LICHTENFELS

Wegen Körperverletzung vor dem Lichtenfelser Amtsgericht

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Hatte ein 19-Jähriger aus dem südlichen Landkreis mit einem Schlagring zugeschlagen? Rührte die Schädelprellung eines 44-jährigen Lichtenfelsers daher? Fragen über Fragen, die bei dem jüngsten Verfahren um Körperverletzung am Amtsgericht geklärt werden mussten.

Im Grunde ist der junge Mann wohl schon mit Rage im Gepäck nach Lichtenfels angereist. Es war der 24. Oktober 2020, und gegen 16.15 Uhr schlug er zu: hinterm Media Markt und dort, wo zumeist junge Leute gesellig sind. Der Täter selbst hatte 1,28 Promille, und der Mann, dem er mit Faustschlägen ins Gesicht zusetzte, hatte mit 1,5 Promille sogar noch mehr Alkohol im Blut. Doch was war der Grund für all den Zorn?

Den Zorn an einem unbeteiligten Kumpel ausgelassen

„An diesem Tag war ich in Bad Staffelstein bei einem Kollegen“, begann der junge Angeklagte mit seinen Ausführungen. Dabei sei man auf einen anderen Mann zu sprechen gekommen, von dem es hieß, er habe etwas gegen den 19-Jährigen. Den habe er darum angerufen und bekam so zu hören, dass der andere wirklich nicht viel von ihm halte. Was er aber auch gewusst habe, war, dass der Angerufene an diesem Ort am Fachmarktzentrum sein könnte, und so fuhr der Jugendliche, der für eine Spedition arbeitete, dorthin, um den anderen „zur Rede zu stellen“. Wen er statt des Angerufenen aber traf, war einer seiner Kumpels.

Ab jetzt wurde die Schilderung des Tathergangs gegenüber Staatsanwältin Anna Saam und Richter Matthias Huber schwer rekonstruierbar. Ein Grund dafür war, dass auch das Opfer sich nicht mehr genau an den Hergang erinnern konnte. Im Zeugenstand versicherte der 44-jährige Lichtenfelser zwar, dass es „eine Meinungsverschiedenheit“ gegeben habe, doch woran entzündete sie sich? „Ich weiß es nicht mehr ganz genau, es gab ein Gerangel, ein Geschubse“, brachte der Zeuge hervor.

War es nun ein Schlagring – oder ein Fahrradkettenschloss?

Staatsanwältin Saam suchte den Mann zu befragen, was er an Schlägen einzustecken hatte, und dieser antwortete, dass er gar nicht geschlagen worden sei. „Dann wären Sie ja heute nicht hier“, entgegnete die Staatsanwältin darauf.

Tatsache war nämlich auch, dass es Zeugen für den Vorfall gab. Einer von ihnen, ein 17-jähriger Schüler, der in dem Opfer einen „Obdachlosen“ erkannt haben wollte, sprach sogar davon, dass der Angeklagte einen Schlagring gezückt und benutzt habe. Nach abermaligem Nachfragen zeigte sich der Zeuge bezüglich des Schlagrings aber nicht mehr so überzeugt und meinte, dass sich der Täter auch ein Fahrradkettenschloss um die Faust gewickelt haben könnte.

Der Geschädigte musste zur Vernehmung vorgeladen werden

Auch ein Polizeibeamter sollte in den Zeugenstand gerufen werden. Was dieser zu dem Vorfall in Erinnerung hatte, verblüffte allerdings auch. „Der Geschädigte und der Angeklagte waren bei der Polizei unkooperativ.“ Tatsächlich erschien der Geschädigte gar nicht zu seiner Opfervernehmung und musste streng vorgeladen werden. Dann aber sprach er gar davon, sogar von zwei Personen geschlagen worden zu sein. Ein Umstand, der keinem Zeugen erinnerlich war.

Der Polizeibeamte ging auch auf die Sache mit dem Schlagring ein und darauf, dass der Angeklagte den Besitz eines solchen bestritt. Man habe einen solchen Ring auch nicht gefunden, obgleich man den Fluchtweg des 19-Jährigen nach dieser Waffe abgesucht habe. Der Schlagring war also nicht beweisbar, und das Opfer hatte keinerlei Belastungseifer.

Angeklagter scheint einen soliden Weg einzuschlagen

Der Tatvorwurf selbst stand fest, doch wie war er in das Leben des Angeklagten einzuordnen? Wie ein Jugendgerichtshilfebericht festhielt, absolvierte der junge Mann die Realschule mit ganz guten Noten und trat strafrechtlich noch nie in Erscheinung. Außerdem hat er jüngst einen Ausbildungsvertrag unterschrieben und scheint einen soliden Weg einzuschlagen.

„Mit einem Freispruch werden Sie hier nicht rechnen müssen“, erklärte Richter Huber dem Teenager die Gesamtlage. Und er setzte nach: „Selbst wenn Sie in Notwehr gehandelt hätten, haben Sie ja nicht aufgehört (mit den Schlägen), als die Situation vorüber war.“ Huber schlug eine Geldstrafe in Höhe von 450 Euro vor. Diese wurde nach kurzer Beratung zwischen dem Angeklagten und seiner Verteidigerin Regina Taubert akzeptiert.

Schlagworte