LICHTENFELS/JOHANNISTHAL

Tom Sauer: „Wir konnten viel erreichen“

Sofia Öttl hofft auf Wintersemester mit Präsenzunterricht
Ein herzliches Willkommen gab es für Tom Sauer (3. v. li.) in der Stadt Brosna. Dafür sorgte die dortige Bürgermeisterin mit Musik in traditioneller Kleidung. Foto: Rainer Glissnik

„Wir konnten zusammen ganz viel erreichen“, ist Tom Sauer aus Johannisthal allen von ganzem Herzen dankbar, die über die „Aktion Roman“ notleidenden Menschen in der Ukraine halfen. Zum dritten Mal ist der Vorsitzende der „Humanitären Hilfe für Menschen in Not“, Tom Sauer für die „Aktion Roman“ in die kriegsgebeutelte Ukraine gefahren. Mit den Spendengeldern konnte über die mitgebrachten Hilfsgüter hinaus auch noch in der Hauptstadt Kyiv viel gekauft und zu notleidenden Menschen transportiert werden.

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Die Kinder in Brosna waren glücklich über die Hilfe und noch mehr über die Herzlichkeit des Helfers. Foto: Rainer Glissnik

Viel mehr als nur Hilfsgüter bringt Tom Sauer zu Menschen in die Ukraine, die in großer Not sind. Im Gepäck hat er seine Gitarre und jede Menge Lächeln und Freude. Singen, tanzen, klatschen – und dazu ein paar nicht nur notwendige Spenden, sondern auch etwas das zusätzlich Freude macht. Es sind einfach vor allem die Begegnungen von Menschen, die über die Hilfen hinaus reichen.

Die Psyche dieser Menschen in der Ukraine ist am Anschlag. Die einen leben nur in Angst und sehen keine Zukunft mehr, andere blenden sich aus. Die Mittelwege verlieren sich zunehmend, erkennt er eine Veränderung. Die Zuversicht auf ein gutes Leben in Frieden lässt nach. Umso erfreuter reagierten die Menschen auf die Musik, die Tom Sauer mitbrachte. Musik ist etwas Verbindendes. Das geht über alle Sprachgrenzen hinweg.

„Tom hat jetzt in der Ukraine dazu gekauft und eingeladen“, erklärte zwischendurch Roman Grycak, der die Hilfsfahrt von Johannisthal aus begleitete. Ziel der Fahrt war diesmal die 10.000-Einwohner-Stadt Borsna, 159 Kilometer nordöstlich von der Hauptstadt Kyiv entfernt. Die örtliche Bürgermeisterin und die Gemeindeverwaltung kümmern sich mit um die Verteilung. Dort geht es zu Kindergärten, Schulen und armen Familien.

„Wir haben in Kyiv zugeladen, das hat recht lange gedauert“, meldete sich Tom Sauer. Mit Spendengeldern aus der Region Kronach-Coburg-Kulmbach-Lichtenfels wurde hier in einem ukrainischen Supermarkt günstig eingekauft, was den Menschen im Zielgebiet vor allem fehlt. „Das war ein Kraftakt auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Supermarktes.“

Begleitet wurde Tom Sauer von einem ukrainischen Fahrzeug einer dortigen zuverlässigen Hilfsaktion, das auch mit den durch die Spendengelder eingekauften kostbaren Dinge vollgeladen wurde. So wurden auch Transportausgaben gespart. Nachmittags kamen die beiden Fahrzeuge in Borsna an. Völlig überrascht wurden die beiden Fahrer und die Dolmetscherin von einem unglaublich herzlichen Empfang und von Menschen mit traditioneller Kleidung. „Es waren Schulkinder da, die mir kurz etwas auf Deutsch vortrugen.“ Dazu eine musikalische Darbietung und eine Dankesrede. Die Bürgermeisterin fragte den Helfer aus Deutschland nach seinen Beweggründen.

Weiter ging es zu Menschen, die Hilfe erhalten sollten. Zunächst in eine Schule mit den Klassen eins bis elf. Im Lauf der nächsten Jahre soll eine 12. Jahrgangsstufe aufgebaut werden. „Diese Schule war mit einer unglaublichen Ausstellung über die Geschichte der Ukraine und dieser Stadt eingerichtet.“ Die Schulleiterin sprach richtig gut deutsch. Tom Sauer nahm seine Gitarre heraus und es entstand eine richtig gute Stimmung. „Es war eine sehr schöne Begegnung.“

Bei einem Krankenhaus Hilfsgüter abgeladen

Nun ging es weiter zu einem Krankenhaus. Hier wurden die für dort bestimmten Hilfsgüter abgeladen. Aus Tschechien waren hier wirklich sehr gute Geräte gespendet worden. Alle mitgebrachten Hilfen waren wirklich sinnvoll, weil dieses Krankenhaus sehr breitgefächert aufgestellt ist. Es gibt ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Der Keller war zum Luftschutzbunker umgebaut.

Jetzt ging es zu einer Schule mit Grund- und Mittelstufe. „Diese Schule ist in einem völlig maroden Zustand“, ist Tom Sauer entsetzt. Der dort angetroffene Schutzbunker war modrig. Das Lüftungssystem funktionierte nicht. „Da fehlen einfach die Gelder.“ Bei Luft- oder Artillerieangriffen ist es den Schülerinnen und Schülern unmöglich, hier Schutz zu suchen.

Es ging zu einem weiteren kleinen Krankenhaus. Eher eine Arztpraxis, in der Leute ambulant betreut werden. Zwei ältere Ärztinnen und ein weiterer Arzt opfern sich hier auf. Wer hier übernachten muss liegt wohl schon im Sterben. Auch hier Moder, die Fenster können nicht geöffnet werden. Sonst würde die hohe Luftfeuchtigkeit verloren gehen und die trocknenden Balken könnten einstürzen. „Eine richtig heftige Situation.“ Höchste Zeit zum vorgesehenen Besuch von Familien. Es waren eindrucksvolle Begegnungen, berichtet Tom Sauer. Einige hatten Kinder mit Behinderungen.

„Das waren sehr, sehr schöne und herzergreifende Momente.“ In Tüten verpackte Lebensmittel wurden vorbeigebracht. Immer zwei Tüten für eine Familie. Auch der begleitenden Dolmetscherin und dem anderen Fahrer tat es sichtlich gut, die Unkompliziertheit des deutschen Helfers zu mitzuerleben. „Die Begegnungen waren enorm wichtig für mich. Ich hatte immer die Gitarre dabei und ein kleines Lied gespielt. Dann mussten wir schon weiter.“

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Unvergesslich waren für Tom Sauer die Besuche bei Familien, die sich riesig über die Hilfe aus Deutschland freuten. Foto: Rainer Glissnik

Der Tag war nicht zu Ende. Die Bürgermeisterin von Borsna hatte zu einem Abendessen eingeladen. Der Tag war richtig schön, aber auch unglaublich anstrengend. Danach wurde er aufgrund des Sicherheitsrisikos aufgefordert, nicht in der Stadt zu bleiben, sondern sich in ein zehn Kilometer entferntes Dorf bringen zu lassen. Das war schon mit dem Militär vereinbart, das ihn begleitete. Sein Kleinbus war auch an einen sicheren Ort gebracht worden.

Dreifache Menge an Hilsgütern gebracht

Die dritte Hilfsfahrt war äußerst effektiv. Mit dem Kleinbus und Hänger wurden Hilfsgüter von hier in die Ukraine zu Menschen in Not gebracht. Dann wurde für das Spendengeld neu eingekauft, was für Tom Sauers Fahrzeug und einen weiteren vollen Kleintransporter reichte. So konnte diesmal gleich nahezu die dreifache Menge an Hilfsgütern zu notleidenden Menschen gebracht werden. Tom Sauer ist den Spenderinnen und Spendern sowie allen dankbar, die mit ihren Aktionen beitrugen, dass das Geld zusammenkam, um so viel zu bewirken.

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Die Kinder von Brosna ließen sich durch die Musik berühren. Für einige Momente vergaßen sie das derzeitige Elend in ihre... Foto: Rainer Glissnik

„Da haben sich auch die Kilometer gelohnt.“ Von Herzen denkt er dankbar an alle Mitwirkenden, etwa die Siegmund-Loewe-Realschule und den Sponsorenlauf des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. Danke auch an alle anderen Schulen und Organisationen, die mithalfen. Damit kann vor allem Kindern in ärmeren und besonders notleidenden Regionen geholfen werden. Durch diese Spendengelder konnte in einem riesigen Einkaufszentrum der Hauptstadt Kyiv vieles besorgt werden, was dringend benötigt wird. Insbesondere Lebensmittel und Babynahrung. „Das macht Sinn und lohnt sich.“

„Ungemein freundliche und überraschende Begegnungen“

Borsna ist ein sehr ländliches Gebiet. „Es waren ungemein freundliche und für mich überraschende Begegnungen“, beschreibt Tom Sauer, als er schon auf der Rückfahrt von dort ist. „In den kleinen Dörfern war die Armut bedrückend spürbar. Die Menschen waren so demütig gegenüber ihrer Situation und dankbar. Mir ist da mein Herz aufgegangen.“

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Musik bringt Licht in die Dunkelheit. Dies erfuhr Tom Sauer, wenn er in der Ukraine seine Gitarre herausnahm und mit den... Foto: Rainer Glissnik

Es wurde auch vieles bei der Gemeinde hinterlassen, die sich um die weitere Verteilung kümmert. Wo man sich hundertprozentig verlassen konnte wurden auch noch Spendengelder übergeben. Wenn die Schulen und Kindergärten im September wieder beginnen wird noch viel an Hilfsgütern vorhanden sein. So wird die Hilfe über einige Wochen andauern.

Mittlerweile übernachtete Tom Sauer in Lwiw (Lemberg). Am nächsten Tag fuhr er mit der dortigen Hilfsorganisation zu Flüchtlingen aus dem Kriegsgebiet, die außer wirklichen Notunterkünften keine Unterstützung haben. Zuvor hatte er in Kyiv nochmal für tausend Euro eingekauft. Auch dort brachte er Lebensmittel hin. Die Väter und erwachsenen Brüder sind meist im Krieg. Für die Geflüchteten der heftig umkämpften Gebiete ist die Situation besonders schwer. Mittlerweile ist Tom Sauer erschöpft, aber zufrieden angekommen. Die Menschen in der Ukraine sind ihm sehr präsent.

 

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