VIERZEHNHEILIGEN

Vierzehnheiligen-Bittgang für Arbeitnehmer und Arbeitslose

Vierzehnheiligen-Bitttgang für Arbeitnehmer und Arbeitslose
Begrenzt auf 50 Teilnehmer: Unter Corona-Auflagen fand der Bittgang für Arbeitnehmer und Arbeitslose am Samstagfrüh nach Vierzehnheiligen statt. Foto: Gerd Klemenz

„Ich weiß, der Herr führt die Sache des Elenden, Recht verschafft er den Armen“: Dieses Leitmotiv stand im Mittelpunkt eines Bittgangs für Arbeitnehmer und Arbeitslose nach Vierzehnheiligen mit Albert Müller, Diözesanpräses der katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) der Erzdiözese Bamberg, am Samstag.

„In diesem Bibelzitat erinnern wir an den Gott, der die Rettung der Armen zu seinem Wesenszug macht. Er will unser tätiges Mitgefühl mit denen, die in höchster Not sind oder ihrem Elend entrinnen wollen. Für ein solidarisches Miteinander ist Vierzehnheiligen seit Jahrhunderten ein wichtiger Ort, zu dem die Menschen ihre Sorgen hintragen und an dem sie sich angenommen fühlen“, erklärte Betriebsseelsorger und Pastroralreferent Norbert Jungkunz.

Mitten in den Krisen, die durch die Corona-Pandemie entstanden oder verschärft worden sind, schlossen sich Menschen zusammen.

„Gott will unser tätiges Mitgefühl mit denen, die in höchster Not sind oder ihrem Elend entrinnen wollen.“
Norbert Jungkunz, Betriebsseelsorger

Menschen, deren Arbeitsplatz bedroht ist oder die ohne Erwerbsarbeit schon länger leben, und Menschen, die die Würde des Menschen am Arbeitsplatz bedroht sehen. So trafen sich am Seubelsdorfer Kreuz in Lichtenfels rund 50 Pilger und trugen ihre Bitten und Klagen, ihre Hoffnung und Fragen zu den 14 Nothelfern hoch. Auf dem gemeinsamen Weg thematisierten an vier Stationen Betroffene die Sorgen und Nöte der Menschen in der Arbeit und in Arbeitslosigkeit in Gebeten und Litaneien. „Systemrelevant ist der Mensch – Solidarisch aus der Krise“, hieß es an der ersten Station.

Nach fast zehn Jahren wirtschaftlichen Aufschwungs mit kontinuierlichem Beschäftigungszuwachs, guten Tarifverträgen und realen Lohnzuwächsen sorgt die weltweite Corona Pandemie für einen so noch nicht dagewesenen wirtschaftlichen Einbruch. Viele erkennen erst jetzt, wie stabilisierend ein starker Sozialstaat bei der Krisenbewältigung wirkt.

Zu Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen

„Weg mit dem Markt“, hieß es an der nächsten Station. Die Coronakrise hat die Fehlentwicklung im Gesundheitswesen gnadenlos sichtbar gemacht. Die Krankenhäuser wurden in den vergangenen Jahren auf Effizienz getrimmt. Effizienz heißt, dass möglichst viele Patienten, die sich lohnen, von möglichst wenig Personal in möglichst kurzer Zeit behandelt werden. Wo steht eigentlich geschrieben, dass im Gesundheitswesen Gewinne gemacht werden müssen?, wurde gefragt.

„Soziale Sicherung – wichtig für unsere soziale Gerechtigkeit!“, lautete das Thema der nächsten Station, gestaltet von Mitgliedern der KAB. Der Sozialstaat ist dafür da, die individuellen Risiken des Lebens aufzufangen und die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen von uns allen so gut es geht auszugleichen. Er ist Garant des Versprechens auf Sicherheit, Solidarität und Gerechtigkeit.

7800 Euro in der Stunde gegenüber 9,35 Euro Mindestlohn

An der letzten Station sprachen Mitarbeitende und Ehrenamtliche der Arbeitsloseninitiativen über „Armut und Hartz IV. Die Würde des Menschen ist tastbar“. Ist es angemessen, wenn ein deutscher Spitzenfußballer umgerechnet auf eine 40-Stunden-Woche etwa 7800 Euro in der Stunde verdient? Wer für den Mindestlohn arbeitet, erhält 9,35 Euro. Das Einkommen der Top-Verdiener in der Bundesliga bewegt sich bei etwa 1,25 Millionen Euro im Monat. Für alleinstehende Hartz IV-Empfänger sollen monatlich 432 Euro plus Miete und Heizkosten ausreichend sein.

Im Anschluss an den Bittgang zelebrierte KAB-Präses Albert Müller einen Gottesdienst in der päpstlichen Basilika. Zu dieser mittlerweile 14. Veranstaltung hatten die katholische Betriebsseelsorge Bamberg, der Diözesanverband Bamberg und das Franziskanerkloster Vierzehnheiligen eingeladen.

Vierzehnheiligen-Bitttgang für Arbeitnehmer und Arbeitslose
Vorbei am Antoniusbrunnen führte der Bittgang in die Basilika. Foto: Gerd Klemenz
Vierzehnheiligen-Bitttgang für Arbeitnehmer und Arbeitslose
Betriebsseelsorger und Pastroralreferent Norbert Jungkunz begrüßte am Seubelsdorfer Kreuz die Teilnehmer zum Bittgang de... Foto: Gerd Klemenz

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