LICHTENFELS

Was steht im Klimaschutzkonzept eigentlich drin?

Solarenergie – hier eine Freiflächenanlage im Landkreis Lichtenfels, im Hintergrund ist Herreth zu sehen – spielt eine entscheidende Rolle im Integrierten Klimaschutzkonzept des Landkreises und seiner elf Städte und Gemeinden aus dem Jahr 2013.Archivfoto: Markus Drossel

Im Frühsommer 2012, also vor ziemlich genau zehn Jahren, haben Mitarbeitende des Landratsamtes, seiner elf Kommunen, eines Beratungsbüros sowie Bürgerinnen und Bürger in zahlreichen Besprechungen, Sitzungen einer Steuerungsgruppe und drei Klima-Foren ein „Integriertes Klimaschutzkonzept für den Landkreis Lichtenfels und seine elf Städte, Märkte und Gemeinden“ erarbeitet.

„Die Beteiligung wichtiger Akteure und Entscheider sowie der Bürgerinnen und Bürger an der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur Energiewende sind die Voraussetzung für deren Akzeptanz und damit deren Erfolg. Dies gilt vor allem dann, wenn konkrete Projekte umgesetzt werden sollen“, heißt es auf Seite 41 der Kurzfassung des Konzepts.

Das Konzept hat gut 86.000 Euro gekostet

Nach den Beratungen folgten unter anderem zwei Bürgermeisterdienstbesprechungen im November 2012 und April 2013. Vorgestellt wurde das Klimaschutzkonzept dann laut Landratsamt am 13. Mai 2014 bei einer weiteren Zusammenkunft von Landrat und den Bürgermeistern. Gekostet hat die Ausarbeitung etwas über 86.000 Euro, wovon knapp 56.000 Euro vom Bund bezahlt wurden und gut 30.000 Euro vom Landkreis selbst.

Im Konzept werden die Bedeutung des Klimaschutzes, des Energiesparens und der Ausbau der erneuerbaren Energie untersucht. Bereits damals wurde auf die steigenden Kosten für fossile Energieträger hingewiesen, auch wenn die aktuelle Preisexplosion aufgrund des Krieges in der Ukraine nicht zu erahnen war. Nichtsdestotrotz wurde erstaunlich weitsichtig 2013 geschrieben, dass sich nicht nur die Frage stelle, „Können wir uns die Energiewende oder den Klimaschutz leisten?“, sondern es vielmehr lauten müsse: „Können wir es uns leisten, so weiter zu machen?“

Weiter heißt es: „Ein integriertes Klimaschutzkonzept soll eine strategische Entscheidungsgrundlage und Planungshilfe für zukünftige Klimaschutzanstrengungen, insbesondere für Maßnahmen der nächsten zehn bis 15 Jahre sein. Es zeigt Entscheidungsträgern und interessierten Bürgern, welche Möglichkeiten zum Klimaschutz und welche technischen und wirtschaftlichen Potenziale zur Energieeinsparung, zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Erzeugung erneuerbarer Energie in der Region bestehen.“

Es solle daher nicht nur die kommunalen Liegenschaften umfassen, sondern alle klimarelevanten Bereiche. Bei Kommunen oder Landkreisen seien das in der Regel „mindestens die eigenen Liegenschaften, die Straßenbeleuchtung, die privaten Haushalte und die Bereiche Gewerbe, Handel und Dienstleistungen, Industrie, Verkehr, Abwasser und Abfall“.

Zunächst wurde im Konzept der konkrete Energieverbrauch des Landkreises in so genannten Energie- und CO2-Bilanzen erfasst. „Darauf aufbauend werden Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien ermittelt und mögliche Szenarien für die künftige Entwicklung aufgezeigt.“

Ergebnisse in Ist- und Potenzanalyse zusammengefasst

Die Ergebnisse dieser ersten Schritte haben die Verantwortlichen in einer Ist- und Potenzialanalyse zusammengefasst. Ferner wurde die Differenzierung der Ist- und Potenzialanalyse auf Gemeindeebene in Form von „Kommunalsteckbriefen“ dargestellt. In über 150 Seiten können hier Interessenten herausfinden, welche Möglichkeiten beispielsweise die Stadt Weismain für den Bau von Windrädern hat, oder dass in der Gemeinde Marktgraitz praktisch nur Photovoltaik als Möglichkeit der regenerativen Energieerzeugung in Frage kommt.

Der zentrale Baustein des Konzeptes ist jedoch ein konkreter handlungsorientierter Maßnahmenkatalog. Dieser sei auf Basis der bestehenden Aktivitäten und unter intensiver Beteiligung wichtiger Entscheidungsträger und regionaler Akteure sowie der Öffentlichkeit erarbeitet worden, heißt es im Konzept. „Der Großteil der hier vorgeschlagenen Handlungsschritte und Maßnahmen sind daher keine ,harten‘ technischen Projekte, sondern oft so genannte ,weiche Maßnahmen‘, das heißt meist organisatorischer Natur, die aber wichtige Voraussetzungen für die nachhaltige Verwirklichung von Maßnahmen zum Klimaschutz und zur regionalverträglichen Energiewende sind.“

Wind turbines and solar panels
Windkraft und Solarenergie sind Zeichen für Energiewende und werden auch im Integrierten Klimaschutzkonzept des Landkrei... Foto: Getty Images

Weitere konkrete Projekte seien im nächsten Schritt insbesondere auf Gemeindeebene zu erarbeiten, also konkret umzusetzende praktische Maßnahmen mit Angaben zu Kosten, Wirtschaftlichkeit, Einspareffekten und zum zeitlichen Ablauf, heißt es weiter im Konzept.

Aktivitäten landkreisweit abstimmen

Apropos Umsetzung: Da der Klimaschutz und die Energiewende nicht an den Gemeinde- oder Stadtgrenzen ende, steht es im Konzept weiter, seien die Aktivitäten darüber hinaus landkreisweit abzustimmen. „In Bezug auf den gesamten Landkreis mit seinen Städten, Märkten und Gemeinden ist das keine Aufgabe, die neben dem Alltagsgeschäft erledigt werden kann. Es sind die Interessen und Belange vieler beteiligter oder betroffener Akteure zu berücksichtigen und die unterschiedlichen Projekte der elf Städte, Märkte und Gemeinden sowie der Landkreisverwaltung zu koordinieren.

Zentrale Stelle in der Landkreisverwaltung notwendig

Viele Maßnahmen berühren die Belange der Kommunen, sind aber gegebenenfalls sinnvoller landkreisweit zu organisieren. Genau wie in den einzelnen Kommunen, bedarf es in der Landkreisverwaltung einer zentralen Stelle, die den Prozess der Energiewende und des Klimaschutzes dauerhaft moderiert. Diese Koordination sollte als Kooperation der elf Städte, Märkte und Gemeinden sowie des Landkreises organisiert werden und in eine Kooperationsvereinbarung münden, mit dem Ziel, Abläufe effektiv zu gestalten und die Kosten der Organisation gering zu halten.“

Letztendlich hatte sich der Landkreis 2012 zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent im Vergleich zum Ausstoß im Jahr 1990 zu vermindern.

Wer selbst einmal die Inhalte des Integrierten Klimaschutzkonzeptes nachlesen möchte – besonders empfehlenswert sind die Kommunalsteckbriefe und der Maßnahmenkatalog – findet diese unter www.lkr-lif.de.

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