LICHTENFELS

Helfen macht Spaß: Start der Weihnachtsaktion

Heinz Ultsch bekommt von „Weidengarten“-Mitarbeiterin Petra Göhring das erste HMS-Weihnachtspaket. Auch einen Kasten Bier seiner Lieblingsbrauerei gibt es. Foto: Till Mayer

Heinz Ultsch blickt ein wenig verlegen, als er sein „Helfen-macht-Spaß“-Weihnachtspaket erhält. Ein Körbchen voll mit Süßigkeiten, eine Jogginghose, ein Gutschein für den Friseur, und dann steht da noch ein grüner Bierkasten seiner heimischen Lieblingsbrauerei neben seinem Sessel.

Erinnerung an stolze Tage: Heinz Ultsch war einst Schützenkönig. Foto: Till Mayer

„Das hätte es doch gar nicht gebraucht“, sagt der 85-Jährige, als er erfährt, dass das erste HMS-Paket der Weihnachtsaktion unserer Leseraktion an ihn geht. „Aber auf alle Fälle: herzlichen Dank“, freut er sich. Und auch darüber, dass noch ein Geschenk nachgereicht wird. Die diesjährige HMS-Weihnachts-CD, die der gebürtige Tenor Malte Müller mit Musikern aus dem Landkreis für die OT-Leseraktion aufgenommen hat.

Das freut Heinz Ultsch ganz besonders, denn, das wird im Gespräch mit ihm schnell klar, der Gesang hat sein Leben geprägt. „Meine Stimme war schon etwas Besonderes“, berichtet er. Viele Jahre hatte er in seiner Jugend davon geträumt, eine professionelle Stimmausbildung zu bekommen. „Opernsänger zu sein, das war schon ein Traum für mich“, seufzt der Senior.

Er bekommt keine Chance. Der Vater und sein Onkel kehren nicht aus dem Krieg zurück. Und so fordert die Mutter, dass er den Hof in Krappenroth übernimmt. Das bedeutet harte Arbeit von Kindesbeinen an. Später verwandelt der Jungbauer seine Landwirtschaft in eine Hühnerfarm mit 2000 Stück Federvieh. Eine Landwirtschaft zu betreiben fordert Kraft. Am Ende eines langen Berufslebens ist trotzdem, wie bei so vielen Bäuerinnen und Bauern, nur eine schmale Rente der Lohn. Darum steht Heinz Ultsch auch auf der Adressatenliste der HMS-Geschenke.

„Ich hab' immer gesungen. Wenn ich am Morgen

aufgestanden bin und beim Vieh im Stall stand. Aus voller Kehle, mit voller Stimme.“

Heinz Ultsch, 85 Jahre

Sein Herz gehört der Musik. „Ich hab' immer gesungen. Wenn ich am Morgen aufgestanden bin und beim Vieh im Stall stand. Ich hab' gesungen. Aus voller Kehle, mit voller Stimme“, lacht Heinz Ultsch. Die Mutter sollte das ruhig hören. All die Jahrzehnte später ist der ehemalige Landwirt noch immer ein wenig traurig, dass ihn seine Mutter damals nicht förderte. „Nicht nur mein Lehrer hat mir mein Sängertalent bestätigt. Aber was sollte ich machen, es war nach dem Krieg“, meint der 85-Jährige. So tritt er den Michelauer und Neuenseer Sängern bei. „Im Chor zu singen, das ist etwas wunderschönes“ erklärt der Senior.

Ein Sangesbruder hatte damals, in den 1950-er Jahren, schon ein Auto. „Und er hat mich mitgenommen zum Coburger Landestheater, nach Bayreuth und Meiningen. 100 Opern und Operetten konnte ich so sehen und hören“, erzählt der alte Herr nicht ohne Stolz. An die „Verkaufte Braut“, sie wurde in Meiningen gegeben, kann er sich am besten erinnern. „Der Sänger war ein richtiger Artist, schlüpfte auf der Bühne in das Kostüm eines Tanzbären. Was für eine Herausforderung“, sagt der 85-Jährige und in seiner Stimme schwingt Bewunderung mit.

In den 1970-er Jahren wurde er in Michelau sogar Schützenmeister. Davon erzählt ein Portrait in seinem Zimmer im BRK-Wohn- und Pflegeheim „Weidengarten“. Auf einem anderen Schwarz-Weiß-Foto sind seine vier Kinder zu sehen. Mittlerweile ist er sogar achtfacher Opa. Als der Blick auf das Schützenkönigsbild fällt, erzählt er noch eine kleine Anekdote. „Als ich Schützenkönig in Lichtenfels wurde, sind wir abends noch zu den Sängern nach Roth. Dort wurde auch gefeiert. Und einer hat mich zum Wettsingen herausgefordert.“ So wie der 85-Jährige strahlt, ist es klar, wie die Sache damals ausging. So helfen seine Sängererinnerungen, wenn es ihm einmal mal ein wenig zu leise und einsam in seinem Zimmer ist.

 

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