LICHTENFELS

Tränen der Freude über Hilfstransport für ukrainische Kinder

Tränen der Freude über Hilfstransport für ukrainische Kinder
Beim Entladen des Hilfstransports in der ukrainischen Schule packte die Kinder und Jugendlichen mit an. Foto: red

Jubelnd empfingen die vor dem russischen Angriffskrieg aus der Ukraine geflüchteten Kinder im polnischen Lidzbark Warminski den Hilfstransport aus Lichtenfels. Ein Moment der Hoffnung und der Freude für rund 170 Kinder und Jugendliche. Nach 16 Stunden Fahrt waren Christian Krappmann und seine elf Helfer am Sonntag in der ukrainischen Schule bei Danzig angekommen, wo die Kinder Zuflucht vor den Bomben gefunden haben. Randvoll mit Spenden von Bürgern waren die sechs Transporter. Überwältigend war die Hilfsbereitschaft auf den Spendenaufruf, den der Geschäftsführer der Lichtenfelser Firma C.K. Küchen- + Möbelstudio unter dem Motto „Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine“ auf Facebook gepostet hatte.

Tränen der Freude über Hilfstransport für ukrainische Kinder
Beim Entladen der Hilfsgüter packten alle mit an. Foto: red

„Das ist ein Leid, das sich niemand hier vorstellen kann“, sagt Christian Krappmann. Etwa die Hälfte der 170 Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 16 Jahren habe ihre Eltern verloren, andere seien in den Bus oder Zug nach Polen gesetzt worden. Wenn es hoch komme, hätten sie einen Rucksack mit etwas Kleidung zum Wechseln und Waschzeug dabei, viele seien nur mit dem was sie auf dem Leib trugen, ihrem Pass und etwas Geld angekommen. Jetzt schlafen sie in der Schule auf Matratzen, die auf dem blanken Boden liegen.

„Bei manchen Kindern weiß man nicht einmal, wo sie herkommen, so traumatisiert sind sie.“
Christian Krappmann, C.K. Küchen- + Möbelstudio

„Bei manchen Kindern weiß man nicht einmal, wo sie herkommen, so traumatisiert sind sie“, berichtet Krappmann. Sie stürzten sich auf alles, das sie vom tristen Alltag und der Hoffnungslosigkeit ablenkt. Als die Türen der Transporter geöffnet wurden, standen sie Schlange, um beim Auspacken zu helfen. Und die Kartons mit Süßigkeiten waren so schnell geleert, dass sie nicht mehr ins Gebäude getragen werden mussten.

Tränen der Freude über Hilfstransport für ukrainische Kinder
Herzlicher Empfang für die Helfer aus Lichtenfels in der ukrainischen Schule in Lidzbark Warminski in Polen, wo 170 Kind... Foto: red

Gegenüber den Helfern waren sie voller Freude und Dankbarkeit. Sogar ein ukrainisches Lied sangen sie, um ihnen für die Gaben zu danken. Doch sobald sie auf den Krieg oder ihre vermissten Familien angesprochen wurden, verstummten sie. „Wir hatten Tränen in den Augen, als uns die Direktorin der Schule von einigen Schicksalen erzählte“, berichtet Krappmann.

Jacek Protas, Woiwodschaftsmarschall der Woiwodschaft Warmia i Mazury (Ermland/Masuren) bedankte sich überschwänglich bei den Helfern: „Wir freuen uns auf ihren nächsten Besuch.“ Darauf hoffen auch die Kinder. „Bitte kommt wieder“, gaben sie ihnen mit auf den Weg. „Auf dem Rückweg war es ziemlich still, so nachdenklich waren alle“, berichtet Krappmann.

2200 Kilometer in zwei Tagen zurückgelegt

Fast fünf Tonnen Spenden waren es, die die Helfer in die Schule brachten. 2200 Kilometer haben sie zurückgelegt – auf der Hinfahrt waren sie 16 Stunden lang unterwegs, auf der Rückfahrt 13 Stunden. Zuvor hatten Krappmann und seine Helfer in den Firmenräumen die Spenden in Kartons und Säcke verpackt – mit Aufklebern zum Inhalt. „Bis 1.30 Uhr waren wir in der Nacht zum Freitag am Sortieren und Verpacken“, berichtet er. In die Freude über die überwältigende Hilfsbereitschaft mischt sich allerdings auch Enttäuschung darüber, dass ein erheblicher Teil der Kleiderspenden so abgetragen oder verschmutzt war, dass sie nicht verwendet werden konnten. „Das Aussortieren hat uns viel unnötige Arbeit gekostet, deshalb appelliere ich, nur ordentliche Sachen zu spenden und keine Kleidung für Erwachsene mehr“, betont der 36-Jährige.

Tränen der Freude über Hilfstransport für ukrainische Kinder
Auf dem Weg: Die zwölf Fahrer und Beifahrer des Lichtenfelser Hilfstransports mit Christian Krappmann (Fünter v. li.) be... Foto: red

Er sammelt bereits für den nächsten Transport, der am 19. März starten soll (Infobox). Dankbar wären die Helfer, die ihre Freizeit opfern, für eine finanzielle Beteiligung an den enormen Kosten für Benzin und Maut.

Daher hat sich Krappmann besonders über die Großzügigkeit der Firma Maintal Polstermöbel und der Firma Mazak aus Strullendorf gefreut, die je einen Sprinter samt Dieselkosten zur Verfügung stellten, die Reundorfer Ortsvereine spendeten 650 Euro für Benzinkosten, zwei weitere Transporter kamen von Mercedes Benz.

Angesichts der Gräuel an Zivilisten kein Gas mehr von Putin kaufen

Während der 36-Jährige Hilfe organisiert, erhält seine Freundin, eine gebürtige Ukrainerin, ständig Hiobsbotschaften aus der Heimat. Ihre Familie, die aus einer Stadt in der Westukraine zu Beginn des Angriffs in ein Dorf ausgewichen war, musste dorthin zurück, weil die kleinen Orte von russischen Soldaten überrollt wurden.

Tränen der Freude über Hilfstransport für ukrainische Kinder
In der Turnhalle der urkainischen Schule stapeln sich die Kartons mit Spenden. Darüber freuen sich Christian Krappmann (... Foto: red

In der Stadt sei es zwar noch relativ ruhig, doch ständig schreckten die Menschen wegen Explosionen auf. Gezielt würden Sendemasten und Funkstationen angegriffen. Russische Saboteure streiften durch die Stadt und malten rote Kreuze auf die Dächer, um sie als Ziele für Bombardierungen zu markieren. Gezielt würden Wohnhäuser beschossen. Die Lebensmittelversorgung werde zunehmend schwieriger.

Angesichts der brutalen Angriffe auf Zivilisten fordert Christian Krappmann die Politiker auf, den Kauf von Gas, Öl und Kohle in Russland einzustellen: „Wenn wir Putin weiterhin Energie abkaufen, finanzieren wir alle seinen Krieg mit.“

Was für den Hilfstransport am 19. März benötigt wird

• Hygieneartikel: Duschgel, Shampoo, Zahnhygiene, Damenhygiene, Windeln, Feuchtücher, Seife

• Erste Hilfe: Verbandsmaterial, Verbandspflaster (Rollen), Desinfektionsmittel, Handschuhe (steril oder nicht steril), Erste-Hilfe-Sets zum Mitnehmen (keine Hartschale, auch abgelaufen), Ibuprofen, Paracetamol (Schmerzlinderung), Mittel gegen Durchfall, Antibiotika, Glucose, fiebersenkende Medikamente

• Haltbare Lebensmittel: Nudeln, Reis, Konserven, Tee (keine Gläser), Babynahrung, Baby-Hygiene

• Sonstiges: Isomatten, Schlafsäcke, Koniotomie-Set für Notfälle, Blutttansfusionssysteme, Katheter, Infusionssysteme, Feldbetten, Matratzen (guter Zustand), Klebebänder, Thermounterwäsche, Warme Socken, Handschuhe.

Es wird gebeten, die Spenden in Kartons zu verpacken (zugeklebt und beschriftet, keine Säcke). Kleidung, Decken oder Bettwäsche sollten nicht mehr gespendet werden. Es sei genug vorhanden.

Spenden können werktags von 10 bis 18 Uhr im C.K. Küchen- + Möbelstudio in der Schwabenstraße 20a abgegeben werden.

 

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