LICHTENFELS

Unzerschnittene Landschaften auch am Obermain erhalten

Bevor die Teilnehmer der „Tour de Natur“ nach Ebensfeld kamen (siehe oben), machten sie in der Korbstadt Station. Verschwitzt und etwas ermüdet, aber gut gelaunt traf ein buntes Völkchen von Radlern unter den Schatten spendenden Linden auf dem Schützenplatz ein, wo sie Bürgermeister Andreas Hügerich herzlich empfing.

Er streifte in einem kleinen Rückblick die Stadtgeschichte und ging auf Nachfrage der Radler auf die Belebung der Innenstadt näher ein: „Wir wollen die Geschäfte der Innenstadt unterstützen und Leerstände vermeiden. Die Vernetzung mit dem Fachmarktzentrum muss noch verbessert werden.

Bürgermeister Hügerich stellt Projekte zur Innenstadtbelebung vor

Beispielsweise können wir mit Mitteln aus der Städtebauförderung Plätze, Wege und Gebäude der Altstadt attraktiver gestalten, neben den traditionellen Festen und Märkten weitere kulturelle Events gemeinsam mit dem Citymanagement organisieren, mehr grüne Oasen entsprechend dem Klimaschutzprojekt in der Stadt schaffen, um die Verweildauer der Besucher und Kunden zu erhöhen, Einkaufsgutscheine ausgeben und vieles mehr gemeinsam mit der Geschäftswelt der Deutschen Korbstadt auf den Weg bringen.“

Stefan Mehl, einer der Geschäftsführer der R+G Beteiligungs-GmbH, stellte den interessierten Radlern das „Archiv der Zukunft“ vor, das nicht nur junge, sondern auch ältere Besucher anreizen solle, Neuigkeiten aus den Bereichen Technik, IT, Design, Architektur und Kunst zu erfahren und erlebbar zu machen. Es werde die Stadt sicherlich bereichern und den Marktplatz beleben.

BN-Kreisvorsitzender Anton Reinhardt freute sich bei seiner Begrüßung über die Umweltaktivisten aus ganz Deutschland, die wie vor knapp 30 Jahren der Widerstand gegen überzogene Straßen- und Bahnbauprojekte – damals die neue Autobahn A73, die sogenannte „Thüringer-Wald-Autobahn“, und die ICE-Neubaustrecke Nürnberg-Erfurt – vereinte.

Reinhardt mahnte: „Nach wie vor macht sich der Bund Naturschutz für umweltfreundliche Verkehrsmittel stark, wir begrüßen deshalb den Beitritt des Landkreises zum VGN, dem Verkehrsverbund Großraum Nürnberg, vor fünf Jahren, den schrittweisen Anschluss aller Dörfer an den Öffentlichen Personennahverkehr, die Einrichtung von Ruf- und Bürgerbussen, die „Mitfahrbänkla“, die Fortführung des Fifty-fifty-Taxis für junge Erwachsene, das Angebot kostengünstiger Tages-, Monats- und Jahrestickets sowie die Verbesserung des Radverkehrs und die Entschärfung von Gefahrenstellen.

Die Innenentwicklung unserer Städte und Dörfer hat Vorrang vor der Inanspruchnahme weiterer Flächen im Außenbereich. Das fordert eine interkommunale Zusammenarbeit, Konkurrenzdenken hat hier keinen Platz. Dazu ist die Ressource Boden zu schade!“

Gerd Weibelzahl, einer der Leiter der zweiwöchigen Tour vom Rennsteig über Lichtenfels durch das Obermaintal, bis Bamberg informierte, dass „Corona-bedingt“ die diesjährige Radtour etwas kürzer ausfallen musste. Das habe der Motivation der Teilnehmer keinen Abbruch getan. Er hob hervor: „Deutschland hat bereits ein äußerst dichtes Autobahn- und Fernstraßennetz. Es gilt, letzte unzerteilte Landschaften, wie den ,Gottesgarten‘, zu erhalten und Menschen vor noch mehr Lärm und Abgasen zu schützen.“

Mit dem gemeinsamen Lied „Wir sind ohne Auto mobil. Steig doch um auf das Fahrrad, auf den Zug, auf die eigenen Füße … wir sind ohne Auto mobil …!“ bestieg der Tross schließlich wieder die Drahtesel und fuhr weiter Richtung Süden. (red)