LICHTENFELS

Tolle Tage beim Lichtenfelser Fasching

Der Lichtenfelser Marktplatz samt Rathaus in alter Zeit mit einem Wasserfeuerwerk im Floriansbrunnen. Foto: Karlheinz Hößel

Für viele Menschen ist in Vor-Corona-Tagen der Fernsehfasching aus Veitshöchheim unverzichtbarer Bestandteil der tollen Tage mit seinen unterschiedlichen Darbietungen von den Tanzmariechen, über die politische Satire bis zu den schon Kult gewordenen Fürther Komikern Volker Heißmann und Martin Rassau als „Waltraud und Mariechen“.

Aber selbstverständlich wollen viele nicht nur zuschauen, sondern vor der Pandemie aktiv am Geschehen teilnehmen. Sei es bei einem der Wagenumzüge, die nicht nur in den Städten, sondern auch in vielen kleineren Orten üblich sind, sei es an einem der von den zahlreichen Vereinen organisierten Kappenabenden oder Prunksitzungen.

Beim Karnevall herrschte auch im Jahr 1905 viel Spaß und Vergnügen. Foto: Karlheinz Hößel

Neben diesen halb offiziellen, zumeist sehr gut organisierten Veranstaltungen gibt es aber auch den Kneipen- und Straßenfasching, das Feiern und das Ausleben der Lust am Anarchischen in seiner vielleicht ursprünglichsten Form. Da darf nach Herzenslust getrunken, getanzt, gelacht und geflirtet werden, ohne auf Konventionen oder die Sperrstunde achten zu müssen.

Dass dieser Spaß am Aus-der-Rolle-fallen, an dem bisschen Freiheit mehr gegenüber dem grauen Alltag nichts Neues ist, dass die Freude an Lust und Laster, zumindest in ihren gemäßigten Formen, weit zurückreicht, lässt sich auch für eine kleine Stadt wie Lichtenfels, fernab der Karnevalshochburgen, recht gut belegen.

Faschingstreiben und Verbote

Der Clown darf zum Carnevalstanz im Jahr 1905 nicht fehlen. Foto: Karlheinz Hößel

Mit den ältesten Zeugnissen erreichen wir das 18. Jahrhundert, und schon damals hat die Obrigkeit sich bemüht, die Dinge unter Kontrolle zu halten. Bereits 1749 erhielt die 17-jährige Tochter des Bürgers Johann Herreth eine empfindliche Geldstrafe, weil sie während der Faschingstage den nächtlichen Weg eines jungen Handwerkers durch die Stadt zu seiner Geliebten mit Sägemehl nachgezeichnet hatte. So konnte am nächsten Morgen jedermann von der heimlichen Beziehung wissen, wodurch die beiden Liebenden natürlich gänzlich kompromittiert waren. Ob da wohl Eifersucht im Spiel war?

Überhaupt spielt die erotische Komponente im Fasching schon immer eine nicht zu unterschätzende Rolle. Zwei Jahre nach der Sägemehlgeschichte verbot der Bamberger Bischof die unanständigen Tänze, worunter vor allem der Scheibentanz und der Flortanz zu verstehen waren.

Der Scheibentanz, eine Art Ländler, hatte sich im 18. Jahrhundert von Österreich her vor allem im süddeutschen Raum stark verbreitet. Dabei fassen sich die Tanzenden an den Händen und drehen sich, und der Herr legt schließlich seine Hände sogar auf die Hüften seiner Tanzpartnerin.

Der Scheibentanz, eine Art Ländler hatte sich im 18. Jahrhundert von Österreich her vor allem im süddeutschen Raum stark... Foto: Karlheinz Hößel

Die Behörden hatten das Verbot streng zu überprüfen und zu kontrollieren. Übeltäter wurden hart bestraft. Für Männer waren sogar mehrere Tage Schanzarbeit, also harte körperliche Arbeit bei Bauarbeiten, vorgesehen. Und die Wirte, die solches Tanzen gestattet hatten, wurden mit Strafen von bis zu zehn Reichstalern belegt. Noch einmal vier Jahre später, zu Beginn des Siebenjährigen Kriegs, wurden dann kurzerhand während der Faschingszeit alle Tanzveranstaltungen verboten.

Der erste Lichtenfelser Faschingsumzug

Zeigte sich das 18. Jahrhundert, das Zeitalter der Aufklärung und der Vernunft, also eher etwas lustfeindlich und freudlos in Bezug auf Faschingsvergnügungen, war man im 19. Jahrhundert dem gegenüber positiver eingestellt. In Lichtenfels entstand 1858 die Gesellschaft „Flora“, deren Ziel es war, einen öffentlichen Umzug durch die Stadt zu organisieren und „Tanz und Mummenspiel“ für alle anzubieten.

Dieser erste quellenmäßig fassbare Lichtenfelser Faschingsumzug zeigte Bilder aus dem Stadtgeschehen, war also den modernen Umzügen gar nicht unähnlich. Was da aber geboten wurde, scheint für die Obrigkeit doch etwas zu derb und zu kritisch gewesen zu sein, weshalb schon nach wenigen Monaten die Gesellschaft wieder aufgelöst werden musste. Den jungen Akteuren, allesamt noch unselbstständig und bei den Eltern lebend, wurdeeine weitere Betätigung in dieser Richtung hin verboten.

Die Feierlaune war den Lichtenfelsern damit allerdings mitnichten vergangen. Im Gegenteil: Schon in den folgenden Jahren gab es zwei neue Narrentruppen in der Stadt, das „Krähwinkler Heer“, das seinen Stammsitz beim „Zeders Peterle“ in der Coburger Straße 26 hatte, und die „Maskierte Akademie Aha“. Fürs Jahr 1859 richteten beide zusammen mit dem Musikverein einen großen Faschingsball in der „Goldenen Krone“ aus.

Karnevalsvereine und Feuerwerk

Danach hört man für über 20 Jahre kaum mehr Nennenswertes vom Faschingstreiben, bis in den 80er Jahren die Freude am Trubel wieder wächst. So gehörte 1882 der Marktplatz für einen Tag einer Jongleurtruppe, die mit einem Wasserfeuerwerk im Floriansbrunnen, mit einem verzauberten Bierfass, einer „großen Explosion von hinten“ und einem Trab-Rennen von Seubelsdorf nach Lichtenfels Stimmung in die Stadt brachte.

1888 bildete sich sogar ein Karnevalsverein, der ganz im Geist der Zeit – Deutschland hatte nämlich damals Kolonien fast überall auf dem Globus in Besitz genommen – einen Festzug durch die „Lichtenfelser Kolonien“ abhielt. Darunter waren die neuen Stadtteile Oberer und Unterer Anger sowie die äußere Bamberger Straße zu verstehen. Die Weltreise fand ihr Ende und ihren Höhepunkt im Gasthaus Krauß, dem Bürgerbräu.

In den folgenden Jahren sah Lichtenfels noch viele Faschingsumzüge und auch eine Reihe verschiedener Veranstalter, so den „Cylinderclub“, den „Pritschkogelclub“ und die „Menascherie Hafenbeck“.

Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die öffentlichen Umzüge seltener, doch das Treiben in den Lokalen dafür immer ausgedehnter und bunter, wobei die „Bärenklause“ und der „Preußische Hof“ die zentralen Lokalitäten waren. 1911 hören wir für eine ganze Zeit lang von einem letzten großen Faschingstreiben, organisiert durch einen Zirkusdirektor Sutero.

Der eher private Fasching im Bekanntenkreis, in Gaststätten und Lokalen blieb denn auch für die nächsten Jahrzehnte die bevorzugte Art, in Lichtenfels den Fasching zu feiern. Allerdings gab es natürlich auch immer wieder Versuche, größere Aktionen umzusetzen. Wie bei vielen anderen Aktivitäten auch, war die problembeladene Mitte des 20. Jahrhunderts dem Faschingstreiben nicht günstig, obwohl auch hier die Kontinuitätslinie niemals ganz abriss.

Erst ab 1950 begann man wieder an größere Aktivitäten zu denken und die bis heute beliebten Kinderumzüge wurden ins Leben gerufen.

Neue Ansätze und alte Gaumenfreuden

In den vergangenen Jahren ist es dann vor allem der Reundorfer Faschingsverein „Die Maapiraten“, der, 2011 gegründet, mit zahlreichen Aktivitäten für einen lebendigen Fasching sorgt. Da wird das Rathaus gestürmt, Theater gespielt, da werden Feste und Ausflüge organisiert.

Und wenn auch all diese Dinge nun schon zum zweiten Mal nur sehr beschränkt stattfinden können, sollte der Fasching nicht ganz vergessen werden. Genießen wir zumindest die Faschingskapfen in all ihren leckeren Varianten und die zahlreichen herzhaften Speisen, die in der Faschingszeit angeboten werden. Und Lustigsein geht vielleicht auch ohne Faschingstreiben.

Fränkischer Humor

Den Franken wird ein besonders trockener, bisweilen auch etwas derber Humor nachgesagt. Hier eine kleine Kostprobe:

Steht ein Mann in Badehose mitten im Main und füllt einen Maßkrug mit Mainwasser und will gerade trinken, als vom Ufer her ein Franke zu ihm hinüberbrüllt:

„Häi, du da, wass machsd?n da? Bisd a wenig blöd? Du kannst doch ned die dreggerde Brüh sauf. Da wirsde doch grank und griechsd an saggrischen Dünnpfiff und oben raus kummds beschdimmd a! Di? Hünd und die Kadssn scheiß?n nei; dess is doch alles mit Baggderien und Vir?n verseuchd. Wenn?s blöd kummd, mussdä sogoar ganz elendich verregg. Da kann dir dann fei kenner mehr helf!“

Der Mann im Main schaut ihn an und fragt: „Woss soagst? Redsd du ka bayrisch, Bazi?“

Darauf schreit der Franke in perfektem Hochdeutsch: „Gaanz langsam trinken, das Wasser ist seehr kalt!“

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