KÖSTEN

Versuchsfläche bei Kösten: Die Vorteile von Zwischenfrüchten

Versuchsfläche bei Kösten: Die Vorteile von Zwischenfrüchten
Toni Körber (li.) und Anton Weig schauen sich die Wurzeln der Zwischenfrucht Klee genau an. Foto: Monika Schütz

Es sind zwölf Männer und zwei Frauen. Sie stammen aus den Landkreisen Lichtenfels, Coburg, Bamberg und Hassberge, und sie sind bereits ausgebildete Landwirte. Was sie an diesem Nachmittag zu den Versuchsflächen nahe der Autobahn bei Kösten führte, war die Besichtigung des Zwischenfruchtversuches im Rahmen ihres Studiums an der Landwirtschaftlichen Fachschule.

Bedeutung für die Bodenfruchtbarkeit ermitteln

Mit dabei waren der Gewässerschutzberater des Landwirtschaftsamtes, Toni Körber, Landwirtschaftsmeister Norbert Hofmann und der Direktor des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten AELF, Fachlehrer Anton Weig. Zweck des Treffens war, den jungen Studierenden am Praxisbeispiel die Bedeutung von Zwischenfrüchten für die Bodenfruchtbarkeit zu ermitteln.

Zwischenfrüchte sind Früchte, die zwischen zwei Hauptkulturen angebaut werden, erklärte Fachlehrer Weig. Das bringe viele Vorteile: der Pflanzenbewuchs schütze Boden und Bodenleben vor negativen Witterungseinflüssen. Hier nannte er vor allem Starkregen und zu starke Erwärmung. Die Wurzeln der Zwischenfrüchte und ihre oberflächliche Pflanzenmasse halten - auch wenn es gefroren hat - den Boden fest, stabilisieren die Bodenkrümel und schützen so vor Erosion.

Es wird nichts mehr umgepflügt

Die Pflanzen nehmen beim Wachstum den im Boden vorhandenen Stickstoff auf und binden ihn. So ergebe sich eine deutliche Reduzierung der Stickstoffauswaschung (in Form von Nitrat) in das Grundwasser. Dadurch sei es sogar möglich, Gülle oder Mist umweltverträglich zu verwerten.

Anders als bei der bisher oft angewandten Gründüngung werden diese Pflanzen aber nicht mehr umgepflügt und somit der aufgenommene Stickstoff wieder in den Kreislauf gebracht: Sie bleiben stehen, erfrieren, und bilden letztendlich durch die Witterung im Winter eine leicht abbaubare organische Substanz, die sogar einen Beitrag zu Humusbildung liefert.

Versuchsfläche bei Kösten: Die Vorteile von Zwischenfrüchten
In vielen Saatgut-Mischungen sind Senf (gelbe Blüten)und Öl-Rettich (helllila Blüten) enthalten. Foto: Monika Schütz

Einige der Pflanzenarten, sogenannte Leguminosen, können auch Luftstickstoff binden. Natürlich geht das nicht von alleine. Der Landwirt muss erst einmal Geld investieren, um die Zwischenfruchtmischungen zu kaufen. Er braucht Zeit, um mittels Sämaschine oder Düngerstreuer die Saaten auszubringen. Er weiß im Voraus nicht, wie sich die Witterung nach der Aussaat entwickelt und ob ihm die immer mehr werdende Trockenheit die Samen überhaupt aufgehen lässt.

In diesem Jahr hat es geklappt

Heuer hat es gut geklappt: die rund vier Hektar große Versuchsfläche steht gut da, die verschiedensten Pflanzen sind aufgegangen, wachsen im Bereich von bodennah bis über ein Meter Höhe. Sie bestehen aus sechs verschiedenen Saatgut-Mischungen, sind mittels verschiedener Methoden ausgebracht worden und man hat sie mit verschieden hohem Einsatz von Milchvieh-Gülle bis zu Null-Düngung wachsen lassen. Die Parzellenbreite beträgt jeweils zwölf Meter.

Anton Weig holt den Spaten aus dem Wagen. Er möchte, dass die Studierenden eine Blick unter die Pflanzen werfen: auf die Wurzeln, die Bodenschichten und vor allem auf die Bodenlebewesen. „Eine Handvoll guter Boden enthält mehr Lebewesen als Menschen auf der Erde sind“, weiß er. Darunter seien sichtbare Lebewesen wie Regenwürmer, Laufkäfer, Springschwänze oder Tausendfüßer. Der weitaus größere Teil sei mit bloßem Auge allerdings nicht erkennbar: Bakterien. Und genau die brauche es, damit Stoffkreisläufe funktionieren und Schadstoffe abgebaut würden.

Guter Boden riecht auch gut

Er lässt die jungen Leute am Boden riechen: guter Boden riecht gut, nach Erde; schlechter, verdichteter ausgewaschener Boden riecht nach nichts, eher sogar nach Klärschlamm.

Versuchsfläche bei Kösten: Die Vorteile von Zwischenfrüchten
Der Boden lebt - die meisten Bodenbewohner sind allerdingsnicht so sichtbar, wie dieser Regenwurm. Foto: Monika Schütz

Das mögen die Regenwürmer auf Weigs Spaten wohl nicht hören, sie verziehen sich wieder in ihre kleinen selbst gegrabenen Löcher. Schon macht Anton Weig den nächsten Versuch. Mit einem Ring in bestimmter Größe und einer bestimmten Menge Wasser, die er in gewisser Zeit durch den Ring auf den Erdboden schüttet, will er Starkregen simulieren, Weig und der Gewässerschutzberater Toni Körber stoppen dabei die Zeit.

Erstaunliches Ergebnis: in weniger als zwei Minuten versickern 35 Liter Wasser auf einem Quadratmeter Fläche, wenn sie - wie hier - nicht brach liegt. Das würde sie aber ohne diese Projekt von der Ernte im August/September bis zur Frühjahrssaat zwischen März und Mai. Mehr als ein halbes Jahr würde der Boden sonst brach liegen und Wind und Wetter ausgeliefert sein. Bei diesen vier Hektar Flächen wäre es sogar ein Zeitraum von der Dinkel-Ernte im Juli 2020 bis zur Maisaussaat im Mai 2021: neun Monate.

 

Schlagworte