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Weinanbau am Obermain: Als der Löwenthaler mundete

Weinanbau am Obermain: Als der Löwenthaler mundete
Alanus Bittermann hat um 1800 eine Ansicht des Klosters Langheim festgehalten. Deutlich sind in der oberen rechten Ecke die terrassierten Flächen zu erkennen. Heute an der Straße nach Roth gelegen, diente der „Swinsberg“ den Langheimer Mönchen einst zum Weinanbau. Foto: red

„Bald hebt sich auch das Herbsten an, / die Kelter harrt des Weines; / der Winzer Schutzherr Kilian / beschert uns etwas Feines“: So dichtete einst von Scheffel in seinem berühmten Frankenlied. Freilich war er in der Heiligenverehrung nicht sonderlich bewandert: Der Patron der Winzer ist nämlich nicht der Frankenheilige Kilian, sondern der heilige Urban.

Doch Franken ist schon seit alter Zeit mit dem Weinanbau verbunden. Noch heute gibt es in Unterfranken zahlreiche Weinberge, die von dieser Tradition zeugen. Auch die Gegend am Obermain war einstmals ein reiches Weinanbaugebiet und für seine feinen Tröpfchen durchaus berühmt.

Alte Verse erzählen vom Weinanbau

Schon aus dem 16. Jahrhundert ist ein Vers überliefert, der einen kleinen Einblick in den Weinanbau am Obermain gibt: „Der Wein ist sauer / den trinkt der Bauer; / das Bier ist bitter, / das trinken die Ritter“. Der Klosterhistoriker Kaspar Brusch (1518-1557), der aus Schlaggenwald bei Eger stammte, nannte Langheim das „großartigste und gastfreundlichste unter allen Klöstern“, die er je gesehen hatte. Der umherziehende Humanist fand in Langheim eine gute Aufnahme und man darf annehmen, dass ihm auch der Wein aus dem Klosterkeller aufgetischt wurde.

Auch Joseph Victor von Scheffel, der allerdings erst Jahre nach der Säkularisation nach Langheim kam und die Klostergebäude in verfallenem Zustand vorfand, reimte: „Wer gern im Kloster in sich geht, / der darf zu Langheim gasten, / allwo der Pilgrim froh besteht, / und müsst er ewig fasten. / Der Cellerarius Adelhun / füllt jedem gern sein Kännlein / und spricht: ,Ihr müsst nicht ängstlich tun, / es beißt euch nicht, ihr Männlein.‘“

Woher aber stammte der Wein, der im Kloster ausgeschenkt wurde? War es ein Erzeugnis aus der Gegend am Obermain oder wurde er aus anderen Regionen importiert? Aus den Urkunden und Urbaren des Klosters ist zu entnehmen, dass Langheim eine Reihe von Weinbergen besaß: So unter anderem in Döringstadt, bei Burkheim, Pfaffendorf, Wolfsloch, Frauendorf und auch in der unmittelbaren Gegend des Klosters, an der heutigen Straße nach Roth.

Lob für die gute Qualität

Dass der Wein vom Obermain nicht unbedingt der Schlechteste war, gibt schon ein Zeugnis aus dem Jahr 1246 wieder: Ein gewisser Heidenricus de Ruwendorf, der dem Langheimer Kloster Güter schenkte, stellte den Wein aus Döringstadt auf eine Stufe mit dem unterfränkischen Wein.

Wie andere Klöster und Stifte auch, besaßen auch die Langheimer Mönche Weingärten im unterfränkischen Anbaugebiet. Schon 1206 erhielt Langheim Weinberge in Wülflingen, es folgten weitere in Thüngersheim, Gerolzhofen, Würzburg und Erlabrunn. Für die oberfränkischen Untertanen Langheims war das allerdings eine schwere Belastung, da sie zu besonderen Fronleistungen verpflichtet waren.

Im Umkreis des Bauernkrieges gab es zum Beispiel in den Jahren 1492 und 1521 schwere Auseinandersetzungen mit den Islinger Bürgern.

In späteren Jahren hat sich Langheim mehr und mehr dem Hopfenanbau und dem Bierbrauen zugewandt. Joachim Heinrich Jäck, der selbst einmal Mitglied des Langheimer Konvents war, berichtet, dass zu seiner Zeit jeder Geistliche täglich eine bayerische Maß Wein und 2,5 Maß Bier erhielt. Vor 1796 habe der Weinbedarf des Klosters 44 bis 50 Fuder betragen, in den wenigen Jahren danach war er auf 24 bis 26 Fuder gesunken.

Jäck erzählt: „Der gewöhnliche Tischwein war immer als Most gekauft und sieben Jahre gezogen worden, ehe er aufgesetzt werden durfte.“ Von einem eigenen Weingarten berichtet Jäck nichts mehr. Zur Zeit der Säkularisation hat Langheim in Oberfranken wohl keinen Weinberg mehr besessen.

Wenden wir uns nun einem anderen Weinanbaugebiet am Obermain zu, dem Staffelberg. Wahrscheinlich ist die Einführung des Weinanbaus am Staffelberg dem Bamberger Domkapitel zu verdanken, das schon immer großes Interesse an der Gegend um Staffelstein hegte. Vielleicht waren auch die Banzer Mönche am Weinanbau am Staffelberg nicht unbeteiligt. Sicher ist das nicht, denn die Banzer besaßen in Weingarten und unterhalb des Klosters selbst reiche Weinberge.

Umtriebiger Weinanbau rund um Loffeld

Eine Übersicht über die Weinberge des Staffelbergs bietet ein Urbar aus dem Jahr 1721: Eine nicht unbedeutende Zahl an Grundstücken wurde noch zu dieser Zeit als ehemaliger Weinberg bezeichnet; hinzu kommen Flurlagen in der Gegend um Loffeld.

Am besten hielt sich der Weinanbau in der Horsdorfer Umgebung. Noch 1721 war ein großer Teil der Anbaufläche mit Reben bepflanzt. Der Süd-Südwest-Abhang des Staffelberges erwies sich anscheinend als besonders günstig für die Rebenkultur. In einem breiten Gürtel zogen sich die Weinberge auf dem Jura-Gestein hin.

Noch Ende des 18. Jahrhunderts besaß der Horsdorfer Wein einen guten Ruf. So schreibt der „Fränkische Merkur“ 1798: „Im Umfang des Amts Staffelstein wird weißer und rother Wein angebaut; letzterer, der in der dortigen Sprache Löwenthaler heißt, ist sehr gesucht und noch als Most kaufte man im Jahre 1797 den Eimer um 12, auch um 15 fränkische Gulden“.

Auch Johann Baptist Roppelt (1744-1814) rühmt den Wein, wenn er festhält: „Der Horschdorfer rothe Wein bey Staffelstein, welcher in der dortigen Sprache Löwenthaler heißt, ist sehr berühmt und wird manchmal nach einer künstlichen Zubereitung für ächten Burgunder gehalten.“ Und weiter: „Man bauet in der Gegend vom Staffelberg rothen und weißen Wein, wovon die rothe Gattung (…) sehr gesucht und theuer verkauft wird.“

Im 19. Jahrhundert nimmt Weinanbau ab

Im 19. Jahrhundert hat auch hier der Weinanbau immer weiter abgenommen. Noch 1870 bildeten die Häcker eine eigene Zunft und trugen zum Beispiel bei der Fronleichnamsprozession in Staffelstein ihre Zunftfahne. Eine Figur des heiligen Urban, der als Patron der Weinbauern verehrt wird, befindet sich bis heute in der Pfarrkirche in Staffelstein und weist auf den Weinbau in dieser Gegend hin.

Weinanbau am Obermain: Als der Löwenthaler mundete
Der Weinanbau am Obermain hat eine lange Tradition. Heute findet man nur noch vereinzelte Weinstöcke, wie in Horsdorf, D... Foto: Fabian Brand

Nach 1900 gab es noch vier Weinberge am Staffelberg und im Winter 1927/28 wurde der letzte Weingarten am Obermain aufgegeben. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zwar drei Weinberge wieder aufgenommen, doch hat bis heute nur einer Bestand: Die Tradition des Weinanbaus wird in Horsdorf noch heute von Jürgen Schneidawind aufrechterhalten. Damit ist jedenfalls die allzu düstere Vision widerlegt, die Ferdinand Geldner im Jahre 1938 äußerte: „Es ist völlig unwahrscheinlich, dass der Weinbau hier in absehbarer Zeit wieder aufleben wird.“

Heute noch Weinanbau in Horsdorf

Freilich wird damit nicht die lebendige Winzertradition früherer Jahrhunderte erreicht, aber der Horsdorfer Weinberg weist bis heute darauf hin, dass die Gegend am Obermain in früheren Zeiten ein beliebtes Weinanbaugebiet war.

 

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