LICHTENFELS

Till Mayer gewinnt beim Coburger Medienpreis doppelt

Gleich doppelt punktete OT-Redakteur Till Mayer am vergangenen Donnerstag Abend bei der Online-Verleihung des 8. Coburger Medienpreises, der alle zwei Jahre außergewöhnliche Arbeiten von Journalisten und Kreativen auszeichnet. Er gewann mit seinem Ausstellungsprojekt „Erschüttert“ in der Kategorie „Schöpfung“ regional und bundesweit.

Für den Preis 2020 erhielt der veranstaltende Medienclub Coburg über 100 Einsendungen aus ganz Deutschland, welche die Jury, bestehend aus Professor Dr. Olaf Hoffjann, Dr. André Haller und Thomas Nagel, bewertete und die Sieger unter den Nominierten kürte.

Klassischer Foto-Journalismus neu interpretiert

„Nicht nur die Zahl der Bewerbungen war beeindruckend, auch die Qualität der Wettbewerbsbeiträge war absolut herausragend“, so Medienclub-Vorsitzende Anja Hampel. Pandemie-bedingt fand die Veranstaltung im Rahmen einer Online-Preisverleihung statt und wurde in der Digitalen Manufaktur in Rödental aufgezeichnet. Um die Atmosphäre einer Gala in diesen Live-Stream einfließen zu lassen, präsentierte man zunächst einen Rückblick auf das vergangene Event im Jahr 2018 mit über 350 Zuschauern. Auch damals wurde Till Mayer mit seinem Team für ein multimediales Projekt ausgezeichnet.

Diese Impressionen ergänzt um die musikalischen Einlagen des Coburger Loop-Künstlers „HeToldMeTo“ schufen einen lebendigen Ablauf, bei dem alle Nominierten vorgestellt wurden und neben den Laudatoren auch die Sieger zu Wort kamen.

Zum großen Sieger des Abends wurde Till Mayer, Redakteur beim Obermain-Tagblatt, da er den Coburger Medienpreis aufgrund der hohen Punktzahl sowohl auf regionaler als auch auf nationaler Ebene abräumen durfte. Seine Nominierung und dieser Doppelsieg in der Kategorie „Schöpfung“ überraschte Anja Hampel nicht. Sie lobte das innovative multimediale Konzept, das klassischen (Foto-)Journalismus neu interpretiert. Die Auszeichnung gebührte seiner multimedialen Ausstellung „Erschüttert – Einschläge, die alles ändern“, welche Menschen porträtiert, deren Leben durch Kriegsfolgen massiv erschüttert wurden.

Gemeinsames Projekt mit Handicap-International

Über das gemeinsame Projekt mit der Hilfsorganisation Handicap International erklärte Till Mayer: „,Erschüttert' hatte 2019 einen verheißungsvollen Start im Bundestag und war von Anfang an sehr gut gebucht von Schulen, Kirchen und Institutionen. Dann kam Corona. Für die Schularbeit war und ist die Präsenz-Ausstellung jetzt nicht nutzbar. Museen und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen. Daher steht die Ausstellung, auch dank Unterstützung des Entwicklungsministeriums, jetzt vollständig digitalisiert im Netz.“ Aufgrund der Pandemie wurde die digitale Ausstellung im Netz (www.erschuettert.org) aufgewertet. Unter anderem mit einem eigens gefilmten Vortrag.

Über die zweifache Auszeichnung zeigte sich Till Mayer, der den Coburger Medienpreis nun bereits zum fünften Mal erhielt, dankbar und glücklich. „Diese Auszeichnung ist ein wichtiges Qualitätssiegel für das Projekt. „Erschüttert„ entstand in Zusammenarbeit mit der Hilfsorganisation Handicap International, die in rund 60 Ländern aktiv ist. Die Organisation ist Co-Preisträgerin des Friedensnobelpreises.

Schicksale durch den Krieg erschüttert

Die Protagonisten der Ausstellung haben eines gemeinsam – es sind ihre Leben, die durch Krieg erschüttert wurden. Dabei erzählt Mayer die Geschichten unterschiedlicher Menschen und zeigt in ausdrucksstarken schwarz-weiß Fotografien, welche körperlichen und seelischen Narben bleiben. Der Bauer aus dem Kongo, der bei der Explosion einer Granate ein Bein verliert. Die alte Frau aus der Ostukraine aus dem Dorf nahe der Frontlinie, in dem fast nur noch Greise geblieben sind. Oder das Mädchen im Irak, das ein Bein, den Bruder, die Mutter verliert, weil Kämpfer ihre Heimat Mossul mit Sprengsätzen verseucht haben. Sie alle sprachen mit ihm darüber, welches Leben sie durch diese Erschütterungen verloren haben.

Die Ausstellung selbst ergänzte Mayer um einen Video-Vortrag, bei dem er diese Porträts nicht nur szenisch vorstellt, sondern immer wieder gezielt durch persönliche Worte ergänzt, während er sich als Erzähler selbst zurücknimmt, schwarz gekleidet vor einem schwarzen Hintergrund. Dies alles zeigt, wie wichtig es dem Journalisten ist, davon zu berichten, andere Menschen zu bewegen. Dass er sich selbst von dieser emotionalen Betroffenheit nicht löst, erkennt man an seiner authentischen und persönlichen Erzählweise im Video.

Mit Klischee aufgeräumt

Zur Ausstellung selbst sagte der Journalist Mayer und räumte dabei gleichzeitig mit einem Klischee auf: “Besteht ,Erschüttert' wieder nur aus traurigen Geschichten aus einer chaotischen und grausamen Welt? Nein. Denn trotz ihrer Schicksalsschläge sind die Protagonisten der Ausstellung Mutmacher und Mahner gegen die Bombardierung der Zivilbevölkerung. Gerade die Entwicklung in der Ostukraine und der dortige Konflikt, der seit 2017 im Fokus meiner Arbeit steht, zeigen: Es ist brandgefährlich, wegzuschauen.“

Dankend und mit wertschätzenden Worten für seine Projektpartner nimmt Till Mayer den Preis an diesem Abend entgegen. Wie immer fand er direkte Worte, deren Botschaft unmittelbar ist: “Wenn ich an meine Arbeit als Foto-Journalist denke, dann erlebe ich immer wieder, dass es für meine Interviewpartner oft schmerzhaft ist, mir von ihren Schicksalen zu erzählen. Häufig ist es nicht lange her, dass sie geliebte Menschen verloren haben. Dass sie mir trotzdem ihre Geschichte geben, dafür bin ich sehr dankbar.“

Bei der Verleihung sagt er: „Corona schränkt das Leben von jedem von uns ein. Für viele in einem schwer ertragbaren Ausmaß. Bei all dem dürfen wir aber nicht vergessen: Gerade in diesem Augenblick werden Zivilisten bombardiert und ihre Leben erschüttert. Die Betroffenen müssen nicht nur mit den Folgen der Pandemie kämpfen, sondern grausame Kriege überleben.“

In wenige Wochen ist es wieder soweit. Till Mayer plant eine Reise in die Schützengräben des Donbas. Er wird Schicksale aufnehmen. Mit klarer Sprache und emotionalen Bildern wird er zeigen, dass es einen Krieg mitten in Europa gibt.

Manuel Stark weiterer Sieger

Auch Manuel Stark aus Marktzeuln gehörte zu den Siegern dieses Abends. Er erhielt in der Kategorie „Wellenschläger regional“ den Coburger Medienpreis für seine Geschichte „Meine Oma ist eine ganz normale Rentnerin – warum geht sie putzen?“ in der Zeitung „Die Zeit“. Über seinen Preis folgt ein gesonderter Bericht.

Die weiteren Preisträger

Die weiteren Preisträger:

• „Nachwuchs“, Oberfranken: Cindy Dötschel (Sonnefeld): „Vier Kleidergrößen in drei Jahren“, veröffentlicht im Fränkischen Tag

• „Nachwuchs„National“: Prof. Janis Brinkmann und seine Projektgruppe der Hochschule Mittweida: Digitalprojekt „Sturm über Chemnitz“

• „Wellenschläger“, National: Petra Sorge: „Vergiftetes Dorf“, veröffentlicht im Spiegel

• „Schöpfung“, National: Malcolm Ohanwe und Kokutekeleza Musebeni vom Bayerischen Rundfunk mit ihrem Radiofeature „Afroshops – Haare, Haut und Schwarzes Deutsches Unternehmertum“

• „Schöpfung“, National: Sebastian Schneider für seine Multimedia-Reportage „Am Rande der Hoffnung“

Die Preisverleihung gibt es unter www.medienclub-coburg.de zu sehen.