LICHTENFELS

Verrückte Zeiten im Lichtenfelser Tierheim

Tierheimleiterin Sandra Schunk im Reich der Katzen. Foto: Till Mayer

Als wenn die Zeit durch die Pandemie selbst nicht schon verrückt genug wäre. Vor gut einer Woche dringen dann noch Einbrecher in das Büro des Tierheim ein. Sorgen für ordentlich Schaden an zwei Türen und stehlen die Wechselkasse. „In einem Tierheim einzubrechen. Da gibt es doch nichts zu holen. Das ist wirklich verrückt“, schüttelt Leiterin Sandra Schunk den Kopf.

Corona hat im Tierheim schon einiges auf den Kopf gestellt. „Jetzt müssen wir noch viel Geld in Kameras und eine Alarmanlage investieren“, seufzt die 49-Jährige. Und das zu Zeiten, in denen die Pandemie auch einen Spendenrückgang mit sich bringt.

Schon vor der Pandemie war der Betrieb von Tierheimen landauf und landab ein täglicher finanzieller Kraftaufwand. Auch in Lichtenfels ist das nicht anders. Davon erzählt der noch immer nicht vollendete Bau einer neuen Quarantänestation. Ein Projekt, dass nun schon über Jahre vor sich hin dümpelt. „Aber dringend notwendig wäre“, erklärt Sandra Schunk. Allein, es fehlt an Geld.

Das Langzeitvorhaben Quarantänestation

Recht relaxt geht es bei den Katzen zu. Foto: Till Mayer

Doch die Folgen von Corona könnten den Betrieb der neuen Station in noch weitere Ferne rücken. Die Kommunen im Landkreis unterstützen das Tierheim mit Beiträgen. „Zusammen sind das letztendlich aber nur rund ein Viertel unserer laufenden Kosten. Und das, obwohl wir den Städten und Gemeinden eine Pflichtaufgabe abnehmen: die Notaufnahme von Tieren“, sagt die Leiterin.

Tiere haben kein Wahlrecht, sie zahlen keine Steuern. Die Tierschutzlobby konnte zwar in den vergangenen Jahren an Einfluss gewinnen. Aber letztendlich ist sie schwach im Vergleich zu anderen Verbänden und Interessengruppen aus Wirtschaft und Gesellschaft.

„Gerade laufen im Landkreis wieder Verhandlungen über die Beitragshöhe der Kommunen am Obermain und des Landkreises mit dem Tierschutzverein als Heimbetreiber“, berichtet die 49-Jährige. Ihr schwant wenig Gutes. Aufgrund von Corona brechen den Kommunen beträchtliche Steuereinnahmen weg. Zusätzliche Kosten kommen dazu. Die Pandemie betrifft jeden Zweibeiner. Der Tierschutz könnte auf der Prioritätenliste noch weiter nach hinten rutschen. „Da mache ich mir Sorgen, dass die Nöte der Vierbeiner noch mehr in Vergessenheit geraten“, meint die 49-Jährige.

„Da mache ich mir Sorgen, dass die Nöte der Vierbeiner noch mehr in Vergessenheit geraten.“
Sandra Schunk, Tierheimleiterin
Tierpflegerin Cynthia Wohlrath mit Sam. Der Labrador-Mischling ist mit zwölf Jahren ein ruhiger Zeitgenosse und sucht ei... Foto: Till Mayer

Dabei gab es, bedingt durch die Pandemie, für das Tierheim deutliche Spenden- und Einnahmeausfälle. „Unsere Flohmärkte sind eine wichtige Einnahmequelle. In den Monaten des Lockdowns fielen sie allesamt aus. Das gleiche gilt für unsere Hundepension. Oster- und Pfingstferien fuhr niemand in den Urlaub. Auch hier fehlen die Einnahmen. Gerade in der Anfangszeit des Lockdowns nahmen auch die privaten Futterspenden ab“, zählt die Tierheimleiterin die finanziellen Ausfälle auf.

Jetzt ist die Hundepension bis auf den letzten Platz belegt. Futterspenden werden in einer schwarzen Box am Eingangstor hinterlegt. „Und unsere Ehrenamtler können endlich wieder Hunde Gassi führen. Dann haben wir auch noch unsere rührigen Damen, die den Katzen wichtige Streicheleinheiten zukommen lassen“, erklärt Sandra Schunk. Gassi gehen und Streichelbesuche seien für beide Seiten gut: für Mensch und Tier, meint sie.

In der schwarzen Kiste am Tierheim-Tor können gerne Futterspenden hinterlassen werden. Foto: Till Mayer

Der Schatten der Pandemie reicht noch immer bis in das Büro. „Mit unseren zwei Voll- und zwei Teilzeitkräften können wir keinen Schichtbetrieb leisten. Ich will mir gar nicht ausmalen, was eine Infektion für unser Team und das Tierheim bedeuten würde“, sagt Sandra Schunk. Dort haben zur Zeit 32 Katzen, zwölf Hunde und drei Vögel ein Zuhause gefunden. Aufgrund von Corona gibt es Tierheimbesuche nur noch mit Termin als Vorsichtsmaßnahme. „Damit zum Beispiel der ausreichende Abstand der Besucher voneinander und zum Personal eingehalten werden kann“, erklärt die Leiterin. Eines hat die 49-Jährige aber ganz besonders erschüttert. „Da haben während des Lockdowns Familien bei uns angerufen, die gerne ein Streicheltier für ihre Kinder gehabt hätten. Als Leihtier! Nur solange bei den Kindern Bedarf wegen der Coronamaßnahmen besteht. Das ist doch einfach nur noch völlig verrückt.“ Dabei hätten sie doch Tiere, die wirklich ein echtes Zuhause brauchen. Wie der Labrador-Mischling Sam. Der zwölfjährige Rüde hat die Flegeljahre schon lange hinter sich. Er ist ein sehr relaxter Begleiter, nicht nur in dieser verrückten Zeit.

Für Spenden: Tierheim Lichtenfels, Sparkasse Coburg-Lichtenfels, Iban 20783500000092501915.

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