LICHTENFELS

TSL: Einzigartiger Verein feiert Geburtstag

TSL: Einzigartiger Verein feiert Geburtstag
Unter großem Applaus erhielten die neuen Ehrenmitglieder des Vereins aus den Händen der Vorsitzenden Stephanie Göhring ihre Urkunden: (v. li.) Karl-Hans Neubig, Karl Fenzlein und Rudi Breuning. Foto: Markus Häggberg

Die letzten Besucher gingen gegen Mitternacht, wie man hört. So müssen Feste laufen, und der Freitag brachte ein Fest mit sich. Die Turnerschaft Lichtenfels (TSL) beging ihren 175. Geburtstag. Zeit für Gäste, Ehrungen, für allerlei Rückschauen und das gute Gefühl, so etwas wie eine Großfamilie zu sein.

1450 – das ist eine Marke, wie sie als Mitgliederzahl für einen Verein in und um Lichtenfels wohl nur einmal und nur hier erreicht wird. Allerlei Besucherandrang herrschte also kurz vor 19 Uhr an der Schützenstraße 3, der Adresse für die Sporthalle, die zur Festhalle wurde. Und auch wenn an diesem Abend sehr viele Grußworte gesprochen wurden, so fielen sie zu allermeist doch unterhaltsam aus. Das hat man ja auch nicht immer.

„Das Programm wird eventuell etwas holperig werden“, befürchtete kurz nach 19 Uhr eine fröhlich wirkende Stephanie Göring an die Besucher gerichtet. Worauf die 1. Vorsitzende der TSL dabei anspielte, waren Verzögerungen beim Eintreffen der Ehrengäste. Aber all das sollte nicht sonderlich ins Gewicht fallen, denn als sie da waren, geriet der Besucher durch sie doch immer wieder an die historischen Dimensionen dieses Vereins.

TSL: Einzigartiger Verein feiert Geburtstag
Der Spielmannszug der Freien Turnerschaft Schney freute sich, an diesem Tag für die befreundete TSL aufspielen zu können... Foto: Markus Häggberg

Staatssekretär Kirchner zollt der TSL seine Anerkennung

Da wäre beispielsweise Sandro Kirchner (CSU) gewesen, seines Zeichens Mitglied des Landtags und als Staatssekretär des Innern auch den Sport im Blick habend. Der Mann zollte vor allem auch Göhring dafür Respekt, dass sie „nach einem Kaltstart und noch nicht lange im Amt, ein solches (Fest-)Programm auf die Beine stellte“. Den Sport erachtete der Politiker als eine „Stätte der Begegnung“ sowie einen Verein als einen „Heimatort, wo man sich begegnen kann“. Der Mann befasste sich im Vorfeld des Abends aber offensichtlich auch mit der frisch aufgelegten Chronik des Vereins. Und da war sie dann wieder, die historische Dimension von alledem.

TSL: Einzigartiger Verein feiert Geburtstag
Gute Laune herrschte im Festsaal und immer wieder kam Applaus für Leistungen, Gesagtes und Dargebotenes auf. Foto: Markus Häggberg

Was im Gründungsjahr alles auf dieser Welt geschehen ist

1847 gab es erstaunliche Neuerungen. Auf der britischen Kronkolonie Mauritius etwa wurden zwei Briefmarken herausgegeben, die Rote und die Blaue Mauritius. Ein schottischer Arzt testet im Selbstversuch Chloroform, und ein Turiner Arzt stellt erstmalig Nitroglycerin her. In Lichtenfels wurde die TSL ins Leben gerufen, zu einer Zeit, in welcher die Obrigkeit mit dem Vereinswesen durchaus noch fremdelte.

Doch 175 Jahre später liegt die Gewichtung anders, was Alfons Hölzl in Erinnerung rief. Auch er, der Präsident des Deutschen Turner-Bundes, war nach Lichtenfels angereist, trat beschwingt ans Mikrofon und resümierte erstaunlich zum Sport: „Wir sind Bestandteil der Demokratiebewegung in unserem Land.“

Turner-Bund-Präsident beeindruckt von der Nachwuchsstärke der TSL

Dann, ganz Turner und voll des Turnerstolzes, bemerkte er, dass er „landauf-landab davon höre, dass Kinderturnen wieder im Kommen ist“. Hölzl, selbst Trainer und noch in Turnhallen aktiv, hatte dann aber ein launiges Geständnis zu machen. „Ich habe beim Wegfahren mein Geschenk in der Kanzlei liegenlassen“, erklärte der Jurist und noch launiger fiel ihm dafür die Bezirksvorsitzende des Bayerischen Landes-Sportverbands (BLSV), Monika Engelhardt, ins Wort: „Häng' doch (bei deinem Geschenk) einfach a Null ran!“ Auf die TSL insbesondere eingehend, zeigte sich der Niederbayer Hölzl beeindruckt von der Nachwuchsstärke des Lichtenfelser Vereins, bestehe er doch zu satten 40 Prozent aus Nachwuchs.

TSL: Einzigartiger Verein feiert Geburtstag
Auch TSL-Mitglied Jasmin Macheleit hatte ihre Freude an dem ausladenden Fest-Buffet. Foto: Markus Häggberg

Es gab viele namhafte Redner an diesem Abend, die gewissermaßen als Sportler Referenz erwiesen. So wie Edwin Stark, der Gauvorsitzende des Turngaus Südoberfranken. Oder wie der Vize-Präsident des Deutschen Turnerbundes, Oskar Paulicks. Nicht zu vergessen auch der BLSV-Kreisvorsitzende Hans-Peter Dentsch.

Aber dann waren da auch noch andere Köpfe, jene aus Bezirks- und Kommunalpolitikebene. Thomas Engel, Regierungsvizepräsident von Oberfranken, stattete seinen Besuch gleichfalls ab, so wie Vize-Landrat Helmut Fischer und Dritter Bürgermeister Mathias Söllner. So weit, so hochoffiziell.

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Da schaut auch ein Staatssekretär andächtig zu. Sandro Kirchner (CSU) zeigte sich beeindruckt von den Erfolgen der TSL. Foto: Markus Häggberg

Spielmannszug des TV Schney sorgt für musikalische Stimmung

Was noch folgte, waren Abordnungen befreundeter und mit dem TSL verbundener Vereine. Sie überbrachten Geschenke oder, so wie im Falle des TV Schney, stellten gleich ihren Spielmannszug für ein Gastspiel bereit. Stimmungsvolle Marschmusik inklusive. Aber diejenige Person, der unter allen Gratulanten in der gut besuchten Festhalle das erinnerungswürdigste Lob in Richtung Stephanie Göhring gelang, war Monika Engelhardt: „Ich hoffe, ihr lasst es dieses Wochenende ordentlich krachen, damit du dann in 25 Jahren überlegen kannst, wie das zu toppen ist.“

Alles in allem bot das Festprogramm nicht nur Hörenswertes, sondern auch Sehenswertes. Da wäre beispielsweise die 122 Seiten starke neue Chronik, die sich hauptsächlich dem Geschehen der vergangenen 25 Jahre in den 18 Abteilungen umfassenden Verein zuwandte. Dies auszugsweise und mit Tonspur unterlegt auch auf Großleinwand projiziert.

Drei verdiente Männer zu Ehrenmitgliedern ernannt

Neben 28 zu Ehrenden durch den BLSV sollte es an dem Abend aber auch noch drei ganz besondere Ehrungen durch den Verein selbst geben. Mit Karl-Hans Neubig, Karl Fenzlein und Rudi Breuning wurden in Würdigung ihrer langjährigen Verdienste um den Verein drei seiner Mitglieder in den Rang der Ehrenmitglieder erhoben.

Die Geehrten

Diese Mitglieder der Turnerschaft Lichtenfels wurden für ihre Verdienste vom BLSV ausgezeichnet: Thorsten Nikol, Daniel Schmid, Frank Fischer, Stephanie Göhring, Mirjam Göldel, Bernd Goller, Siglinde Weinbeer, Thomas Werner, Klaus Kleiner, Dr. Michael Kroll, Ingrid Hofmann, Ingeborg Poltermann, Claudia Schardt, Heinrich Schulze, Margarete Braun, Margot Fischer, Walter Orlishausen, Petra Stefan, Elisabeth Wagner, Joachim Pawlik, Jürgen Betz, Rudi Breuning, Ludwig Scherer, Günther Endres, Hans-Peter Dentsch, Peter Jakoubek, Ingrid Kübrich.
 

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