LICHTENFELS

Von Kreuzwegen und Ölbergen am Obermain

Von Kreuzwegen und Ölbergen am Obermain
Solche „Kreuzschlaafer“ findet man im Landkreis Lichtenfels einige. Dieser befindet sich an der Straße zwischen Lahm und Köttel; andere stehen vor der Kreuzkapelle in Isling oder vor der Spitalkirche in Lichtenfels. Foto: Fabian Brand

Im Christentum richtet sich während der Fastenzeit der Blick auf das Leiden und Sterben Jesu. Besonders in der Karwoche steht der gekreuzigte Heiland im Mittelpunkt der Gottesdienste. Bereits im Mittelalter hatte sich eine starke Passionsfrömmigkeit entwickelt: Man versuchte, Szenen aus dem Leidensweg Jesu in die eigene Heimat zu holen und damit eine Hilfe zu haben, um über das Sterben Christi zu meditieren.

So war es auch im Lichtenfelser Raum. Bedenken muss man dabei: Es war eine andere Zeit, in der es einer Vielzahl von Menschen nicht möglich war, einfach ins Heilige Land zu reisen. Und weil man die Originalschauplätze der Passion Jesu nicht besuchen konnte, holte man sie sich kurzerhand in die eigene Lebenswelt. Anders gesagt: Das, was sich im Heiligen Land befand, baute man einfach zuhause nach. So konnte man sich ein Stück dieser heiligen Orte in die eigene Heimat holen.

Ölbergszene an manchen Kirchen dargestellt

Ein Beispiel hierfür sind bei uns am Obermain die Ölbergszenen, die an manchen Kirchen zu finden sind: Sie entführen den Betrachter in die Nacht vor den Karfreitag. Am Abend, nach dem gemeinsamen Mahl, so schildern es die Evangelien, ist Jesus mit seinen Jüngern in den Garten Gethsemani gegangen. Dieser befindet sich am Fuß des Ölbergs, welcher die östliche Grenze der Stadt Jerusalem bildet. Dort, so heißt es im Neuen Testament weiter, habe Jesus zu seinem himmlischen Vater gebetet, während seine Jünger von Müdigkeit übermannt wurden.

Von Kreuzwegen und Ölbergen am Obermain
Die zwei steinernen Wächter befinden sich heute im Friedhof von Marktgraitz. Einst standen sie in der Pfarrkirche und wa... Foto: FAbian Brand

Auch am Obermain haben sich solche Darstellungen noch erhalten: Eine schöne Ölbergszene findet sich zum Beispiel in Isling neben der Pfarrkirche Sankt Johannes der Täufer. Eine ähnliche Abbildung des Geschehens befindet sich auch in Uetzing. Diese stammt von 1713 und wurde von Johann Georg Burckhart erschaffen.

Das traditionelle Gebet, das in vielen Gemeinden in der österlichen Bußzeit geübt wird, ist der Kreuzweg. Singend und betend schreitet man gewissermaßen den Weg ab, den Jesus vor seinem Tod gegangen ist. Die Kreuzwegstationen variieren, meist sind es 14 oder, wo die Auferstehung Jesu eigens mitgezählt wird, 15 Stationen.

Am Beginn steht die Verurteilung Jesu vor Pilatus. Es folgt das Gedenken seiner Geißelung, seines dreifachen Falls unter dem Kreuz und schließlich seiner Kreuzigung selbst. Einige dieser Stationen, wie Verurteilung oder die Begegnung mit der Mutter Maria, sind biblischen Ursprungs. Die Inhalte anderer Stationen, wie der dreifache Fall unter dem Kreuz, entstammen einer alten Jerusalemer Tradition. Hier wurde schon in frühen christlichen Tagen die „Via Dolorosa“ verehrt, jener Weg, den Jesus vom Haus des Pilatus bis hinauf nach Golgotha gegangen ist.

Diese konkreten Orte, die man heute noch in Jerusalem verehren kann, werden durch das Kreuzweg-Gebet in die unterschiedlichen Gemeinden hineingeholt. Wenn die Menschen sich betend an den Kreuzweg Jesu erinnern, dann kommen sie hier und heute mit ihm in Berührung. Dann sind sie nicht fern von dem, was sich damals ereignet hat, sondern dann stehen sie gewissermaßen heute mit Maria unter dem Kreuz.

Kreuzwege in fast allen Kirchen am Obermain

Kreuzwege finden sich in fast allen Kirchen bei uns am Obermain. Die Darstellungen sind dabei sehr unterschiedlich: In der Redwitzer Sankt Michaelskirche befindet sich ein Kreuzweg aus der Werkstatt des Münchener Künstlers Johannes Raphael Potzler, der erst 1986 aus Bronze gegossen wurde. Und in der Lichtenfelser Stadtpfarrkirche trifft man auf einen Kreuzweg, der im 17. Jahrhundert geschaffen worden ist.

Von Kreuzwegen und Ölbergen am Obermain
Kruzifixe prägen die Ortsbilder am Obermain. Wie hier in Roth haben die Menschen früherer Zeiten das Leiden Jesu mitten ... Foto: Fabian Brand

Ein großer Kreuzweg im Freien findet sich oberhalb der Basilika Vierzehnheiligen. Die einzelnen Stationen standen wohl früher am Weg nach Langheim und wurden später in die Nähe der Basilika versetzt. Ein anderer „Freiluft“-Kreuzweg führt von der Lichtenfelser Spitalkirche bis nach Vierzehnheiligen. Der Kreuzweg, der wohl um 1714 geschaffen wurden, bestehen aus sieben Stationen und führt über die Kreuzbühlstraße und Jahnstraße bis nach Seubelsdorf. Von dort geht es über den Vierzehnheiligenweg bis zur Basilika.

Der Fall Jesu unter dem Kreuz als „Kreuzschlaafer“

Neben dem Gebet Jesu im Garten Gethsemani ist auch ein anderes Ereignis aus der Passion Jesu ein beliebtes Motiv von Darstellungen am Obermain: Es ist der Fall Jesu unter dem Kreuz. Solche Figuren, die häufig aus Sandstein gefertigt sind, tragen im Volksmund den Namen „Kreuzschlaafer“. Dieser Ausdruck hat sich wohl deshalb eingebürgert, weil Jesus sein Kreuz „hinter sich her schleift“. Freilich wird damit das eigentliche Geschehen etwas herabgewürdigt: Solche Darstellungen erinnern an den Kreuzweg Jesu, der ihn vom Haus des Pilatus bis hinauf nach Golgotha führte.

In der Tradition haben sich 14 Stationen dieses Kreuzweges entwickelt, darunter auch das Andenken an den dreimaligen Fall Jesu unter dem Kreuz. In den Evangelien ist dieser dreifache Fall nicht bezeugt. Aber es ist gut vorstellbar, dass der gegeißelte Jesus unter der Last des Kreuzes zusammengebrochen ist.

Unter der Figur hindurchkriechen verhindert Rückenschmerzen

Historisch jedenfalls sind solche Nachbildungen nicht: Gemäß der römischen Praxis mussten die Verurteilten nur den Querbalken des Kreuzes zum Richtplatz tragen. Dieser wurde dann an einem dort fixierten Stamm hochgezogen. In der Volksfrömmigkeit waren solche „Kreuzschlaafer“ mit einer eigentümlichen Praxis verbunden. Wer unter Rückenschmerzen leidet, so heißt es, der muss unter der Figur hindurchkriechen, um so von seinen Beschwerden geheilt zu werden.

Von Kreuzwegen und Ölbergen am Obermain
An der Pfarrkirche von Isling steht diese Ölbergdarstellung. Sie zeigt den leidenden Heiland, der im Gebet ringt, sowie ... Foto: Fabian Brand

Solche Bildstöcke des kreuztragenden Christus finden sich heute noch zwischen Staffelstein und Wolfsdorf am Weg nach Vierzehnheiligen, in Frauendorf am Katzenstein oder an der Straße zwischen Lahm und Köttel.

An der Walachei eine besondere Darstellung der Kreuzigung

Natürlich wurde auch das zentrale Ereignis des Karfreitags häufig in Szene gesetzt. Eine bewundernswerte Darstellung der Kreuzigung befindet sich an der Walachei: Der Kalvarienberg wurde wohl in der Mitte des 17. Jahrhunderts geschaffen und stammt aus der Werkstatt von Hans Brenck und Hans Georg Schlehendorn. Der Kalvarienberg zeigt den gekreuzigten Jesus und die beiden Schächer zu seiner Rechten und zu seiner Linken. Daneben finden sich auch in vielen anderen Orten am Obermain Kruzifixe, die an den Karfreitag erinnern: So zum Beispiel an der Kapelle in Roth, in der Ortsdurchfahrt von Klosterlangheim oder gegenüber vom „Stroußer“ in Hochstadt.

Vielleicht ist es in diesen Tagen der Fastenzeit eine gute Gelegenheit, solche Darstellungen einmal bewusst aufzusuchen und sich so mit dem Leiden Jesu auseinanderzusetzen.

 

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