LICHTENFELS

Umweltausschuss des Landkreises Lichtenfels

Die Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Realschule Bad Staffelstein. Foto: Florian Säum

Nachdem sich Landrat Christian Meißner bereits in der jüngsten Sitzung des Kreistags (s. OT vom 26. April) dagegen verwehrt hat, dass seitens der Kreisverwaltung zu wenig für den Klimaschutz im Landkreis getan werde, stand das Thema auch im Umweltausschuss ganz oben auf der Agenda. Zentraler Aspekt seiner Ausführungen dazu waren auch diesmal die damit verbunden Kosten und Zuständigkeiten.

Er betonte denn auch nochmals, dass für den Klimaschutz in erster Linie die Städte und Gemeinden zuständig seien. Das Problem im Landkreis sei, dass nur die Stadt Lichtenfels mit den Stadtwerken über eine für die Energieversorgung zuständige Institution verfügen. „Wir können aber gerne darüber diskutieren, wie wir das für den Landkreis machen können.“

Die Kreisumlage könnte um acht Prozent steigen

Die Aufgabe seiner Behörde sieht er aktuell primär in der Koordination von Maßnahmen für den Klimaschutz im Landkreis. „Das Klimaschutzkonzept des Landkreises muss und wird nachgeschärft werden. Dann müssen wir uns darüber unterhalten, wo wir zuständig sind und was sich die Kommunen leisten können.“ Wenn die Maßnahmen für die Kommunen zu teuer seien, dann müsse man sich unterhalten, was der Landkreis leisten kann. Er rechnete vor, dass dann die Kreisumlage um bis zu acht Prozent steigen könnte. Er brachte aber auch ein stärkeres Engagement der Bürger, zum Beispiel bei der Errichtung von Bürgersolaranlagen auf öffentlichen Gebäuden ins Spiel. Hier gelte es die Öffentlichkeitsarbeit, zum Beispiel seitens der Umweltstation weiter auszubauen.

Bezüglich der Kritik, der Landkreis würde zu wenig für den Klimaschutz tun, sagte er, dass diese nicht fair sei. Um dies zu belegen informierte Kreisbaumeister Stefan Weisser dann über die Berücksichtigung von Maßnahmen zur Energieeffizienz und Nachhaltigkeit bei baulichen Vorhaben des Landkreises. Er nannte dabei unter anderem die Biomasse-Heizungen für das Landratsamt und die Korbfachschule sowie das Meranier-Gymnasium, die Berufsschule und den Kreisbauhof. Erwähnung fanden auch die Photovoltaikanlagen auf der Viktor-von-Scheffel-Realschule Bad Staffelstein und dem Meranier-Gymnasium.

Bezüglich der Sanierung des Schulzentrums in Burgkunstadt sagte der Landrat, dass hier die Möglichkeit zur Installation von Photovoltaik sehr zeitnah noch einmal überprüft werden soll. Dies gelte ebenso für die Flächen auf der ehemaligen Mülldeponie in Oberlangheim. „Wir stehen nicht blank da, aber wir haben auch noch Schritte vor uns. Darüber müssen wir weiter reden, und das ist auch gut so“, bilanzierte er.

Es hat einen Sinneswandel gegeben

Meißner gab außerdem zu Bedenken, dass manche jetzt vorgebrachten Vorschläge zum Klimaschutz noch vor einigen Jahren auch aus finanziellen Gründen nicht vermittelbar gewesen sein: „Man ist immer ein Kind seiner Zeit. Wir denken heute anders über solche Themen, vor einigen Jahren wäre manches nicht vermittelbar gewesen und manche Ausschreibungen würden heute anders aussehen.“

Sebastian Callens von den Grünen sagte, dass seine Partei mit der Ablehnung des Kreishaushalts niemanden habe kränken wollen und stimmte dem Landrat zu, dass viele Aufgaben beim Klimaschutz Sache der Kommunen seien und dies auch so bleiben soll. Er wünsche sich allerdings mehr „mentale Unterstützung“ und eine gewisse Vorreiterrolle des Landkreises. Diesbezüglich lobte Landrat Meißner die Bestrebungen der Stadt Burgkunstadt, die aktuell genau diese Rolle einnehme.

Heike Kunzelmann (AfD) gab zu bedenken, dass Windkraft und Photovoltaik nicht grundlastfähig, und deshalb Speichermöglichkeiten für Strom nötig seien. Da die Sonne nachts nicht scheine, nütze es wenig, nur Photovoltaikanlagen zu bauen. Außerdem bedürfe es auch regionaler Stromnetzwerke.

Georg Deuerling (FW) stimmte ebenfalls zu, dass in erster Linie die Kommunen in der Pflicht seien, auch da sie die Planungshoheit hätten. „Burgkunstadt zeigt, dass wir das Rad nicht neu erfinden müssen.“

Bürgersolaranlage auf der Mülldeponie

Dr. Arndt-Uwe Schille sprach sich für mehr Bürgersolaranlagen aus und wünschte sich diesbezüglich eine koordinierende Rolle des Landkreises. „Manche Bürger haben Geld, aber keine Dachflächen. So etwas müssen wir besser zusammenbringen.“ Als möglichen Standort nannte er auch die ehemalige Deponie bei Oberlangheim.

Dafür sprach sich auch Michael Bienlein (CSU) aus und gab zu bedenken, dass Ackerflächen unbedingt der Erzeugung von Nahrungsmitteln vorbehalten bleiben müssten.

225 Kilogramm Restmüll, vier mehr als im Vorjahr, hat jeder Landkreisbürger 2021 „produziert“. Dies berichtete der Leiter des Sachgebiets Abfallbeseitigung, Rainer Zimmer. Beim Sperrmüll waren es 31 Kilogramm, zwei weniger als im Vorjahr. Somit seien insgesamt 15.012 Tonnen Restmüll und 2064 Tonnen Sperrmüll entsorgt worden. Beim Papier waren es 4546 Tonnen sowie 2636 Tonnen über das Duale System, im gelben Sack landeten 1462 Tonnen Wertstoffe. An den Werstoffhöfen wurden unter anderem 11.278 Tonnen Grüngut, 2286 Tonnen Bauschutt und 2715 Tonnen Altholz abgegeben.

Einstimmig stimmte das Gremium dem weiteren probeweisen Betrieb der Grüngutannahmestelle in Modschiedel bis Ende 2023 zu. Zwischen sieben und zehn Tonnen werden dort monatlich abgegeben. Die Kosten dafür belaufen sich zwischen 347 und 447 Euro und werden weiter vom Landkreis getragen.

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