MICHELAU

Wie eine Sozialpädagogin zu Zeiten von Corona hilft

Sozialpädagogin Gisela Berner arbeitet in der Kirchlich Allgemeinen Sozialarbeit in Michelau. Auch für die Lichtenfelser Tafel (Foto) ist sie mit zuständig. Foto: Till Mayer

Einige Berufsgruppen haben in der Corona-Krise besondere Herausforderungen zu stemmen. Die Sozialpädagogin Gisela Berner gehört dazu. Sie freut sich auf den Tag, an dem sie wieder ihre Beratungen von Angesicht zu Angesicht geben kann.

„Mein Name ist Gisela Berner und ich arbeite in der Kirchlich Allgemeinen Sozialarbeit (kurz Kasa) in Michelau unter der Trägerschaft des Diakonischen Werkes Kronach/Ludwigstadt-Michelau. Die Kasa ist Sozialarbeit im Auftrag der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und wird aus kirchlichen Mitteln finanziert.

Eine wichtige erste Anlaufstelle

Die Kasa ist erste Anlaufstelle für alle sozialen Fragen, unabhängig von Alter, Religion, Geschlecht und Nationalität und steht allen offen. Meine Aufgabe ist es die Menschen in sozialen Notlagen und ihrer Bewältigung zu unterstützen.

Normalerweise, wenn jemand Hilfe benötigt, nimmt er telefonisch Kontakt zu mir auf oder schreibt eine E-Mail oder klingelt an der Haustür. Die Tafelkunden in der Tafel Lichtenfels plus, haben noch die Möglichkeit mich am Mittwoch bei der Tafelausgabe anzusprechen. Der nächste Schritt ist dann meistens einen persönlichen Termin auszumachen, um persönliche Daten und Informationen auszutauschen, um einen gemeinsamen Weg zu finden, wie das bestehende Problem angegangen werden kann. Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig, weil dadurch viele Ängste sich einem zunächst fremden Menschen zu öffnen abgebaut werden können.

„Wenn ich mit jemanden ein Gespräch führe sehen wir unsere Gesichter, ein Lächeln, Traurigkeit, Lachen, ...und so entsteht eine Beziehung in der mein Gegenüber auch Dinge erzählt, die im Telefonat nicht erkennbar wären

oder waren.

Gisela Berner, Sozialpädagogin

Das fremde Gegenüber wird zu einer Person, die ich kennenlerne und vielleicht vertrauen aufbauen kann, um noch mehr von sich zu erzählen. Viele Beratungsthemen verschmelzen ineinander und sind schwer voneinander abzugrenzen. Wenn ich mit jemanden ein Gespräch führe sehen wir unsere Gesichter, ein Lächeln, Traurigkeit, Lachen, …….und so entsteht eine Beziehung in der mein Gegenüber auch Dinge erzählt, die im Telefonat nicht erkennbar wären oder waren.

Die Tafel in Lichtenfels ist derzeit wegen der Coronakrise geschlossen. An der Tür der Beratungsstelle hängt jetzt ein Schild. Hier wird darauf hingewiesen, dass die Beratungsstelle aufgrund der möglichen Ausbreitung des Coronavirus zunächst bis 3. Mai 2020 nur telefonisch erreichbar ist. Die Schließung erfolgt aufgrund der Fürsorgepflicht gegenüber unseren Besuchern.

Zahlreiche Herausforderungen müssen gelöst werden

Kein persönlicher Kontakt möglich – Das ist sowohl für die Menschen, die zu mir kommen, aber auch für mich sehr schwierig. Die Menschen, die sich an mich wenden, persönlich vor sich zu haben, ihre Gesichter vor sich zu sehen macht die Beratung erst aus. Und das kann auch kein Telefonat oder E-mail Kontakt ersetzen.

Kein Kontakt zu den Tafelkunden

Hier höre ich immer wieder von meinen Klienten: „Hoffentlich können wir uns bald wieder sehen“. Auch der Kontakt zu den Tafelkunden am Mittwoch findet nicht statt, da die Tafel geschlossen hat. Erschwerend kommt hinzu, dass die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen natürlich auch eingeschränkt ist, da sie ja mit ähnlichen Sicherheitsmaßnahmen arbeiten müssen.

Und auch wenn die Maßnahmen gelockert werden, wird es vermutlich noch einige Zeit mit Sicherheitsvorgaben gehen müssen. Diese umzusetzen, wird viel Ideenreichtum fordern.

Deshalb ist es wichtig, dass wir allen mit Freundlichkeit, Mitgefühl und Respekt begegnen. Jeder ist relevant für unser System, unser gemeinsames Zusammenleben. Jeder hat seine Aufgabe, die gerade jetzt schwer erscheint, egal ob jemand sich zu Hause um seine Familie kümmert, im Home Office oder an seinen Arbeitsplatz gestellt ist, mit weniger Geld auskommen muss, weil er nicht arbeiten kann oder alleine auf sich gestellt ist, weil er sich an die Kontaktsperre hält.

Gespannt auf neue Gesichter

Ein Spruch, der mich schon sehr lange begleitet lautet: Wenn Gott eine Tür zuschlägt, öffnet er ein Fenster. Und so glaube ich fest daran, dass ich die Menschen, die mich schon kennen, bald wieder bei mir in der Beratung sehe, diejenigen die ich bisher nur vom Telefon oder per E-mail kenne, persönlich treffen werde, aber auch vielen neuen Gesichtern begegne, von denen ich bisher noch gar nichts weiß.

Und bis dahin bin ich weiterhin telefonisch und per e-mail in meinem Büro in Michelau erreichbar.“

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