LICHTENFELS

Viele Vorhaben in Lichtenfels dank hoher Förderung

Der Marktplatz soll attraktiver werden. Die konkreten Projekte dafür hat der Leiter des Stadtmarketing, Citymanager Steffen Hofmann, den Mitgliedern des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstagnachmittag in der Stadthalle präsentiert. Zwei Vorhaben stechen heraus: ein Flecht-Fachgeschäft im seit geraumer Zeit leerstehenden Anwesen Marktplatz 12, und ein Multifunktionsgebäude, in dem Infopoint, Busunterstand und Marktstand untergebracht werden sollen. Ermöglicht werden diese und weitere Projekte durch die großzügige Förderung des Sonderfonds „Innenstädte beleben“, den der Freistaat im vergangenen Jahr aufgelegt hat. „Großzügig“ bedeutet im Übrigen einen Fördersatz von 80 Prozent, laut Hofmann „ein wahnsinnig lukratives Programm“.

Für das 20 900 Euro teure Vorhaben des Flechtwaren-Fachgeschäfts gibt es Hofmann zufolge eine Zuwendung von 16 700 Euro. Um es zu verwirklichen, arbeite die Stadt mit dem „Zentrum europäische Flechtkultur Lichtenfels“ (ZEF) zusammen. „Das zusätzliche Waren- und Dienstleistungsangebot und die Reaktivierung des Leerstands an zentraler Stelle sollen zur Belebung der Stadtmitte beitragen“, hofft der Leiter des Stadtmarketing.

Positive Reaktionen gab es von Philip Bogdahn (SPD) und Drittem Bürgermeister Mathias Söllner (Bündnis 90/ Die Grünen). Der Sozialdemokrat regte zusätzlich an, im Haus Marktplatz 12 einem ausländischen Flechter zu ermöglichen, seine Werke herzustellen und zu präsentieren. „Vielleicht können wir hier für ihn auch eine Wohnung schaffen?“, meinte Bogdahn. Dass es dafür eine Zuschüsse gebe, bezweifelte jedoch Citymanager Hofmann, denn „die Erdgeschossfläche des Hauses passt genau in die Fördervorgabe der Regierung“, die Wohnung aber nicht.

Zusätzlich regionale Lebensmittel im Flechtladen verkaufen

Mehr Chancen dürfte dagegen Söllners Vorschlag haben, regionale Lebensmittel wie Marmeladen oder Schnäpse im Flechtladen zusätzlich zu verkaufen. „Wir wollen hier Produkte anbieten, die Sinn machen“, erwiderte Hofmann und führte aus, dass ZEF-Geschäftsführer Manfred Rauh mit Flechtern Gespräche führe, aber auch Kontakt mit Direktvermarktern sowie Michael Strohmer, dem Kreisfachberater für Gartenbau, Kontakt aufgenommen werde.

Neben dem künftigen Laden wird auch das Begrünungskonzept der Innenstadt bezuschusst. Hier fließen 112 600 Euro Fördergeld bei Gesamtaufwendungen von 140 800 Euro. Diese sind laut Hofmann vorgesehen für die Fassadenbegrünung der Rathäuser, Baumschutzringe mit Bepflanzung, die Vorhaben „grünes Zimmer“ und „grünes Dach“, Flechtobjekte, Pflanzbeete, die Umsetzung „Flechtknoten“ sowie einen mobilen Spielplatz.

Zum den Flechtkunstwerken ergänzte Stadtbaumeister Gerhard Pülz, dass heuer sechs Figuren aufgestellt werden sollen. Außerdem sei daran gedacht, auch die Ortsteile zu schmücken, zuerst Stetten und Schney.

Auch hier sparte Philip Bogdahn nicht mit Lob, besonders für die wachsende Zahl an geflochtenen Figuren, die in der Altstadt aufgestellt worden sind, Damit werde ein Antrag, den die SPD bereits vor einigen Jahren gestellt habe, umgesetzt. Andrea Dinkel (WLJ) unterstützte die Berücksichtigung der Ortsteile und schlug vor, in Klosterlangheim geflochtene Mönche aufzustellen.

Bleibt ein weiteres bewilligtes Vorhaben, das Multifunktionsgebäude am Marktplatz. „Die bislang im öffentlichen Raum verteilten und hinsichtlich ihrer Gestaltung nicht mehr zeitgemäßen Angebote Infopoint, Busunterstand und Marktstand werden an zentraler Stelle zusammengefasst“, sagte Hofmann. Das Projekt soll 85 500 Euro kosten, der Zuschuss liegt bei 68 700 Euro.

Mit Multifunktionsgebäude Sichtachse nicht zerstören

Hierzu gab es erstmals auch kritische Stimmen. Frank Rubner (CSU) mahnte an, wegen der Sichtachsen am Marktplatz mit dem Multifunktionsgebäude sehr sensibel umzugehen, um nicht „mehr kaputt zu machen als zu schaffen“. Und Andrea Dinkel hoffte nicht, dass das Gebäude wie ein Klotz am Marktplatz steht. Dagegen lobte Christian Bauer (JB) die Idee, weil eine Bushaltestelle am anvisierten Standort schon länger gewünscht werde.

„Beim Multifunktionsgebäude sind wir in der Entwurfphase“, ging Stadtbaumeister Pülz auf die Beiträge der Stadträte ein und kündigte einen Wettbewerb für Studenten der FH Coburg im Frühjahr an. Im Hinblick auf den Korbmarkt sei es durchaus denkbar, ein mobiles Gebäude zu planen.

Stadtmarketingchef Hofmann sprach schließlich noch einen Projektfonds zur Innenstadtentwicklung an, dessen Kosten mit 314 000 Euro zu Buche schlagen. Hier übernimmt der Freistaat 251 200 Euro.

Geplant sind hier unter anderem folgende Maßnahmen: Aufwertung von Wegeverbindung; Nachnutzungskonzepte für Leerstände; Beleuchtungskonzepte für Gebäude, Wege und Plätze einschließlich der Umsetzung sowie Veranstaltungen zur Stärkung des lokalen Einzelhandels. Darüber hinaus, so Hofmann weiter, würden die Projekte „Konzeption und Umsetzung eines Fußgänger- und Parkleitsystems“ und „Reaktivierung des Langheimer Tors sowie des Roten Turms in Lichtenfels“ in den Projektfonds integriert. Weiter ist beabsichtigt, den Roten Turm einschließlich des Langheimer Tors, welche sich südöstlich des Stadtschlosses befinden und aktuell nicht zugänglich sind, zu reaktivieren und für Gäste und Besucher zugänglich zu machen.

Kleinere Vorhaben aus einem Projektfonds finanzieren

Aus einem Projektfonds können kleinere Vorhaben zur Belebung und Attraktivitätssteigerung finanziert werden. Diese würden mit der örtlichen Lenkungsgruppe entwickelt und seien mit der Regierung von Oberfranken abzustimmen.

Erster Bürgermeister Andreas Hügerich freute sich über die Vorhaben, die bis Ende 2023 umgesetzt werden müssen, und rief die Stadträte auf, eigene Ideen für Projekte zu entwickeln und vorzubringen.

Und das taten dann auch gleich einige Mitglieder des Gestaltungsausschusses. Frank Rubner schlug vor, dass das Gremium sich wieder auf Ortsbegehungen begeben solle, beispielsweise zum Oberen Torturm. Und Andrea Dinkel regte an, für Besucher, die nicht ins oberste Geschoss steigen könnten, im Eingangsbereich einen Bildschirm aufzustellen, auf dem man den Ausblick vom Turm oder Aufnahmen der Ausstellungen präsentieren könnte.

Philip Bogdahn brachte eine QR-Code basierte Führung im Torturm ins Spiel, die ebenso für ein Fußgängerleitsystem geeignet sei. Dabei stellte er sich etwa 20 in der Altstadt aufgestellte Stelen vor, auf denen Besucher dank des Codes mehr über Lichtenfels erfahren könnten.

Veranstaltungen geprägt durch Corona-Pandemie

In einem weiteren Tagesordnungspunkt berichtete Stadtmarketingchef Hofmann über die Veranstaltungen im vergangenen Jahr, deren Organisation von der Corona-Pandemie geprägt war. Dabei ging er unter anderem auf den Flechtkultursommer mit einigen sehr erfolgreichen Veranstaltungen ein, dazu den Kinosommer und den Herbstmarkt, „eine ganz tolle Veranstaltung“. 2021 sei ein Rekordjahr für die Lif-Card gewesen, über die aktuell eine Million Euro im Umlauf sei. „Dieses Geld wird in Lichtenfels ausgegeben.“

Für dieses Frühjahr kündigte Hofmann den Zusammenschluss des Stadtmarketingvereins und der Aktionsgemeinschaft Treffpunkt an. Dies biete sich an, da der Vorstand beider Vereine identisch sei und eine Fusion weniger Aufwand bedeute. Unter Vorbehalt der Entwicklung der Pandemie nannte der Citymanager des Weiteren folgende geplante Veranstaltungen: das Streetfoodfestival im März und den Ostermarkt im April als „Quasi-Ersatz für den ausgefallenen Weihnachtsmarkt.

„Hoffen und beten“ für den Korbmarkt

Außerdem sind ein Kinderlebnistag, das Weinfest, der Flechtkulturlauf, der Kinosommer und der Korbmarkt geplant. Bei letzterem gilt laut Hofmann das Motto: „Hoffen und beten.“ Außerdem hob er noch eine Osteraktion samt -rallye für Kinder hervor.

Ein großes Lob für die Arbeit des Stadtmarketings gab es von Dr. Christopher Bogdahn (FW), besonders für den Märchenwald. „Den können wir doch auch im Sommer anbieten, beispielsweise mit einer Blühwiese“, schlug er vor. Philip Bogdahn stimmte in das Lob ein und äußerte die Idee, mehr Veranstaltungen in den Ortsteilen zu organisieren. Frank Rubner schließlich fand warme Wort für die Lif-Card und regte, diese auch im Wert von 25 Euro auszugeben.