LICHTENFELS

Steigende Ausbildungszahlen bei Pflegefachkräften

Prof. Dr. Mathias Drossel, Leiter der Bamberger Akademien für Gesundheits- und Pflegeberufe. Foto: red

An den Bamberger Akademien für Gesundheits- und Pflegeberufe, der größter Anbieter für die Aus- und Weiterbildung im Pflege- und Gesundheitswesen in Oberfranken, haben im vergangenen September 112 Personen die dreijährige Ausbildung zum Pflegefachmann/zur Pflegefachfrau begonnen. Die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer starteten 32 Personen. Mitten in der Corona-Krise also.

Die Bewerbungen für dieses Schuljahr wurden zwar zirka ein Jahr zuvor, das heißt im September 2019, angenommen, doch auch im Frühjahr 2020 sei die Nachfrage noch groß gewesen, sagt der Leiter, Professor Matthias Drossel. „Da hat Corona keinen negativen Beitrag geleistet. Es freut uns, dass sich so viele für diese Berufe interessieren und wir eine Auswahl an Azubis haben. Der Bedarf steigt ja auch.“

„Corona hat keinen negativen Beitrag geleistet. Es freut uns, dass sich so viele für diese Berufe interessieren. Der Bedarf steigt ja auch“
Matthias Drossel, Leiter der Bamberger Akademien

Das heutige generalistische Ausbildungsmodell, das die bisherigen Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege verbindet und später fachliche Schwerpunkte setzt, sei sehr beliebt. Nach dem Berufsabschluss zur „Pflegefachfrau“ oder zum „Pflegefachmann“ können die examinierten Fachkräfte in allen Pflegebereichen arbeiten.

„Außerdem verändert sich das Bild der Pflege im Denken der Menschen. Es wird mehr und mehr professioneller, teilweise verschwimmt es zur sehr mit medizinischen Belangen, da durch die Corona-Krise auch viele intensive Bilder von Pflegesituationen aufkommen“, so Drossel.

Pflegetechniken können nicht online geübt werden

Die Lehrkräfte waren im Frühjahr 2020, als der Distanzunterricht durch den ersten Lockdown verpflichtend wurde, gut vorbereitet. Schon vor der Corona-Krise habe die Bildungsstätte das Modell des „blended Learning“ eingerichtet, um eine Begleitung der Frauen und Männer zu gewährleisten, wenn diese nicht an der Schule sein können. Es beinhaltet Lernbestandteile, die von den Schülern über eine Online-Plattform erarbeitet werden müssen und die ab März 2020 technisch sofort einsatzbereit gewesen seien.

Unterrichtsthemen, die der klassischen Wissensvermittlung zuzuordnen sind, seien für dieses Format gut geeignet: beispielsweise Bezugswissenschaften, medizinische oder pharmakologische Kenntnisse. „Aber alles, was Pflegetechniken betrifft, ist schwierig auf diese Weise zu vermitteln. Gerade einem pflegerischen oder handwerklichen Beruf muss man in Übungsräume gehen“, so der Leiter. Dies ist derzeit nicht möglich.

Durch Erklärungen und gegenseitige Vorführungen zu den Lerninhalten versuchen die Lehrkräfte dem Fehlen entgegenzuwirken. „Aber wenn es um die Umsetzung geht, geht viel verloren. Da sind in diesen Zeiten die Praxisanleiter gefragt, die derzeit noch engagierter sind als sonst.“

Dennoch beurteilt Professor Matthias Drossel, dass die derzeitige Ausbildung der Fachkräfte von morgen durch die Mehrfachbelastung der Kollegen in der Praxis, aber auch durch fehlende Möglichkeiten der Schulen leide. (tüb)

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