LICHTENFELS

Theateraufführung für Mittelschüler: alles nur ein Witz?

Theateraufführung für Mittelschüler: alles „nur“ ein Witz?
Endlich wieder ein Schulausflug, der großen Anklang sowohl bei den Lehrkräften als auch bei den Schülerinnen und Schülern fand. Darüber freuten sich der Schulleiter der Herzog-Otto-Mittelschule Lichtenfels, Bernd Schick (re. hi.) und Deutschlehrerin Silke Schaible (li. daneben) v... Foto: Marion Nikol

Arthur wäre namenstechnisch fast ein Adolf geworden. Das jedenfalls berichtet der Schüler in der Pause des Theaterstücks „Der Vorname“, das am Dienstagvormittag in der Stadthalle Lichtenfels exklusiv für die neunten und zehnten Jahrgangsstufen der Mittelschulen im Landkreis aufgeführt wurde.

Dass sein Vorname eher mit einer Legende als mit dem „Dritten Reich“ in Verbindung gebracht wird, freut Arthur natürlich. Aber, und da sind sich seine Kumpels Julian und Noah ebenfalls einig: Adolf sei „halt auch nur ein Name“, und die hitzige Diskussion wie sie auf der Bühne bislang gezeigt wurde, komme „schon ein wenig übertrieben rüber“.

Ähnliche Meinungen waren von Seiten vieler Schülerinnen und Schüler zu vernehmen, die gemeinsam mit ihren Lehrkräften in die Stadthalle gekommen waren, um sich die Aufführung des Maßbacher Theaters anzusehen. Rund 250 junge Menschen und fast zwei Stunden Ruhe im Publikum – das konnte nur bedeuten, dass die Gesellschaftskomödie durchaus Anklang fand.

Besonders erfreut darüber zeigte sich der Schulleiter der Herzog-Otto-Mittelschule Lichtenfels, Bernd Schick, der den schulübergreifenden Theaterausflug initiiert hatte: „Ich freue mich, dass das Ganze heute so gut funktioniert und die Schülerinnen und Schüler das Stück tatsächlich aufmerksam verfolgen.“

Maßnahme im Themenbereich „Erziehung und Werte“

Theateraufführung für Mittelschüler: alles „nur“ ein Witz?
Auch wenn es „nur ein Name ist“, würden Julian, Noah und Arthur (v.li.) ihr Kind einmal nicht „Adolf“ nennen. Foto: Marion Nikol

Die Idee für den Ausflug entstand schon im letzten Jahr, als Bernd Schick gemeinsam mit dem Schulpsychologen Steffen Biskupski überlegte, wie sich der Themenschwerpunkt „Erziehung, Werte und Schulleben“ für das Schuljahr 2022/23 gestalten ließe. „Wir haben unter anderem eine Umfrage zum Thema Mobbing und Beleidigung durchgeführt und hierbei direkte Vorschläge bekommen, das Thema doch auch mal im Rahmen eines Films oder Kinobesuchs zu behandeln“, berichtet Bernd Schick. „Als ich dann von der Theateraufführung erfahren habe, dachte ich mir, dass das gut passen würde.“

Gedacht, getan: Nach einer Anfrage beim Kulturring Lichtenfels setzt dessen Geschäftsführer Stephan Franke alle Hebel in Bewegung, um eine Schulaufführung an einem Vormittag möglich zu machen. Bernd Schick wiederum holt weitere Mittelschulen aus dem Landkreis ins Boot, die sich dem Vorhaben gerne anschließen.

Impulse für Nachbereitung im Unterricht

Theateraufführung für Mittelschüler: alles „nur“ ein Witz?
Rund 250 Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Jahrgangsstufen der Mittelschulen im Landkreis Lichtenfels ver... Foto: Marion Nikol

Nun galt es noch zu entscheiden, welche Altersgruppen man am besten mitnehme. „Uns war es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler das Stück nicht unreflektiert ansehen. Da der Nationalsozialismus erst am Ende der achten Klasse behandelt wird, haben wir uns dafür entschieden, den Ausflug für die neunten und zehnten Klassen zu organisieren“, so Bernd Schick.

Die Auseinandersetzung mit den im Theaterstück behandelten Themen – seien es Klischees, Vorurteile, Respekt, Homosexualität oder auch der Nationalsozialismus – soll aber nicht mit Verlassen der Stadthalle enden. Wie Bernd Schick betont, erhalten die Lehrkräfte im Nachgang ein Angebot für eine entsprechende Nachbereitung: „Wir geben hier Impulse für die Nachbesprechung an die Hand, überlassen es aber natürlich jeder Lehrkraft, in welcher Form das Ganze letztlich weiter im Unterricht aufgegriffen und behandelt wird.“

Auch die Frage, was es für Konsequenzen hat, in sensiblen Themenbereichen „nur“ einen Spaß machen zu wollen – wie es einer der Protagonisten im Theaterstück tut – bietet laut Bernd Schick Anlass für konstruktive Diskussionen im Klassenverbund. Dem pflichtete auch der Schülersprecher der Herzog-Otto-Schule, Erik Pinter, bei: „Es macht auf jeden Fall Sinn, im Unterricht darüber zu reden, wie man damit umgeht, und dabei natürlich auch die Vorgeschichte zu beachten.“

Tolerant handeln und Respekt zeigen

Theateraufführung für Mittelschüler: alles „nur“ ein Witz?
Sichtlich Spaß am Schulausflug hatten auch die Schülerinnen und Schüler der Adam-Riese-Mittelschule Bad Staffelstein. Foto: Marion Nikol

Über das Theaterstück hinaus plant die Herzog-Otto-Schule weitere Projekte, die dem Themenbereich „Erziehung, Werte und Schulleben“ im Zuge der strukturierten Schulentwicklung gerecht werden. Im Rahmen eines Schulforums sollen beispielsweise jeweils drei Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler und Eltern konkretisieren, was es bedeutet, Respekt zu haben und tolerant zu handeln. Denn wie sich ebenfalls in einer Umfrage unter den Lehrkräften, Mitarbeitern, der Schülerschaft und den Eltern gezeigt hat, steht bei allen vier Personengruppen der Wert „Respekt“ ganz klar an erster Stelle.

Respekt zollten jedenfalls auch die Schülerinnen und Schüler den Darstellern des Maßbacher Theaters, indem sie die Aufführung aufmerksam verfolgten. Auch die Lehrkräfte, darunter die Deutschlehrerin Silke Schaible von der Mittelschule Altenkunstadt, zeigten sich sehr angetan von der Veranstaltung und waren sich einig, dass es künftig gerne häufiger derartige Formate und schulübergreifende Ausflüge geben dürfe.

 

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