LICHTENFELS

Warum Alicia I. auf den Flechtfloh hofft

Alicia I. bei ihrer Krönung im Jahr 2018. Bei Corona dachte man damals noch ans Krönchen. Foto: Till Mayer

Als Alicia I. im Jahr 2018 zur Korbststadtkönigin gekrönt wurde, da hätten sie vermutlich das Wort „Corona“ mit Krone in Verbindung gebracht. Die Pandemie hat 2020 auch bei Alicia Vetter vieles auf den Kopf gestellt.

„Wenn 2020 ein normales Jahr gewesen wäre, hätte am dritten Septemberwochenende der Korbmarkt stattgefunden. Wenn 2020 ein normales Jahr gewesen wäre, wäre dann eine neue Korbstadtkönigin gekrönt worden.

Wenn 2020 ein normales Jahr gewesen wäre, wäre ich zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht mehr im Amt.

Insofern hat alles Negative für mich in diesem Fall auch etwas Positives: Ich habe auch ein Jahr gewonnen, ich darf länger ,regieren' als alle meine Vorgängerinnen im Amt, darf ein Jahr länger ,Botschafterin' unserer Stadt und unserer Region sein. Doch wie – wenn es so gut wie keine Veranstaltungen, dafür aber Kontaktbeschränkungen gibt? Wie und wo kann ich da die Deutsche Korbstadt und das Flechthandwerk repräsentieren?

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Eines jedoch vorweg: Ich bin sehr froh, dass meine Amtszeit verlängert wurde. Nachdem sich 2020 für mich als Korbstadtkönigin als ein Jahr ohne Messen, ohne Feste, ohne Königinnentreffen, ja fast schon ohne eine einzige Termin gestaltet und es sich eher so anfühlt als wäre ich gar keine Königin, hege ich die vage Hoffnung, dass ich im nächsten Jahr manches nachholen kann.

„ Ich bin sehr froh, dass meine Amtszeit verlängert wurde.“
Alicia I., Korbstadtkönigin

Wie zum Beispiel auch das von mir initiierte Projekt „Flechtfloh“ für die Grundschulen im Stadtgebiet, das gemeinsam mit der Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung geplant war und dann aufgrund der Schließung der Schulen ausfallen musste.

Ich wünsche mir, dass wir es 2021 angehen können. Voraussetzung ist aber, die Umstände lassen das zu. Jetzt im Augenblick ist es aber erst einmal wichtig, dass wir uns alle schützen und die Infektionszahlen beziehungsweise die Zahl der Corona-Infizierten nicht steigen. Insofern war es meiner Ansicht nach auch die richtige Entscheidung, den Korbmarkt wie so viele andere Veranstaltungen in diesem Jahr abzusagen: Safety first!

Auch wenn ich sehr traurig bin, dass ich 2020 nur ganz wenige Auftritte hatte, so muss ich zugeben, dass dies auch noch einen anderen positiven Aspekt mit sich brachte: Ich konnte– sozusagen „privat“ - die Zeit nutzen, mich ganz auf mein Studium zu konzentrieren, meine Seminararbeit zu schreiben, weitere Klausuren und die juristische Universitätsprüfung abzulegen und mein letztes Pflichtpraktikum in einer Münchner Großkanzlei zu absolvieren. So kann ich nun in die Examensvorbereitung starten. Auch wenn ich in diesem Jahr – außer bei der Grünen Woche im Januar in Berlin – keine Auftritte auf Großveranstaltungen hatte, so waren es doch einige kleine, aber feine Termine, die ich wahrnehmen durfte: Zur Eröffnung des Maislabyrinths in Kösten – das ich persönlich eine tolle Sache für alle Generationen fand, und zur Eröffnung des Kinosommers in Lichtenfels. Auch bei der Eröffnung der neuen Linien des Öpnv im Landkreis Lichtenfels, durch die das Angebot im Lichtenfelser Stadtgebiet umfassend erweitert wurde, durfte ich repräsentieren – als „Gesicht“ der Werbekampagne. Selbstverständlich habe ich die neuen Linien mit einer Freundin, die im Landratsamt für das Sachgebiet tätig ist, umfassend getestet. Mein Urteil: sehr empfehlenswert.

Sehr gefreut habe ich mich auch, dass ich bei unserer neuen Lichtenfelser Brauerei Lippert zum Frühschoppen am eigentlichen Korbmarktsonntag und am 3. Oktober eine Autogrammstunde geben durfte. Vielen Dank für diesen schönen Empfang und viel Erfolg, lieber Markus Lippert.

Austausch zwischen nichtstaatlichen Museen

Ein Termin zu Zeiten von Corona im Korbmuseum: Hinter den Masken sind Ariane Schmiedmann, Dirk Rosenbauer und die Korbst... Foto: red

Zwei weitere Höhepunkte waren für mich in diesem Jahr zwei ganz besondere Ausstellungen, zu denen ich als Korbstadtkönigin eingeladen war: die Sonderausstellung „GutbeHÜTEt um die Welt“ des Deutschen Korbmuseums in Michelau und die Ausstellung ,Lux.us – Feinflechten im rechten Licht', die Schülerinnen der Staatlichen Berufsfachschule für Flechtwerkgestaltung initiierten.

Mit der Leiterin des Korbmuseums, Ariane Schmiedmann, stehe ich in regem Kontakt, um nach dem „Lockdown-light“ einen Austausch zwischen nichtstaatlichen Museen und den verschiedenen Produktköniginnen zu ermöglichen, so beispielsweise zwischen dem Deutschen Korbmuseum Michelau und dem Porzellanikon in Selb beziehungsweise in Hohenberg und damit einhergehend einen Erfahrungsaustausch zwischen der Porzellankönigin aus Selb und mir als Deutschen Korbstadtkönigin.

Hintergrund dieser Idee ist die Entwicklung des Projekts ,Museum und Tourismus' im Jahr 2019 unter dem Motto ,Gemeinsam sind wir stärker' von der Landesstelle für nicht staatliche Museen in Bayern in Kooperation mit der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Ziel ist die bessere Vernetzung der bayerischen Museen im weiten Feld des Tourismus sowie die effektivere Zusammenarbeit mit touristischen Leistungspartnern.

Das Pilotnetzwerk umfasst zehn verschiedene Museen, die durch die Themen Kulinarik, Handwerk und Anbaukultur miteinander verbunden sind. Gemeinsam wollen die Einrichtungen (Kultur-)Touristen auf die Schönheiten und Besonderheiten der Region aufmerksam machen.

Netzwerken – das ist mir auch ein Herzensanliegen. Wenn wir Königinnen das in diesem Jahr schon nicht auf Festen und Veranstaltungen tun können, so müssen wir das eben auf anderen Kanälen tun: digital. Die sozialen Medien nutze ich persönlich auch in Pandemie-Zeiten, um mit Posts und Beiträgen immer wieder auf unsere Region und die Deutsche Korbstadt aufmerksam zu machen. So möchte ich meinen Teil dazu beitragen, die Wertschätzung unseres traditionellen Handwerks und des kulturellen Erbes aufrecht zu erhalten.

Die Königinnen sind bestens vernetzt

Ihre Majestät und ihr Dackel. Foto: Heidi Bauer

Apropos Vernetzung: Mit vielen anderen Königinnen, die ich dank meiner Amtszeit kennenlernen konnte und mit denen ich inzwischen Freundschaften pflege, stehe ich im engen Kontakt und wir besuchen uns gegenseitig, wenn sich die Möglichkeit bietet und die Umstände es erlauben, so beispielsweise mit der ehemaligen Abensberger Spargelkönigin und der ehemaligen Gillamoser Dirndlkönigin. Mit der Bad Staffelsteiner Thermenkönigin Michelle verbindet mich schon seit der Schulzeit eine enge Freundschaft.

Wie wohl alle anderen auch, wünsche ich mir, dass wir uns bald wieder häufiger und in größerem Kreis treffen dürfen, dass wir die Pandemie endlich in den Griff bekommen und endlich wieder etwas Normalität einkehrt. Das jedoch fordert uns alle – auch dahingehend, dass wir jetzt diszipliniert sein müssen und uns an die Hygienebestimmungen halten sollten. Ich wünsche mir, dass Zeitgenossen, die jetzt über die Kontaktbeschränkungen klagen, auch reflektieren, warum diese notwendig wurden und sind: zu unser aller Schutz, vor allem aber zum Schutz der Schwächeren in unserer Gesellschaft.

Und sicherlich kann man diese Zeit auch nutzen - um neue Ideen und Projekte zu entwickeln, um diese dann umzusetzen, wenn wieder etwas Normalität eingekehrt.“

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