LICHTENFELS

Tag des Buchs: Am Obermain ist sogar ein Hund dabei

Guido Geelen: OT-Redaktionsleiter - vom Vorlesen zum Mitlesen und Selbstlesen. Foto: Luis Geelen

Bücher werden vorwiegend von Erwachsenen gekauft. Und sie sind es meist auch, die Bücher für Kinder auswählen. Im Jugendalter sind es dann eher die Freunde, die Buchempfehlungen aussprechen und zum Kauf bewegen. Dass Eltern ihren Kindern viel und regelmäßig vorlesen bleibt zum Teil jedoch ein Wunschdenken. Dabei wäre das wichtig, wie auch der weltweite Tag des Buches am 23. April belegt.

Zum jährlichen Bundesweiten Vorlesetag führt die Stiftung Lesen gemeinsam mit DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung eine Studie zum Vorleseverhalten in Deutschland durch.

Auffällig dabei ist, dass rund 32 Prozent der Eltern in Deutschland selten oder sogar nie vorlesen. Um zu begründen, warum Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist, braucht man vermutlich keinen pädagogischen oder literaturwissenschaftlichen Hintergrund. Schon beim einfachen Vorlesen oder Selbstlesen, kann man erkennen, wie Bücher die Phantasie anregen, die Sprachentwicklung positiv beeinflussen und ganz nebenbei Nähe und Austausch ermöglichen.

Harry Potter lieber lesen anstatt als Film sehen

Von diesen Erfahrungen kann OT-Redaktionsleiter Guido Geelen Persönliches berichten. „Ich habe meinen Kindern viel vorgelesen, und nun geht es fließend über zum Selbstlesen von Kinder- und Jugendliteratur. Wenn ich ihnen Bücher kaufe, dann lesen wir sie nacheinander und unterhalten uns am Ende darüber. Das Betrachten von Kinderbüchern entwickelte sich im Laufe der Jahre also zum gemeinsamen Lesen und über Lektüre sprechen. Da empfehle ich auch schon mal, Harry Potter zu lesen und bitte nicht die Filme anzuschauen.“ Ergänzt er mit einem Lächeln.

Martina Störzer mit pädagogischem Belgeithund Jackson als Lesehund in der Kita. Foto: red

Als Vater hat er die Erfahrung gemacht, dass es eine wichtige Phase ist, die Kinder vom Vorlesen zum Selbstlesen ermutigend zu begleiten. An sein liebstes Kinderbuch erinnert sich Guido Geelen sehr gut. „Urmel zieht zum Pol“ von Max Kruse. „Vorne drin steht sogar eine Widmung für mich: Alles Gute zu deinem 10. Geburtstag von deinem Freund Martin.“

Ein Buch ist ein Begleiter für das ganze Leben

Gertraud Dorsch: ehrenamtliche Vorlesepatin und Bibliotheksbetreuerin mit Rabe Socke. Foto: RED

Ein Buch kann Emotionen wecken und den Alltag vergessen lassen. Ein Buch kann dich begleiten und zu einem guten Freund werden. Davon ist Gertraud Dorsch - ehemalige Buchhändlerin - fest überzeugt. Heute, als Mitglied der Aktiven Bürger, ehrenamtliche Lesepatin und Bibliotheksbetreuerin in Hochstadt, ist sie umgeben von Büchern und kleinen Lesern. „Lesen und somit auch Schreiben ist der Schlüssel zu einem glücklichen Leben. Daher rate ich den Kindern viel zu lesen und immer wieder zu üben. Und irgendwie scheint dieser Rat Früchte zu tragen, denn die Kinder der Klassen 1 bis 4 schauen begeistert in unserer Schulbibliothek vorbei.“ Gertraud Dorsch hat den Eindruck, dass Kinder heutzutage die Chance haben, mehr lesen zu können als früher. Sicherlich habe das multimediale Angebot parallel zugenommen, jedoch sei die Verfügbarkeit von Büchern an sich auf dem Buchmarkt selbst und vor Ort in den Bibliotheken stark gewachsen, um Kindern das Erstlesen zu versüßen.

Beim Gedanken an ihre eigene Kindheit fällt ihr sofort das persönliche Lieblingsbuch ein. „Die Fahrt ins Wunderland“ von Fritz Baumgarten und Lena Hahn - ein Buch, dessen Reime sie heute noch auswendig kennt.

Ulrike Lurtz von der Buchhandlung Dumproff. Foto: red

Beim Thema Lesekompetenz spielen neben der Schule vor allem das Elternhaus und, sofern dieses Angebot genutzt wird, auch der Hort in Kindertagesstätten eine wichtige Rolle. Erzieherin Martina Störzer und pädagogischer Begleithund Jackson bieten in der evangelischen Kindertagesstätte Vogelnest ein neues Angebot, den sogenannten Vorlesehund. Wie läuft so etwas ab? „Das kann ganz unterschiedlich sein“, erklärt Martina Störzer. „An manchen Tagen liegt Jackson ganz entspannt auf seiner Decke, während das Kind vorliest. An anderen Tagen hingegen sitzt er direkt daneben und spendet dem Kind wertvolle Nähe. Hunde spüren, wie es dem Menschen geht. Jackson kritisiert nicht beim Vorlesen und darin liegt der Schlüssel zum Erfolg. Er beruhigt das Kind beim Lesen und befähigt es dadurch, selbstbewusster und flüssiger vorzulesen und keine Angst davor zu haben, Fehler zu machen.“

Erinnerung an die Grundschulzeit

Sie selbst erinnert sich an einen besonderen Moment in ihrer Grundschulzeit, als sie auf einem Büchertisch folgendes fand: „Zoff oder ein Mädchen wie Saskia“ von Wolfgang Kammer - ein Buch das von Welpen handelt. Die Liebe zu Büchern und Hunden, die beide dem Menschen Geborgenheit spenden, war von da an besiegelt. Jacksons Lieblingsbuch hingegen sei „Annika und der Lesehund“ - was sonst?

Bei so viel Freude am Vor- und Selbstlesen lohnt der Blick auf das Buchgeschäft. Ulrike Lurtz von der Buchhandlung Dumproff leitet ein solches familiengeführtes Buchgeschäft, das bereits seit über 50 Jahren existiert. Der Welttag des Buches ist ein ganz besonderer für sie. „In jedem Jahr haben wir etwas Tolles geplant. Die große Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und der Stiftung Lesen mitgefördert wird, soll Kindern der 4. und 5. Klassen die Freude am Lesen schenken. Dazu erhalten die Kinder einen Buchgutschein, den sie in unserer Buchhandlung einlösen können. Ich plane dabei auch immer eine Schnitzeljagd und Rätsel in unserem Laden, jedoch muss dies Coronabedingt umorganisiert werden. Daher bringe ich die Bücher und Unterlagen in die Schulen“, meint sie ganz pragmatisch.

Mit Büchern aufzuwachsen ist ein großes Geschenk

Sie ist fest davon überzeugt, dass es ein großes Geschenk ist, wenn Kinder mit Büchern aufwachsen dürfen und dass jemand, der das Lesen für sich entdeckt hat, auch dabei bleibt. „Als Mama weiß ich wie wichtig, aber auch wie schwierig es geworden ist, Kinder und Jugendliche neben vielen anderen Medien für das Lesen zu begeistern. Besonders das Vorlesen vom Kleinkindalter an ist meiner Meinung nach eine gute Grundlage.“

Auf die Frage hin, welches ihr Lieblingskinderbuch sei, antwortet Ulrike Lurtz ganz klar: „Der kleine Wassermann“ von Ottfried Preußler. Inspiriert wurde sie durch ihre damalige Grundschullehrerin, die der Klasse daraus vorlas. Später dann las Ulrike Lurtz ihren Kindern selbst daraus vor. In einem Punkt sind sich alle vier Personen und womöglich auch der Vorlesehund einig: Der heutige Tag ist ein guter Anlass, um auf das Thema Lesen aufmerksam zu machen und das Buch mit vielen Aktionen in den Mittelpunkt zu stellen, das Interesse zu wecken und Bücher wieder mehr in die Familien hinein zu tragen. Bleibt abschließend die Frage: Und welches Buch lesen oder verschenken Sie heute?

 

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