LICHTENFELS

Wetterregeln: Septemberregen kommt Saat gelegen

Früher gingen die Ährenleserinnen über die abgeernteten Felder, um sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Das zeigt das Motiv dieser alten Postkarte vor 100 Jahren. Repro Andreas Motschmann Foto: Andreas Motschmann

Wieder hatten wir einen heißen Sommer. Mehr Regen als der, den wir hatten, wird von allen ersehnt; die Natur braucht dringend und langfristig das Nass. Der bayerische Bauernverband meldet in diesem Jahr extreme Trockenschäden in der Landwirtschaft. Wenn wir dem Hundertjährigen Kalender glauben, erwartet uns im September wechselhaftes Spätsommerwetter mit mehr Regen. Fest-Veranstalter werden über diese Prognose nicht froh sein, wohl aber die Bauern. Schon vor Generationen freute sich der Bauer über Regentage im September: „Septemberregen kommt der Saat gelegen.“

Der Hundertjährige Kalender von Abt Knauer sagt für die ersten zehn Tage regnerisches Wetter voraus. Wird der folgende Lostagspruch in Erfüllung gehen? „Gib auf Ägidi-Tag (1.) wohl acht, der sagt dir, was der Monat macht.“ So können die Schwalben zum Abflug kein schönes Wetter erwarten. Einer der bekanntesten Sprüche wird mit dem Lostag am 8. September in Verbindung gebracht: „Um Maria Geburt ziehen die Schwalben furt“ und andere fügen hinzu: „bleiben sie noch da, ist der Winter nicht nah.“

„Mariä Geburt“ wurde vor 110 Jahren im Jahr 1912 zum letzten Mal als offizieller Feiertag in Bayern begangen. An den nächsten vier Tagen dürfen wir auf schönes Wetter hoffen. Vom 15. bis 17. September soll es wieder regnen. Im Anschluss daran prophezeit der Hundertjährige Kalender bis zum 26. September angenehm sonniges Wetter. Der Lichtenfelser Korbmarkt könnte somit vom 16. bis 18. September wettermäßig zumindest am letzten Tag angenehm werden. Am 23. September ist Herbstanfang, kaum jemand nimmt im hektischen Alltag davon Kenntnis. In Kindergärten und Grundschulen allerdings beschäftigen sich die Kinder mit Liedern, Gedichten und Bastelarbeiten mit der Herbstzeit: Bunte Blätter, Kastanien und Eicheln werden gesammelt.

Wetterpatron Sankt Michael wichtig im bäuerlichen Kalender

Leider schließt der Monat mit vier Regentagen. Ob der Oktober regnerisch bleibt? Ginge es nach dem Wetterspruch zum Michaelstag, können wir uns nicht freuen: „Kommt St. Michael heiter und schön, kann es noch vier Wochen so gehen.“

Michaels Gedenktag am 29. September geht bis ins 5. Jahrhundert zurück. Dieser wichtige Tag im bäuerlichen Kalender gilt als wetterbestimmend und als Lostag. Als Wetterpatron schützt er vor Blitz und Unwetter. Im Blick auf das Wetter glaubte der Bauer, Michaelis könnte ihm für den Herbst und Winter gute Auskünfte geben. So heißen zwei Regeln: „Wenn Michael der Wind von Nord und Ost weht, ein kalter Winter zu erwarten steht“ und „Wenn die Vögel vor St. Michael nicht gezogen sind, so wird der Winter vor Weihnachten gelind.“

Dieser Tag gilt als Zins- und Pachttag; bis heute zahlt der Landwirt seine Jahrespacht um diesen Tag. Das Wirtschaftsjahr wird immer vom 1. Oktober bis zum 30. September berechnet.

Die Getreideernte ist beendet; die Älteren erinnern sich daran, dass früher die Felder noch nicht im September umgepflügt wurden. Die Ährenleserinnen gingen über die abgeernteten Felder, um sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Vor über 100 Jahren ging in der Zeit des 1. Weltkrieges mancher Dorfschullehrer mit seinen Schulkindern über die Felder. Statt Rechnen, Schreiben und Lesen stand das Suchen der Ähren auf dem Stundenplan.

Kommt ein typischer Altweibersommer?

Viele Leute entnehmen dem Hundertjährigen Kalender langfristige Wettervorhersagen. Manche Witterungsprognosen wiederholen sich in der Tat zu einem hohen Prozentanteil. So bildet sich im ersten Drittel des Monats September in 75 Prozent der Jahre eine frühherbstliche Schönwetterlage aus. Im letzten Drittel kommt oft eine allgemeine Schönwetterlage mit Frühnebel, warmen Tagen und kühlen Nächten hinzu: die typische Altweibersommerzeit, meistens verbunden mit einer zuverlässigen, ruhigen warmen Schönwetterphase in der Zeit vom 23. September bis zur ersten

Oktoberdekade. Gab es im September keine Auffälligkeiten und war es gegen Ende des Monats für die Jahreszeit zu warm, wird auch die Folgezeit zu 70 Prozent verhältnismäßig warm sein.

Giftige Herbstzeitlosen überziehen die Wiesen

Die heißen Sommer lassen nicht nur das Obst und weitere Früchte früher reifen, auch Blumen blühen früher. Das gilt im September für die Herbstzeitlose, welche auf meist ungedüngten Wiesen zu sehen ist. Die Herbstzeitlose wird als Winter-Ankünderin gesehen. Diese mehrjährige Pflanze überwintert als Zwiebel tief im Boden. Bauern sehen diese Blumen gar nicht gern in ihren Wiesen blühen. Denn die Blätter und Fruchtkapsel sind für den Menschen und für viele Tiere giftig. In der Homöopathie und in der klassischen Medizin dagegen wird die Herbstzeitlose als stark wirkendes Heilmittel verwendet. So hilft sie bei Gichtanfällen.

September

Örbflfeue und Maanäibl

gäim sich ananne die Hend.

A weng bobben dun die Wiesn

scho in ihra lumbing Glaadla.

Däre scheinheiling Härbsdzeidluesn

ho igs obe ogsähn,

daßa nümme o die Sunna glabd.

Josef Motschmann

September-Gedicht

Giftige Herbstzeitlosen

überziehen die Wiesen

September

Örbflfeue und Maanäibl

gäim sich ananne die Hend.

A weng bobben dun die Wiesn

scho in ihra lumbing Glaadla.

Däre scheinheiling Härbsdzeidluesn

ho igs obe ogsähn,

daßa nümme o die Sunna glabd.

Josef Motschmann

Schlagworte