48-Jährige.

Ihre Mutter und ihr Stiefvater brauchen ebenfalls Unterstützung. Einkaufen, Haushalt und Fahrten mit ihrem 13 Jahre alten Kleinwagen zu Arztterminen gehören dazu. „Das Auto ist schon eine ganz schöne finanzielle Belastung. Aber ich brauche es, auch für meine Eltern. Und für Arzttermine meiner Tochter und meine eignen“, erklärt sie. Aber die Angst vor der nächsten Reparatur bleibt. „Das Auto ist schon alt, ich versuche, so wenig wie möglich damit zu fahren. Dann muss es nicht so schnell in die Werkstatt“, sagt sie.

Karla K. kommt mit ihrem Geld gerade so über die Runden. Ungeplante größere Kosten, die kann sie nur schwer stemmen. So, als in diesem Jahr die alte Waschmaschine den Geist aufgab.

„Das war wirklich ein absolute Katastrophe für uns. Für vier Menschen ist eine Waschmaschine wirklich kein Luxus. Manchmal wasche ich auch etwas für die Eltern mit.

Eine Reparatur lohnte nicht mehr

Aber unser Geld reichte einfach für eine Neuanschaffung nicht aus. Und eine Reparatur war für das alte Gerät nicht mehr sinnvoll. Ich bin wirklich sehr dankbar, dass wir da eine Unterstützung bekommen haben“, erzählt Karla K. Gisele Berner von der Beratungsstelle der Diakonie reichte bei der OT-Leseraktion „Helfen macht Spaß“ einen Antrag auf Anschaffung einer neuen Waschmaschine ein. „Die Waschmaschine war auch gerade wegen des Gesundheitszustands von Karla K. wirklich notwendig. Unser Antrag wurde dann schnell genehmigt, und wir konnten das Gerät gleich besorgen“, sagt die Sozialarbeiterin.

„Für vier Menschen ist eine Waschmaschine wirklich kein Luxus. Manchmal wasche ich auch etwas für die Eltern mit. Ich bin wirklich sehr

dankbar, dass wir da eine Unterstützung bekommen haben.“

Karla K. über die HMS-Hilfe

Vielleicht klappt es dann doch mit dem Projekt „Urlaubssparschwein“. Das füttert die Familie mit jedem Euro, der übrig bleibt. „Ich hoffe, es reicht nächstes Jahr für einen schönen Ausflug, vielleicht sogar ein bisschen mehr“, sagt Karla K. Wenn da nicht eine Autoreparatur dazwischen kommt ...

Für Spenden

In Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden unterstützt die OT-Leseraktion „Helfen macht Spaß“ Bedürftige am Obermain. Eine über 20-jährige Tradition hat der HMS-Weihnachtsaufruf. Wie gewohnt werden dabei der Namen der Spendenden und die Höhe der Spende (ab zehn Euro) genannt. Spenderinnen und Spender, die dies nicht wollen, bitten wir, bei der Überweisung neben dem Stichwort „Helfen macht Spaß“ zusätzlich „Anonym“ zu vermerken. Wer für die Sonderaktion „Ukraine“, sie unterstützt Rentner in Not in Lwiw, spenden will, bitte Verwendungszweck „HMS-Ukraine“verwenden. Herzlichen Dank.

Spenden: BRK-Kreisverband Lichtenfels, IBAN: DE 26 7835 0000 0000 0388 85, Sparkasse Coburg-Lichtenfels,

Verwendungszweck: „Helfen macht Spaß“.

Die Familie von Karla K. erhielt eine Waschmaschine von „Helfen macht Spaß“. Foto: Till Mayer

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