LICHTENFELS/KUTZENBERG

Viele Lehrstellen im Landkreis Lichtenfels nicht besetzt

Viele Lehrstellen im Landkreis Lichtenfels nicht besetzt
Berufschancen in der Pflege: Rebekka Felix hat gerade ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau im Bezirksklinikum Obermain begonnen. Foto: Esther Schadt

Mit Maske und in gebührendem Abstand stehen die Berufsschüler in Kleingruppen zusammen. Im Einbahnstraßensystem nehmen sie ihre Plätze ein, und der Unterricht kann beginnen. Ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau hat Rebekka Felix am 1. September im Bezirksklinikum Obermain in Kutzenberg begonnen. Obwohl das Ausbildungsjahr bereits läuft, sind heuer noch immer viele freie Stellen zu vergeben.

Es gibt zwei Gründe dafür, dass immer noch so viele Ausbildungsplätze unbesetzt sind. „Zum einen die Auswirkungen des Lockdowns“, erklärt Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident und Vorsitzender des IHK-Gremiums Lichtenfels.. Eine Berufsorientierung habe praktisch nicht stattgefunden, es konnten kaum Praktika angeboten werden, fast alle Ausbildungsmessen sind ausgefallen, Bewerbungsgespräche wurden oft erst gar nicht vereinbart. „Dazu kommt eine starke Verunsicherung bei den Schulabgängern: Fälschlicherweise denken viele, es gäbe coronabedingt keine Ausbildungsplätze“, sagt Wasikowski.

Folgen des Lockdowns und Verunsicherung der Schulabgänger

In Stadt und Landkreis Lichtenfels gab es zu Beginn des Ausbildungsjahres 23,9 Prozent weniger neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse als zum gleichen Zeitpunkt 2019. Derzeit stehen 49 unversorgte Bewerber noch 231 unbesetzte Ausbildungsstellen gegenüber.

„Die Unternehmen haben trotz der derzeit angespannten wirtschaftlichen Lage ihren Fachkräftebedarf für die Zukunft im Blick“, berichtet IHK-Vizepräsident. Jede nicht besetzte Lehrstelle bedeute eine Facharbeitskraft weniger, die in drei Jahren nicht zur Verfügung stehen wird. „Und ohne ausreichend Fachkräfte können die Unternehmen nur eingeschränkt arbeiten – ob in Produktion, Handel oder Dienstleistungen“, meint er.

„Stellenbörsen beobachten und bei interessanten Betrieben frühzeitig

Kontakt aufnehmen ist das Gebot der Stunde.“

Wilhelm Wasikowski, IHK-Vizepräsident
Viele Lehrstellen im Landkreis Lichtenfels nicht besetzt
Berufschancen in der Pflege: Rebekka Felix hat gerade ihre Ausbildung zur Pflegefachfrau im Bezirksklinikum Obermain beg... Foto: Esther Schadt

„Da ja die Berufsmessen ausgefallen sind, konnte ich mich hauptsächlich nur über das Internet über diesen tollen Beruf informieren“, erinnert sich Auszubildende Rebekka. „Aber auch mein Vater konnte mir Informationen geben, denn er arbeitet auch im Bezirksklinikum Obermain und das schon sehr viele Jahre.“

Es gibt vielerlei Informationsquellen zu Ausbildungsberufen. „Grundsätzlich ist das Internet eine gute erste Quelle zur Berufsorientierung“, bestätigt Wasikowski. Die IHK veröffentlicht demnächst für die Abschlussklassen wieder die Publikation „Fit for Job“, die Berufe vorstellt und Betriebe präsentiert. Eine digitale Version ist verfügbar. Zudem können Ausbildungsinhalte verschiedenster Berufe online bei IHK oder der Agentur für Arbeit eingesehen werden. „Derzeit gibt es viele Bestrebungen, Ausbildungsmessen wieder anzubieten“, berichtet er. In Bayreuth werde das noch in diesem Jahr versucht. Auch Praktika sollen wieder möglich sein. „Stellenbörsen beobachten und bei interessanten Betrieben frühzeitig Kontakt aufnehmen ist das Gebot der Stunde“, betont IHK-Vizepräsident.

Gesucht werden Mitarbeiter im Verkauf und auf dem Bau

Viele Unternehmen suchen weiterhin Auszubildende in fast allen Berufsfeldern. Wer Interesse an einer Ausbildung hat, kann sich auch jetzt noch um einen Ausbildungsplatz kümmern. „Auch wenn das Ausbildungsjahr bereits offiziell begonnen hat, ein Ausbildungsbeginn in den kommenden Wochen ist jederzeit noch möglich“, sagt Wasikowski. Besonders gesucht seien Mitarbeiter im Verkauf, im Hochbau sowie in der bisher so stark nachgefragten Branche Versicherungs- und Finanzdienstleistung.

In der Corona-Pandemie werden Unternehmen kreativ. „Man kann mit den Masken die anderen nur schlecht verstehen und natürlich auch die Lehrer. Dafür haben wir aber eine Lösung gefunden, indem die Lehrer ein Kopfbügelmikrofon tragen“, erzählt Rebekka. „Ich hoffe trotzdem, dass sich die ganze Situation wieder lockert, also die Infektionszahlen wieder sinken. Doch ganz besonders freue ich mich auf die nächsten drei Ausbildungsjahre, in denen ich viel Spannendes lernen und erleben darf.“

Pro Bewerber sind noch 4,7 Ausbildungsplätze offen

Im Raum Lichtenfels kommen auf jeden unversorgten Bewerber derzeit 4,7 freie Ausbildungsplätze. „Der Jahrgang, der jetzt auf den Ausbildungsmarkt kommt, ist keineswegs verloren, sondern hat beste Chancen“, betont IHK-Vizepräsident. Jetzt wird es allgemein höchste Zeit, sich noch für eine der vielen unbesetzten Ausbildungsstellen in diesem Jahr zu bewerben. Je später mit der Ausbildung begonnen wird, desto umfangreicher ist der nachzuholende Stoff.

Ansprechpartner

Die Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg bietet die Möglichkeit, direkt mit der Berufs- oder Studienberatung einen Beratungstermin vereinbaren unter Tel. (09561) 93 100 oder per Mail unter Berufsberatung@arbeitsagentur.de. In Fragen rund um das Thema Beschäftigung im Ausland hilft der Fach- und Vermittlungsexperte Sebastian Ziegelmüller unter Tel. (09561) 93 260 oder Bamberg-Coburg.EURES@arbeitsagentur.de.
 

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